Die Friedensbewegung ist wieder da: 8.000 Teilnehmer bei "Die Waffen nieder!" in Berlin

Der Mobilisierungserfolg kann sich sehen lassen. Doch es war auch die Sorge um die angespannte Weltlage, die die Menschen auf die Straße trieb.
Der Mobilisierungserfolg kann sich sehen lassen. Doch es war auch die Sorge um die angespannte Weltlage, die die Menschen auf die Straße trieb.
Die Veranstalter können zufrieden sein. Mit rund 8.000 Teilnehmern erlebte Berlin heute die größte Friedensdemonstration der vergangenen Jahre. Mobilisiert hatten über 150 Initiativen, die ein Ende der Kriege weltweit forderten und die zunehmende Militarisierung kritisierten.

Demonstrant mit Friedensflagge

"Die Waffen nieder! Kooperation statt NATO-Konfrontation, Abrüstung statt Sozialabbau", so der Aufruf zur Friedensdemonstration am heutigen Samstag. Bewusst verbanden die Veranstalter ihre Ablehnung militärischer Aufrüstung und steigender Rüstungsbudgets mit der Forderung nach einem gerechten Wandel auch in der Sozialpolitik.

Oft kam es zur Sprache: Das Geld kann auch sinnvoller ausgegeben werden, als für Waffen, Raketren und Krieg. Doch dass die Organisatoren am Ende rund 8.000 Teilnehmer zählten, hängt wohl auch mit der zunehmenden Verschärfung der weltweiten Sicherheitslage zusammen. Nachdem die USA die Friedensgespräche mit Russland über die Lage in Syrien abgebrochen haben, bleibt wenig Hoffnung auf ein baldiges Schweigen der Waffen in dem Kriegsland. Und auch von US-Militärstrategen gab es vergangene Woche zunehmend eskalierende Töne zu hören. Die Welt, so scheint es, hat eine Epoche der Entspannung und der Aussöhnung zwischen Ost und West entgültig hinter sich gelassen.

Das Wetter spielte mit. Rund 8.000 Menschen demonstrierten am Samstag in Berlin für Frieden.
Das Wetter spielte mit. Rund 8.000 Menschen demonstrierten am Samstag in Berlin für Frieden.

So sind es längst nicht mehr nur noch die organisierten Kräfte aus Friedensbewegung, die die Sorge um die Zukunft auf die Straße treibt, sondern auch zunehmend Menschen aus der Mitte der Gesellschaft und aus allen Altersklassen. Der Videoblogger und Aktivist Pedram Shahyar kommentiert das Wiedererstarken der Friedensbewegung:

Auch Sahra Wagenknecht (Die Linke) kritisierte während der Abschlusskundgebung in scharfen Worten die militaristische Politik der Bundesregierung und forderte von dieser die sofortige Beendigung aller Bundeswehreinsätze in Kriegsgebieten. Auch die andauernd hohe Zahl an Waffenexporten aus Deutschland prangerte Wagenknecht scharf an.

Sahra Wagenknecht bei der Abschlusskundgebung von "Die Wafffen nieder!" in Berlin.
Sahra Wagenknecht bei der Abschlusskundgebung von "Die Wafffen nieder!" in Berlin.

Im Vordergrund der meisten Redebeiträge stand die Situation in Syrien. Doch für Wagenknecht steht auch dieser ein einer lang anhaltenden Kontinuität vor allem westlicher Interventionspolitik. 15 Jahre nach Beginn des "Krieges gegen den Terror" ist die Bilanz der Einsätze im Irak, Afghanistan und auch Syrien verheerend, fasste die Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag zusammen.

Mit einem baldigen friedlichen weltpolitischen Wandel rechneten nur die Wenigsten, vielmehr sei es nötig den Tag als Startpunkt zu sehen und künftig den Widerstand auf der Straße noch zu verstärken. Einen Hauch von Love Parade hatte der Tag auch. Mit einem Musikwagen beteiligte sich an der Veranstaltung auch der legendäre Berliner DJ Dr. Motte, der einst die ersten Techno-Demonstrationen organisierte, zu denen später Millionen kamen.