MDR hakt nach: Zusammenarbeit zwischen BILD und Verfassungsschutz um Snowden zu diffamieren?

Laut BILD und Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen ein Spion im Auftrag des Kremls: Der NSA-Whistleblower Edward Snowden.
Laut BILD und Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen ein Spion im Auftrag des Kremls: Der NSA-Whistleblower Edward Snowden.
Aufgeheizte Stimmung in der BILD-Redaktion. Nachdem das MDR-Magazin Fakt einen Videobericht veröffentlichte, in dem eine Zusammenarbeit zwischen BILD und dem Verfassungsschutz zum Zwecke der Diffamierung Edward Snowdens nahegelegt wird, reagiert Julian Reichelt empört. Der Bild online-Chef führt einen wahren Twitterkrieg gegen das Magazin und wirft ausgerechnet dem MDR vor „eins zu eins russische Propaganda“ zu verbreiten.

Quelle: Screenshot MDR

Ausgerechnet der MDR, der in jüngster Zeit wiederholt mit besonders einseitigem Russland-Bashing auf sich aufmerksam gemacht hatte, steht bei Bild online-Chef Julian Reichelt nun in Verdacht „eins zu eins russische Propaganda“ zu verbreiten. Der Grund: Das TV-Magazin hat nachgefragt und nachgeforscht. Was ist dran an den Vorwürfen gegenüber Edward Snowden, die BILD und Bild.de seit Monaten im Gleichklang mit Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen formulieren? Laut dem Geheimdienstler und den Boulevard-Journalisten handelt es sich bei dem NSA-Aussteiger und Whistleblower in Wirklichkeit um einen „russischen Agenten“.

Maaßen präsentierte diese Geschichte im Juni 2016 sogar vor dem Parlamentarischen NSA-Untersuchungsausschuss, gestand dabei allerdings ein, dass er nicht die geringsten Belege für seine Anschuldigungen hat und konnte diese auch später nicht nachreichen. Ähnlich geht es im Hause Axel Springer zu. In zahlreichen Beiträgen arbeiten sich Reichelt und Co. am „Verräter“ Edward Snowden ab und versuchen diesen zu diskreditieren. Das Ziel: Die von Snowden aufgedeckten Überwachungsprogramme von NSA, BND und deren Partnerdiensten zu schützen sowie Sympathisanten des Whistleblowers verunsichern.

Die Kampagne führte jüngst sogar zu einem Kommentar des russischen Präsidenten Wladimir Putin, der die Unterstellungen nicht ganz ohne Belustigung zurückwies:

Georg Maaßen, Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz vermutet fremde Mächte hinter den Enthüllungen von Edward Snowden

Letztlich war das dann wohl auch der Fakt-Redaktion zu viel. In einem knapp siebenminütigen Clip mit dem Titel „Umstrittene Äußerungen zu Whistleblower Snowden - SPD-Innenpolitiker legt Maaßen den Rücktritt nahe“ zeichnet die Sendung den Verlauf der Kampagne nach. Besonders auffällig: Das nahezu perfekte Zusammenspiel von BILD und Verfassungsschutz und der Mangel jedweder Belege.

Reichelt, der in dem Beitrag auch selbst zu Wort kommt, zeigte sich auf Twitter im Anschluss an die Ausstrahlung der Sendung empört. Zuvor echauffierte sich der Bild online-Chef bereits darüber, dass die Onlineredaktion von Fakt, Maaßen fälschlicherweise als BND- statt Verfassungsschutz-Chef tituliert hatte.

Für Reichelt der Beleg für unsaubere Arbeitsmethoden. Auch der SPD-Politiker Christian Flisek, Obmann im NSA-Untersuchungsausschuss, bekommt sein Fett weg:

Für Reichelt ist also klar: Keine BILD-Lüge, sei sie noch so dreist und offensichtlich, darf von deutschen Medien als Lüge bezeichnet werden, wenn dies dem „bösen Russen“ in die Hände spielt. Die Journalisten von ZDF über Spiegel bis MDR haben sich widerspruchsfrei hinter der Linie einzuordnen, die BILD vorgibt. Widerspruch ist gleichbedeutend mit Verrat. An und für sich ist dieser Umstand wenig überraschend und auch nicht neu. Erfreulich ist allerdings, dass scheinbar nicht mehr alle Mainstream-Journalisten bereit sind, sich an diesen Deal zu halten.

Nur einen Tag später beweist Reichelt erneut, was dessen eigentliche Arbeitsmotivation ist. Während Forderungen des ehemaligen CIA-Chefs Mike Morell, der Westen solle zum Zwecke der Provokation heimlich Russen und Iraner in Syrien töten, von einem breiten Publikum mit Entsetzen aufgenommen wurden, feiert der Bild online-Chef die „moralische und politische Klarheit“ des ehemaligen Geheimdienst-Chefs.

Klar ist: Mit journalistischer Arbeit haben Reichelts Tätigkeiten nicht viel zu tun.