4 Tage vor Dresden-Anschlägen: Bombenfund bei Autobahnkontrolle, Polizei ließ Verdächtigen laufen

Symbolbild: Im Jahr 2011 hatte die bayrische Polizei zwei Rohrbomben auf einem Spielplatz gefunden.
Symbolbild: Im Jahr 2011 hatte die bayrische Polizei zwei Rohrbomben auf einem Spielplatz gefunden.
Die Polizei nahm nach dem Fund von Rohrbomben Hausdurchsuchungen in der Nähe von Zwickau vor. Dort hatten sich jahrelang die Gründer der Terrorgruppe NSU versteckt. Ein Sprecher der Bayerischen Polizei erklärt, ein Zusammenhang mit den Anschlägen in Dresden wird bisher nicht geprüft.

Vier Tage vor den Anschlägen in Dresden nahm die bayrische Polizei drei aus Sachsen stammende Männer fest. In ihrem Fahrzeug hatten die Beamten eine funktionsfähige Rohrbombe gefunden. Eine Zivilstreife kontrollierte den Kleintransporter bereits am 22. September auf der Autobahn A3. Im Rahmen der „Schleierfahndung“ nahmen die Beamten eine verdachtsunabhängige Kontrolle vor. 

Der Sprecher der Bayerischen Polizei, Günther Tomaschko, erklärte gegenüber RT Deutsch, dass seine Behörde keinen politischen Hintergrund bei dem Vorfall sieht. Seine Behörde werde in dieser Angelegenheit auch keine weiteren Ermittlungen vornehmen. Ob die Ermittlungsbehörden in Dresden sich für den Bombenfund interessieren, um etwa die technischen Details mit den Anschlägen in der sächsischen Landeshauptstadt abzugleichen, konnte der Sprecher der bayrischen Polizei nicht sagen.

Als sie das Fahrzeug durchsuchten, stießen die Zivilfahnder zunächst auf geringe Mengen von Drogen. Daraufhin nahmen sie die drei Insassen, einen 32-jährigen Mann aus dem Raum Zwickau, sowie einen 40-jährigen und einen 41-jähriger Mann aus dem Raum Plauen, genauer unter die Lupe. Im Fahrzeug stellten die Polizisten eine in eine Plastiktüte verpackte, selbstgebaute Rohrbombe sicher.

Die Polizei sperrte daraufhin die Raststätte Bayerwald. Um den Sprengsatz zu untersuchen, holten sich die bayrischen Beamten die „Technische Sondergruppe“ des Bayerischen LKA zur Unterstützung. Sie konnte feststellen, dass die Rohrbombe ein ähnliches Potential hatte wie eine Handgranate. 

Die Staatsanwaltschaft Regensburg entschied deshalb, dass die Wohnung des 32-jährigen Beschuldigten in Sachsen nach weiteren Bomben durchsucht wird. Dort fand die Polizei zwei weitere Bomben. Auch dort musste eine „Technischen Sondergruppe“ hinzugezogen werden. Bisher geht die Polizei davon aus, dass mindestens eine der beiden Rohrbomben funktionsfähig war. 

Die Vorfälle spielten sich vier Tage vor den beiden Bombenanschlägen in Dresden ab. Am Abend des 26. September verübten bisher unbekannte Personen einen Anschlag auf eine Moschee und auf ein internationales Kongresszentrum. Die Tatorte liegen nur wenige Minuten voneinander entfernt, auch hier wurden selbstgebaute Bomben mit einer niedrigen Explosionskraft eingesetzt.

Die Verdächtigen in Bayern wurden übrigens nicht verhaftet. Nach Angaben des jüngsten Beschuldigten sei er ein „Hobbybastler“ und habe die Bomben „lediglich aus Neugier nach entsprechenden Anleitungen“ gebaut. Dieser Einschätzung schlossen sich wohl Polizei und Staatsanwaltschaft an. 

Eine politische Motivation scheidet nach derzeitigem Kenntnisstand aus, gab die bayrische Polizei bekannt. Nach Rücksprache mit dem zuständigen Ermittlungsrichter wurde von der Beantragung eines Haftbefehls abgesehen. Der Beschuldigte wurde nach der Vernehmung aus dem Gewahrsam entlassen. 

Gegenüber der bayrischen Presse sprach die Polizei am nächsten Tag von einem „Dumme-Jungen-Streich“, eine Formulierung, die schon angesichts des Alters der Beschuldigten merkwürdig wirkt. Der 32-Jährige war bisher nie strafrechtlich in Erscheinung getreten

„Er war offenbar neugierig und wollte wissen, wie sich so etwas bauen lässt", so Polizeisprecher Tomaschko.

Im November 2011 waren in Thüringen drei Personen aufgeflogen, die über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren Terroranschläge auf Ausländer und Migranten verübt hatten. Darunter verübten sie neben gezielten Tötungen mit Schusswaffen auch Anschläge mit selbstgebauten Bomben mit einer niedrigen Sprengwirkung. 

Die Ermittlungsbehörden, und hier insbesondere die Innenbehörden aus Sachsen, Thüringen, Bayern und Hessen, behinderten die Ermittlungen in vielfacher Weise und sorgten so dafür, dass die Mordserie des NSU über zehn Jahre unentdeckt blieb. Zu diesem Ergebnis kamen inzwischen verschiedene Untersuchungsausschüsse.