„Putin ist schuld“ ARD-Folge 674 – Heute: Stau auf Europas Autobahnen

Laut Tagesschau jetzt auch schuld am Stau: Russlands Präsident Wladimir Putin
Laut Tagesschau jetzt auch schuld am Stau: Russlands Präsident Wladimir Putin
Die Liste der negativen Ereignisse, für die Russlands Präsident Wladimir Putin die alleinige Schuld trägt, ist lang. Nun kommt ein weiterer schwerwiegender Punkt hinzu: Ausgerechnet wenn es deutsche Urlauber auf die Autobahnen zieht, macht sich der Kreml-Chef auf zum Staatsbesuch nach Slowenien. Aus Sicherheitsgründen kam es kurz zu Straßensperren. „Putin sorgt für Stau“, titelt daraufhin völlig ironiefrei die Tagesschau.

Ob die Redakteure der Tagesschau in Folge des Sommerlochs lediglich nach einer Überschrift mit Klick-Garantie suchten, oder ob Russlands Präsident Wladimir Putin nun tatsächlich auch in Haftung dafür genommen werden soll, wenn deutsche Urlauber verspätet im Ferienhotel eintreffen, ist derzeit noch nicht bekannt. Klar ist aber: Wenn eine Meldung mit „Putin“ beginnt, ist Leserinteresse garantiert. Offensichtlich ist auch: Von Brexit bis zu den E-Mail-Leaks der US-Demokraten; von sinkenden Umfragewerten für Merkel bis zum Stimmenzuwachs der AfD, die Hintergründe solcher Entwicklungen lassen sich mit einem Fingerzeig nach Moskau leicht vernebeln, weitere Fragen müssen nicht beantwortet werden. „Putin ist schuld“ hat sich somit in den vergangen Jahren zur universell einsetzbaren und immer irgendwie schon richtigen Formel entwickelt.

Dass selbst eher dröge Verkehrsmeldungen spektakulär werden können, wenn Putin damit irgendetwas zu tun hat, beweist die Tagesschau mit ihrer gestrigen Meldung „Putin sorgt für Stau“.

Irgendwas mit Putin. Quelle: http://www.tagesschau.de/ausland/stau-111.html
Irgendwas mit Putin. Quelle: http://www.tagesschau.de/ausland/stau-111.html

Zwar ist es ein eher alltägliches Ereignis, dass der Autobahnverkehr auf einer Strecke von sieben Kilometern zum Erliegen kommt, diesmal gibt es jedoch einen Schuldigen für die nervige Wartezeit im stickigen Auto. Der Hintergrund: Wegen eines Staatsbesuchs des russischen Präsidenten in Slowenien wurde die Karawanken-Autobahn (A11) kurzzeitig gesperrt. Auch wenn sich der Autobahnabschnitt zwischen Österreich und Slowenien befindet, betont die Tagesschau, dass wegen des Ferienbeginns vor allem deutsche Urlauber auf den Straßen unterwegs sind. Wer also erst nach strapaziöser Stop-and-Go-Fahrt am Ziel ankommt, kann dort anderen Urlaubern beim ersten Kennenlernen berichten, wie Putin fast die lang ersehnte Erholung zunichtegemacht hätte.

Der Austausch darüber, für was Russlands Präsident sonst noch die Schuld trägt, kann problemlos mehrere Tage in Anspruch nehmen und für anhaltenden Gesprächsstoff am Urlaubsort sorgen.

Anders ist der Fall bei einem zeitgleichen Stau am Gotthard-Tunnel, von dem die Tagesschau in derselben Meldung ebenfalls berichtet. Zwar war dieser mit 14 Kilometern doppelt so lang wie der „Putin-Stau“, schaffte es allerdings nicht in die Überschrift. Vor dem Tunnel verhinderte schlicht und einfach „Verkehrsüberlastung“ das Weiterkommen. Das liest sich deutlich langweiliger. Also irgendwas mit Putin.