Immer mehr Haushalte überschuldet: Arbeitsarmut auf dem Vormarsch

Immer mehr Haushalte überschuldet: Arbeitsarmut auf dem Vormarsch
Bedürftige vor dem Eingang der Dortmunder Tafel e.V.
Aus dem Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung geht hervor, dass die Zahl der überschuldeten Menschen und Haushalte auf mehr als zwei Millionen gestiegen ist. Ein Grund für die Entwicklung ist ein häufig zu geringes Einkommen der Arbeitnehmer.

Dem Bericht zufolge galten im vergangenen Jahr 2,05 Millionen Haushalte als überschuldet, was wiederum 4,17 Millionen Personen entspricht. Im Jahr 2013 habe die Zahl noch bei 1,97 Millionen gelegen. Gezählt werden dabei Haushalte und Personen mit mehreren miteinander verbundenen Merkmalen wie Inkassofällen oder nachhaltigen Zahlungsstörungen, die nach zwei vergeblichen Mahnungen mehrerer Gläubiger erfasst werden.

Europa und das Diktat der Wirtschaft. (Symbolbild)

Im Bericht heißt es zum Anstieg überschuldeter Haushalte:

Ein Trend, nach dem seit 2006 ein stetiger Anstieg zu verzeichnen ist, setzt sich fort.

Grund für den weiteren Anstieg sei immer öfter die Einkommensarmut der entsprechenden Haushalte. Davon sind die Menschen zu unterscheiden, die auf staatliche Mindestsicherung beispielsweise durch Hartz IV oder eine Mindestrente angewiesen sind. Deren Zahl stieg in den vergangenen fünf Jahren um 800.000 Betroffene an. Laut Armutsbericht bezogen im Jahr 2015 demnach knapp acht Millionen Menschen Mindestsicherung oder eine Mindestrente.

Arbeitslosigkeit war bei 20 Prozent der Fälle, in denen Menschen die Schuldnerberatung aufsuchten, der Hauptauslöser. Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, merkte dazu an:

Überschuldung und prekäre Beschäftigung hängen oft zusammen.

Mascher ergänzt, dass befristete Arbeitsverhältnisse, Teilzeit- und Minijobs sowie Zeitarbeit zu einem erheblichen Teil zum Anstieg der Armut beitragen. So ist das Armutsrisiko etwa für befristet Beschäftigte am höchsten. In dieser Gruppe ist fast ein Fünftel der Arbeitnehmer nach Angaben von Eurostat von Armut bedroht.

Doch nicht nur die Zahl verschuldeter Haushalte nimmt stetig zu. Auch die Zahl der Wohnungslosen ist seit dem Jahr 2006 um 80.000 Betroffene angestiegen. Damit sind aktuell bundesweit 335.000 Menschen ohne festen Wohnsitz.

Dem Bericht zufolge stiegen seit dem Jahr 2012 jedoch andererseits ebenfalls die verfügbaren Einkommen der Deutschen durchschnittlich um 1,9 Prozent, was wiederum der guten Wirtschaftslage geschuldet sei. Zwischen 2012 und 2015 lag das Einkommensplus der Arbeitnehmer demnach bei durchschnittlich 10,7 Prozent. Die Einnahmen aus Unternehmen und Vermögen wiederum stiegen im selben Zeitraum um 9 Prozent an. Aber das sind eben nur Durchschnittswerte.

Der Armuts- und Reichtumsbericht registriert darüber hinaus auch eine steigende Zahl von Einkommensmillionären. Demnach erzielen aktuell 16.495 Bundesbürger ein Jahreseinkommen von mehr als einer Million Euro. Im Vergleich dazu waren es im Jahr 2009 noch 12.424 Personen.

SPD-Arbeitsministerin Andrea Nahles (r.) mit zwei weiteren Vertretern des Merkelkabinetts, die sich definitiv keine Sorge um Altersarmut machen müssen...

Dass ein Arbeitsplatz längst nicht mehr jeden vor dem sozialen und wirtschaftlichen Abstieg bewahrt und oftmals in die Armut führt, spüren immer mehr Menschen am eigenen Leib. Dies bestätigt jedoch auch das Statistikamt Eurostat. Demzufolge war im vergangenen Jahr fast jeder zehnte Bundesbürger von Armut bedroht. Die entsprechende Quote stieg zwischen 2005 und 2015 von 5,5 Prozent auf 9,7 Prozent.

Laut Bundesarbeitsministerium soll der Armuts- und Reichtumsbericht im Frühjahr durch das Kabinett beschlossen werden. Anders als bisher soll im fünften Bericht erstmals auch Auskunft über die Verwendung und Entstehung privaten Reichtums informiert werden.

ForumVostok
MAKS 2017