Pirat Gerwald Claus-Brunner tot in Wohnung aufgefunden – Ein Suizid mit Ankündigung?

Der Pirat Gerwald Claus-Brunner starb gestern im Alter von 44 Jahren.
Der Pirat Gerwald Claus-Brunner starb gestern im Alter von 44 Jahren.
Nur einen Tag nach dem enttäuschenden Wahlergebnis in Berlin folgte gleich der nächste Schock für die Piratenpartei: Ihr langjähriges Mitglied Gerwald Claus-Brunner, bis dato Abgeordneter der Fraktion, wurde tot aufgefunden. Im Juni deutete der Pirat einen möglichen Selbstmord an.

„Faxe, wie wir ihn alle nannten, war nie unumstritten, Faxe war nie einfach und er hatte es auch nie leicht“, so die Berliner Piratenpartei in einem Nachruf, nachdem der Tod ihres Mitgliedes Gerwald Claus-Brunner gestern bekannt wurde.

Tatsächlich war Claus-Brunner meist involviert, wenn von den zahlreichen Konflikten innerhalb der Piratenfraktion die Rede war. Am Ende der Legislaturperiode sollte der gelernte Mechatroniker gar aus der Fraktion ausgeschlossen werden, die Abstimmung darüber scheiterte nur an einer Stimme.

Hinweisschild zum Raum der Sitzung der Piratenfraktion im Abgeordnetenhaus zu Berlin, Tobias M. Eckrich,  Creative Commons Attribution 3.0 Unported

Während zahlreiche seiner früheren Kollegen längst in die SPD oder Linkspartei abgewandert sind, sah sich Claus-Brunner bis zuletzt der Basis verpflichtet, verschrieb sich dem Ideal der Politik auf Augenhöhe mit den Bürgern. Dies lieferte Stoff für zahlreiche Auseinandersetzungen mit den karrierebewussten Kollegen.

In das Gesetz für die Zusammenlegung der Berliner Sternenwarten und Planetarien vertiefte sich der Pirat mit einigem Eifer, stellte Anfragen und vermutete Korruption. Die Fraktion winkte ab. Auch beim letzten Auftritt Claus-Brunners im Berliner Abgeordnetenhaus am 23. Juni kam das Thema zur Sprache. Zum Abschluss seiner Rede formulierte der 44-Jährige dann etwas, was nun wie eine Ankündigung eines möglichen Selbstmordes wirkt:

Ihr werdet auch in der laufenden Legislatur für mich am Anfang irgendeiner Plenarsitzung mal aufstehen dürfen und eine Minute stillschweigen.

In einer ersten Stellungnahme schloss die Polizei Fremdverschulden als Todesursache aus. Fragen wirft aber vor allem die Tatsache auf, dass neben Claus-Brunner eine zweite männliche Leiche in dessen Wohnung gefunden wurde. Wie in ungeklärten Todesfällen üblich, ermittelt nun die Mordkommission und will im Laufe des Tages erste Ermittlungsergebnisse bekannt geben.

Neben der massiven seelischen Belastung in Folge der Querelen innerhalb der Piratenfraktion, schließt die Partei auch eine unheilbare Krankheit, an der Claus-Brunner gelitten haben soll, als Grund für einen möglichen Selbstmord nicht aus.

Bundesweit bekannt wurde der überzeugte Basispolitiker durch sein ungewöhnliches Auftreten, gekleidet stets mit Latzhose und farblich passender Kufiya.

Was Claus-Brunners Lebzeiten undenkbar war, löste erst die Todesmeldung Claus-Brunners aus. In der Trauer um ihren früheren Weggefährten sind sich die Piraten, trotz aller sonstigen Differenzen, das vielleicht erste Mal einig.

Update: In einer gemeinsamen Presseerklärung gaben die Polizei und die Staatsanwaltschaft Berlin bekannt, dass Claus-Brunner nach bisherigen Erkenntnissen Selbstmord begannen hat. Bei der zweiten Leiche handelte es sich um eine gezielte Tötung:

Die heutigen durchgeführten Obduktionen ergaben, dass der 44-jährige Wohnungsmieter sich selbst das Leben genommen hatte. Bei dem anderen Toten, einem jüngeren Mann, bei dem die Identität noch nicht abschließend geklärt ist, stellte man bei der Autopsie fest, dass er einige Tage zuvor durch stumpfe Gewalt gegen den Oberkörper getötet wurde.

Bei dem anderen Toten, einem jüngeren Mann, bei dem die Identität noch nicht abschließend geklärt ist, stellte man bei der Autopsie fest, dass er einige Tage zuvor durch stumpfe Gewalt gegen den Oberkörper getötet wurde.

Suizidgedanken sind keine Seltenheit: Der Berliner Krisendienst bietet rund um die Uhr kostenlose Hilfe in vermeintlich ausweglosen Situationen an.