Comeback des Sparstrumpfs? Deutsche Bankkunden fliehen vor Strafzinsen und hohen Gebühren

Immer mehr Sparer sehen sich als Opfer der anhaltenden Nullzins-Politik der Zentralbanken und ergreifen Gegenmaßnahmen. Die Hersteller von Heimtresoren haben indessen Grund zur Freude.
Immer mehr Sparer sehen sich als Opfer der anhaltenden Nullzins-Politik der Zentralbanken und ergreifen Gegenmaßnahmen. Die Hersteller von Heimtresoren haben indessen Grund zur Freude.
Angesichts drohender Negativzinsen und verschwindend geringer Renditen bei Konten und Sparbüchern wenden sich immer mehr Kunden von den deutschen Banken ab. Hingegen ist der Absatz von Heimtresoren bereits im letzten Jahr rapide angestiegen.

Die Europäische Zentralbank hält an ihrer Politik des Null-Prozent-Leitzinses fest. Eine der Hauptauswirkungen davon ist, dass die vonseiten der Zentralbanken vorgesehenen Strafzinsen für Banken, die Geld bei der Notenbank einlagern, bestehen bleiben. Die Folge davon ist, dass einige Banken bereits das Tabu gebrochen haben, ihrerseits private Sparer mit Strafzinsen zu bedenken. Andere Bankhäuser verlangen "Gebühren" für Kunden, die größere Geldsummen auf Girokonten "parken".

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Um zu verhindern, dass sie nun auch für ein Plus auf dem Kontoauszug bezahlen müssen, entscheiden sich immer mehr Kunden dafür, ihr Geld kurzerhand zu Hause zu lagern. So bestätigte der Vertriebsleiter der Firma Burg-Wächter KG aus Wetter/Ruhr, Dietmar Schake, in einer Presseinformation mit dem Titel "Tresorboom: Verbraucher investieren in ihre Sicherheit":

„Wir registrieren ein deutliches, zweistelliges Plus.“

Laut dem Wall Street Journal (WSJ) berichten auch die Unternehmen Rivals Format Tresorbau GmbH und Hartmann Tresore AG von Umsatzsteigerungen im zweistelligen Prozentbereich. Thies Hartmann, der Geschäftsführer der Hamburger Stahltresore GmbH - ebenfalls eines Familienunternehmens, das Tresore vertreibt - gab gegenüber dem WSJ an, seit 2014 ein Wachstum von 25% verbucht zu haben. Zudem arbeiteten die Hersteller bereits hart am Limit.

Allerdings sind die Strafzinsen offenbar nicht der einzige Grund für den hohen Absatz an Tresoren: So sind auch Phänomene wie die jüngst wieder in den Mittelpunkt der öffentlichen Debatte gerückten "Hamsterkäufe" zu beachten. Zudem ist auch die Zahl der Einbrüche der amtlichen Polizeistatistik zufolge im Jahr 2015 erneut um 9,9 Prozent gestiegen.