Legal, illegal, total egal: Skandal um Medikamente für Afrika

Legal, illegal, total egal: Skandal um Medikamente für Afrika
Pharmazeutische Produkte in Form der europäischen Währung, Bild-Illustration; August 20, 2014
Pharmazeutika die unter anderem für Krankenhäuser in Sambia bestimmt waren, landen wieder in Deutschland und bringen dubiosen Geschäftsleuten Millionen ein. Zwei Belgier, fünf Deutsche, ein Däne aus Serbien und ein Südafrikaner finden sich vor Gericht wieder.

Seit dem 31. Oktober muss sich die Gaunerbande nun vor der Wirtschaftskammer des Landgerichts Hamburg verantworten. Laut Informationen der Süddeutschen Zeitung handelt es sich dabei um den 67-jährigen Apotheker und Unternehmer Norbert B. aus Unterschleißheim bei München, dessen 38-jährigen Sohn Marco B. sowie die Hamburger Jens R., 50, Iris M., 46, und Nancy P., 56.

Die Gruppe, insgesamt bestehend aus sechs Männern und drei Frauen, soll sich des erwerbs- und bandenmäßigen Betrugs schuldig gemacht und darüber hinaus gegen das Arznei- und Markengesetz verstoßen haben.

Der konkrete Vorwurf lautet über ein internationales Firmengeflecht illegal deutsche Medikamente ausgeführt und wieder nach Deutschland reimportiert zu haben. Für ihre illegalen Machenschaften erwarben die Betrüger bei den Herstellern 1A Pharma und Salutas Pharma GmbH in großem Stil die entsprechenden Medikamente, in der Größenordnung von 1855 Europaletten, was wiederum 261 Tonnen an Pharmaprodukten entspricht.

Medikamente die nicht für den deutschen oder europäischen Wirtschaftsraum bestimmt sind werden von den Herstellern sehr oft unter marktüblichen Konditionen verkauft. Diesen Umstand machten sich die Gauner zu Nutze, indem sie behaupteten die entsprechenden Pharmazeutika seien für Polizeihospitäler und sogenannte „Health Shops“ für die arme Bevölkerung in Sambia bestimmt. Der Deal wurde wiederum über Südafrika abgewickelt, wo sich der Strohmann der Bande, der Südafrikaner Coenraad S., 62, der Sache annahm.

Dieser schickte die vermeintlich für Sambia bestimmten Produkte dann weiter nach Zürich-Kloten, von wo es dann weiter über Mauritius Richtung Flandern ging. Scheinbar über Serbien gelangten die Pharmaprodukte schlussendlich wieder in die EU, um sie dann an den mutmaßlich ahnungslosen Pharma-Großhändler Phönix weiter zu verkaufen.

Der Pharmakrimi spielte sich im Zeitraum zwischen Juli 2013 bis November 2014 ab, wobei die Bande 17,6 Millionen Euro mit dem illegalen Handel verdient haben soll.

Aufgeflogen war der Betrug letztendlich durch einen Hinweis der Kriminalpolizei in Antwerpen an ihre deutschen Kollegen.

Der aktuelle Medikamentenskandal weckt Erinnerungen an einen ähnlichen Fall der im Jahr 2011 bekannt wurde und wiederum nur ein weiteres Beispiel für den illegalen Handel und Reimport von Pharmaprodukten nach Deutschland darstellt. Subventionierte Medikamente, die für HIV-Infizierte in Südafrika bestimmt waren, wurden um-etikettiert und über die Schweiz und Belgien wieder nach Deutschland reimportiert. Aufgeflogen war der Betrug um die Therapeutika damals schließlich, da einem HIV-Patienten aufgefallen war, dass sich in einer noch verschlossenen Packung keine entsprechenden Medikamente befanden.