CDU-Skandal: Peter Tauber, die rechte Hand Merkels, soll Mitarbeiterin systematisch gemobbt haben

Peter Tauber neben Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Peter Tauber neben Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Mittels einer Mobbinganleitung im Stile einer "Zersetzungsrichtlinie" soll der heutige CDU-Generalsekretär Peter Tauber 2006 versucht haben, einem Vertrauten beim Loswerden einer Mitarbeiterin zu helfen. Nun leakten CDU-Kreise das Dokument an Medien.

Lokale Medien haben pikante Vorwürfe gegen den Generalsekretär der CDU, Peter Tauber, erhoben. Tauber sitzt seit 2009 im Bundestag und agiert seit 2013 als die "rechte Hand" von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Nun ist eine nach Angaben von CDU-Kreisen aus der Feder Taubers stammende Mobbinganleitung aufgetaucht, die aus seiner Zeit als JU-Landesvorsitzender von Hessen im Jahre 2006 stammen soll. Tauber bestreitet die Vorwürfe.

Quelle: Erwin Wodicka

Das achtseitige, nach Auffassung jener CDU-Quellen, dies es an die Medien leakten, "menschenverachtende" Papier trug den Titel "Pflegehinweise für das Kaninchen" sowie den Untertitel "Operation Kaninchenjagd". Hintergrund der Ausarbeitung war offenbar das Bestreben, die damalige Geschäftsführerin des CDU-Kreisverbandes Main-Kinzig, Anne Höhne-Weigl ("das Kaninchen") zum Ausscheiden aus ihrer Parteifunktion, vor allem aber zur Niederlegung ihres Mandats zu bewegen. Adressat des Leitfadens war offenbar der damalige Kreisvorsitzende Tom Zeller. 

Dem Leitfaden waren Entwürfe für einen Beschluss des CDU-Kreisvorstands zur Entlassung der Kreisgeschäftsführerin und für einen Aufhebungsvertrag beigefügt. Darüber hinaus soll die Anleitung psychologische Strategien umschrieben und empfohlen haben, die Assoziationen zu diversen geheimdienstlichen "Zersetzungsrichtlinien" wecken.

Ein Element soll dabei darstellen, dass der Zielperson gegenüber der Eindruck vermittelt werden soll, es bestehe zu ihren Gunsten kein Kündigungsschutz. "KEIN WORT zum Kündigungsschutz", hieß es wörtlich in der Anweisung und: "Falls eine Nachfrage kommt, was mit dem Kündigungsschutz ist, sollte man Sand in die Augen streuen" und anschließend den Satz hinzufügen: "Du weißt doch, dass der hier nicht greift."

Das Papier enthielt auch detaillierte Anweisungen hinsichtlich der zu wählenden Sitzordnung, die das Opfer einschüchtern und zur Einwilligung in den gewünschten Aufhebungsvertrag bewegen soll:

Scherbengericht plus einen, der ihr zugeordnet ist als Vertrauensperson. Der sollte ihr später raten, [den Aufhebungsvertrag] anzunehmen."

Höhne-Weigl, die den Spitz- oder Schimpfnamen "Kaninchen" trug, behauptet, zufällig in den Besitz des Dokumentes gekommen zu sein. Sie ist sich heute sicher, dass Peter Tauber zusammen mit Gefolgsleuten aus seinem Umfeld dahintersteckt, zumal die Anweisung fast detailgetreu ausgeübt worden sei.

Tauber habe sie "ganz so, wie es in dem Papier aufgeschrieben war", unter Druck gesetzt – "über Arbeitszuteilungen und zusätzliche Anweisungen". Sie habe sich davon aber nicht beirren lassen.

Ich hatte ja ein Mandat. Die konnten mich überhaupt nicht rausdrängen."

Tauber, der durchaus dafür bekannt ist, in sozialen Netzwerken seinen feingeistig-bürgerlichen Habitus bei Bedarf auch mal ablegen zu können, soll die Mobbinganleitung zusammen mit dem ehemaligen Landesgeschäftsführer der Jungen Union in Hessen, Sebastian Zimmer, verfasst haben. Dieser ist heute Leiter des Hauptamtes im hessischen Obertshausen und soll bezüglich der Angelegenheit vom Waldheim-Syndrom ereilt worden sein. Er streitet sogar ab, in dieser Zeit überhaupt mit Peter Tauber bekannt gewesen zu sein.

Altgediente Parteifreunde wie der heutige Ehrenvorsitzende Hubert Müller wollen diese Darstellung jedoch nicht bestätigen. Müller erklärte auf Nachfrage lokaler Medien, er habe schon in den Jahren davor wahrgenommen, dass Zimmer zu der jungen Gruppe um Tauber gehört habe.

Das Papier soll übrigens eine Gefälligkeitsarbeit zu Gunsten Tom Zellers gewesen sein, dessen Vertrauter Tauber war und der sich angeblich einer ihm lästig gewordenen Mitarbeiterin entledigen wollte.

Zeller, damals frischgebackener Vorsitzender der CDU im Main-Kinzig-Kreis und Tauber-Gefolgsmann, zeigte sich der Frankfurter Rundschau gegenüber geständig. Er konnte demnach nicht gut mit der Kreisgeschäftsführerin und wollte sie loswerden. Er habe deshalb "mit Peter [Tauber] und Sebastian [Zimmer] und anderen über das Thema beraten", räumte er ein. Außerdem fügt er hinzu, wer das Papier verfasste:

Der Sebastian und der Peter. Wie die sich das aufgeteilt haben, weiß ich nicht mehr."

Heute sieht er es als Fehler und nimmt die Verantwortung auf sich.

Tauber streitet die Vorwürfe jedoch kategorisch ab: "Ich war damals in keiner Funktion im Kreisverband tätig."

Aber wie passt das zusammen mit dem eigentlichen Vorwurf, dass er die Kreisgeschäftsführerin dann auch genau wie in dem Papier beschrieben "unter Druck gesetzt" habe?

Zudem soll Zeller gegenüber Höhne-Weigl persönlich auf Nachfrage gestanden haben, dass "das Papier von Peter Tauber und Sebastian Zimmer stammt".

Der Erfolg der Strategie hielt sich übrigens in überschaubaren Grenzen: Das "Kaninchen", wie die Dame genannt wurde, blieb noch volle acht Jahre im Amt, ehe sie im Jahre 2014 regulär in den Ruhestand verabschiedet wurde. Spurlos an ihr vorbeigegangen ist die Kampagne jedoch nicht: "Mir wird immer noch schlecht. Über Jahre konnte ich nicht darüber reden", vertraute Anne Höhne-Weigl der Frankfurter Rundschau an.