Keine Amtsmüdigkeit: Kommen weitere vier Jahre Merkel?

Will sie es noch einmal wissen? Kanzerlin Angela Merkel im ARD-Sommerinterview
Will sie es noch einmal wissen? Kanzerlin Angela Merkel im ARD-Sommerinterview
Wenn in den USA die Präsidentschaftswahl entschieden ist, nimmt der Wahlkampf in Deutschland erst Fahrt auf. Ob Kanzlerin Angela Merkel im kommenden Jahr erneut kandidiert, lässt sie zunächst offen. Laut Medienberichten handelt es sich dabei jedoch um taktische Manöver. Strebt die Kanzlerin nach einer vierten Amtszeit?

Rund ein Jahr ist vergangen, seitdem Bundeskanzlerin Angela Merkel die Entscheidung traf, Deutschlands Grenzen zu öffnen, und Flüchtlinge ohne Kontrollen ins Land einreisen ließ. Ein Akt, der von zahlreichen Kritikern als Einladung gedeutet wurde und die Integrationsfähigkeit Deutschlands überfordern könnte. Seit Merkels weitreichender Entscheidung im September 2016 ist in der Bundespolitik nichts mehr wie zuvor. Die Bandbreite der Meinungen reicht von „Wir schaffen das“ bis zu „Deutschland schafft sich ab“.

Dass ihr Kurs die Kanzlerin auch innerparteilich weiterhin unter Druck setzt, beweist das besonnene Taktieren, das Merkel bei einer möglichen Verkündung einer weiteren Kandidatur für die kommenden Bundestagswahlen an den Tag legt. Ursprünglich wollte die CDU-Chefin schon vor einigen Monaten bekannt geben, ob sie sich im nächsten Jahr erneut zur Wahl zu stellen wird.

Doch im ARD-Sommerinterview gab Merkel nun eine weitere Verzögerung in der K-Frage bekannt. Wie das Boulevardblatt BILD erfahren haben will, plant Merkel, auf dem nächsten CDU-Parteitag im Dezember 2016 die Kandidatur mit ihrer erneuten Wiederwahl zur Parteichefin zu kombinieren. Die Botschaft an die rumorende Partei: Wer Merkel auf dem Posten der Vorsitzenden will, muss auch Merkel als Kanzlerin mittragen. Laut dem Spiegel wird jedoch vor Frühjahr 2017 keine solche Entscheidung fallen.

Vor allem CSU-Chef Horst Seehofer wurde in den vergangenen Monaten zu Merkels schärfstem Kritiker innerhalb der Union. Seehofer sei es auch geschuldet, dass die K-Frage nicht längst in Sack und Tüten ist. Unklar ist jedoch, ob der Bayer selbst Ambitionen hegt, das Amt des Regierungschefs anzutreten. Zuletzt versuchten dies auch die CSU-Vorsitzenden Edmund Stoiber und Franz Joseph Strauß. Beide scheiterten. Da gilt Merkel, trotz der teils scharfen Ablehnung in Teilen der Bevölkerung, als vergleichsweise sichere Wette für die Christdemokraten.

Interesse geweckt? Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Regierungssprecher Steffen Seibert haben ein besonderes Augenmerk auf RT Deutsch.

Dabei setzt die Kanzlerin offenbar auch gezielt auf ein Klientel, das traditionell eher der SPD nahe steht. Sie sei „auch die Kanzlerin der Deutschtürken", so Merkel im Sommerinterview. Die Kanzlerin forderte von der Drei-Millionen-Stimmen starken Wählergruppe jedoch auch, sich stärker zivilgesellschaftlich zu engagieren. Zudem solle es vermieden werden, dass innertürkische Konflikte nach Deutschland getragen werden.

Doch liegt eine weitere Amtszeit überhaupt im Bereich des Möglichen? Nach 12 Jahren zeigt sich die deutsche Bevölkerung durchaus Merkel-müde. Lediglich 42 Prozent der Bundesbürger begrüßen einer neuen Umfrage zufolge die Idee einer weiteren Kandidatur. Ein Zustimmungswert der allerdings ausreichen könnte, angesichts der noch schwierigeren Kandidatenlage in der SPD. Auch bei den Sozialdemokraten lässt man sich noch bis kommendes Jahr Zeit mit der Ernennung des Spitzenkandidaten. Parteichef Sigmar Gabriel werden keine besonders hohen Chancen auf einen Wahlsieg zugesprochen. So könnte Merkels Ankündigung anzutreten schon eine Vorentscheidung sein. Die einstige Ziehtochter von Helmut Kohl könnte dann ebenso lange im Amt sein, wie ihr früherer Mentor.