Wohin mit dem Atommüll in Deutschland? Expertenkommission stellt Bericht in Berlin vor

Kein Endlager in Sicht: Atommüll wird in Deutschland bis dato in Zwischenlagern aufbewahrt
Kein Endlager in Sicht: Atommüll wird in Deutschland bis dato in Zwischenlagern aufbewahrt
Bei der Produktion von Atomstrom fällt Müll an, der über extrem lange Zeiträume eine gefährliche Strahlenquelle darstellt. Die Frage nach einem deutschen Atommüll-Endlager treibt daher seit Jahrzehnten die Bundesrepublik um. Nun hat die Atommüll-Endlagerkommission ihren Bericht veröffentlicht. Für Empörung sorgt, dass auch das niedersächsische Gorleben darin nicht als Standort ausgeschlossen wird.

Es sind 700 Seiten, in denen die Atommüll-Endlagerkommission ihre Arbeit der vergangenen zwei Jahre zusammenfasst. Es geht um ein Problem, dass sich nicht so leicht aus der Welt schaffen lässt, die Frage: Wohin mit dem Atommüll? Mindestens eine Million Jahre strahlen Brennstäbe noch, nachdem sie für die Stromerzeugung nicht mehr einsetzbar sind. Ein Fakt, der klar macht, dass die vermeintlich billige Atomenergie zu hohen Kosten in der Zukunft führt.

Noch gibt es für die Abfallprodukte der vergleichsweise neuen Energiequelle noch kein Endlager in Deutschland. Im Jahr 1957 wurde in Garching bei München der erste Atommeiler in Betrieb genommen. 60 Jahre danach sucht man immer noch nach einer Lösung für die seit dem aufgetürmten Hinterlassenschaften.

In Gorleben versetzte der Widerstand gegen ein dortiges Atommüll-Endlager breite Bevölkerungsschichten in Aufruhr. Legendär ist die Bewegung aus dem Wendland, an der sich traditionell auch viele Landwirte beteiligen. Auch gestern zogen diese mit ihren Traktoren wieder vor das Kanzleramt in Berlin. Der Grund: Gorleben, seit Jahrzehnten auch ein politischer Zankapfel, weil Regierungen den Standort gegen alle Argumente forcierten, wird von der zuständigen Expertenkommission nicht als Langzeitlager für den strahlenden Müll ausgeschlossen. In Niedersachen hatte man gehofft, dass das Thema ein für alle Mal vom Tisch kommt.

Doch auch in anderen Regionen Deutschlands will man mit den nuklearen Abfallprodukten der Energiegewinnung nichts zu tun haben. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) erklärt vorsorglich, die Böden des Freistaates seien generell nicht geeignet, um als Lagerstätte zu dienen.

Doch um abschließende Entscheidungen geht es bei dem gestern veröffentlichen Kommissionsbericht ohnehin noch nicht. Zunächst sei das Ziel gewesen, transparente Regeln für die Standortwahl zu formulieren. Nägel mit Köpfen werden wohl erst im Jahr 2050 gemacht. Es werden dann knapp 100 Jahre sein, die ins Land gestrichen sind, nachdem Deutschland begonnen hat Atomenergie zu nutzen.

Generell empfehlen die Experten, ein altes Bergwerk für die Unterbringung des Strahlenmülls zu nutzen, als Gesteinsarten, die in Frage kommen, werden Granit, Ton und Salz – wie etwa in Gorleben – genannt. Dieser Sichtweise widerspricht Greenpeace. Stillgelegte Bergbau-Stollen seien aus Sicherheitsgründen nicht für eine Lagerung geeignet.

So deutet sich an: Auch nach dem gestrigen Tag wird der Streit um ein Atommüll-Endlager vor allem ein politischer sein. In jedem Fall wird das Problem die Bundesrepublik auch die kommenden Jahrzehnte beschäftigen.