Amoklauf in München: 18-jähriger Münchner tötet neun Menschen und sich selbst

Amoklauf in München: 18-jähriger Münchner tötet neun Menschen und sich selbst
Der Amoklauf in der bayrischen Landeshauptstadt ist beendet. In der Nacht gab die Polizei bekannt, dass der Täter identifiziert ist. Stundenlang bestand Unsicherheit über die Anzahl der Täter und das Motiv. An zahlreichen Stellen in der Stadt brach Panik aus. Das öffentliche Leben kam zum Erliegen. Die schreckliche Bilanz: 10 Tote und 21 Verletzte.

In München kam es am gestrigen Freitag Abend erneut zu einem Amoklauf. Gegen 18 Uhr meldeten Zeugen Schüsse aus dem Olympia Einkaufszentrum. Obwohl die Polizei sehr schnell an dem Ort eintraf, konnte der Täter flüchten. Danach bestimmte bis in die Morgenstunden eine unsichere Nachrichtenlage das Bild. 

In Sozialen Medien veröffentlichten Zeugen sehr schnell Videoaufnahmen des Täters. Der Mann trat aus dem Einkaufszentrum und lieferte sich Wortgefechte mit Passanten, die ihn aufforderten, mit der Schießerei aufzuhören. Daraufhin sind erneut Schüsse zu hören. Wie die Polizei später bekannt gab, feuerte der Schütze teilweise gezielt auf die Köpfe seiner Opfer. 

Die Schießerei begann der Polizei zufolge in einer Burger-Filiale gegenüber dem OEZ in der Hanauer Straße. Bereits von dieser Szene kursierte Minuten später eine Videoaufnahme. Danach zog der Mann ins OEZ und schoss dort weiter. Zu den Toten und Verletzten gehören auch mehrere Kinder und Jugendliche. Unmittelbar im Umfeld des Amoklaufs sollen 21 Menschen verletzt worden sein. 

Allerdings brach aufgrund von Falschmeldungen an mehreren Stellen Panik aus. Große Unsicherheit bestand auch bei der Polizei: Bis in die Nacht sprachen die Beamten von „bis zu drei Tätern“, die angeblich mit „Langwaffen“ bewaffnet seien. Erst gegen 1:30 Uhr gab die Polizei „vorsichtig Entwarnung“: Bei einem der Toten handelte es sich um den Täter.

Vermutlich hat sich der Mann selbst erschossen, nachdem er zwei Stunden lang durch die Gegend lief und gezielt auf Passanten und Anwohner schoss. 

Nach Angaben der Polizei soll es sich um einen 18-jährigen Münchner handeln, der bisher polizeilich nicht aufgefallen war. Auf einem der am Abend veröffentlichten Videos läuft der mutmaßliche Täter über das Dach eines Flachbaus und liefert sich Wortwechsel mit den Anwohnern. Dabei erklärte er, dass er selbst aus der Wohngegend stammt. In dem Wortwechsel beschimpfen sich Anwohner und mutmaßlicher Täter als „Kanaken“ und „Scheißtürken“. 

Nach bisherigen Angaben der Polizei erschoss sich der Mann kurz darauf, als er von einer Zivilstreife gestellt wurde. Dabei soll es auch zu einem Schusswechsel gekommen sein. Die Details zu den Todesumständen soll eine Obduktion klären. Über das Tatmotiv konnte die Polizei bisher keine Auskunft geben. Ebensowenig ist bisher klar, woher die Waffe stammt.

Die Polizei erklärte in der Nacht das stundenlange Informationschaos damit, dass man zunächst von einer „akuten Terrorlage“ ausgegangen sei. Dass im Verlauf des Abends von bis zu drei Verdächtigen die Rede war, lag offenbar daran, dass andere Flüchtende und bewaffnete Zivilpolizisten als Verdächtige wahrgenommen wurden. 

Aufgrund der Nachrichtenlage brach an mehreren öffentlichen Plätzen Panik aus. Auf dem zentralen Stachus brüllte ein Passant auf Englisch „Shooting, Shooting!“. Daraufhin rannten Menschen los, teilweise stürzte die Einrichtung der Straßencafes um. Zahlreiche Menschen wurden leicht verletzt, die Fußgängerzone wurde evakuiert. Ähnliche Szenen sollen sich im Münchner Hofbräuhaus zugetragen haben.

Zu dem Zeitpunkt, als der Täter, wie sich später herausstellte, bereits tot war, stufte die Bundesregierung die „Krisenlage“ hoch zu einer „Terrorlage“. Innenminister Thomas de Maizière, der wegen des Attentats in Würzburg am Montagabend seinen Urlaub zum ersten Mal unterbrochen hatte, war am Abend noch auf dem Weg in die USA. Unmittelbar nach seiner Ankunft gab er bekannt, dass er nach Deutschland zurückkehrt.