Bundeswehr-Drohnen: Rätselraten um wirtschaftlich zweifelhaften Deal mit Israel

Bundeswehr-Drohnen: Rätselraten um wirtschaftlich zweifelhaften Deal mit Israel
Pläne der Bundesregierung, die Bundeswehr mit Drohnen auszurüsten, die auch bewaffnet werden können, haben nun für Verstimmung in den USA und Stirnrunzeln bei Haushaltspolitikern gesorgt. Der Grund für die Misstöne ist vor allem der stolze Preis, der für das Leasing der Geräte anfallen soll: Nicht weniger als 580 Millionen Euro soll das deutsche Verteidigungsministerium für vier bis sechs „Heron TP“-Maschinen des israelischen Herstellers IAI hinblättern.

Und das, obwohl Großbritannien kürzlich einen Vertrag über den Ankauf von 16 Predator-Maschinen für umgerechnet knapp 540 Millionen Euro mit dem US-amerikanischen Anbieter General Atomics abgeschlossen haben soll und derselbe Anbieter eine ebenfalls den Bedarf deckende Anzahl von Kampfdrohnen des gleichen Typus für insgesamt 400 Millionen Euro angeboten haben soll – die am Ende ebenfalls ins Eigentum der Bundeswehr übergegangen wären.

Der auf den ersten Blick wenig wirtschaftliche Deal könnte nicht zuletzt damit zusammenhängen, dass die ferngelenkten unbemannten Flugzeuge, die auch mit Raketen und Bomben bestückt werden könnten, lediglich eine Zwischenlösung darstellen sollten, bis es etwa Mitte der 2020er Jahre eine eigene europäische Kampfdrohne geben soll, an deren Entwicklung Airbus bereits arbeiten soll.

Dies vermag jedoch nichts daran zu ändern, dass ein wirtschaftlicher Grund für die Bevorzugung eines teureren Leasing- gegenüber einem preisgünstigeren Kaufangebots auch auf den zweiten Blick nicht erkennbar zu sein scheint.

Die US-Drohne sei, wie selbst deutsche Spitzenmilitärs einräumen, nicht nur günstiger, sondern im Vergleich zum israelischen Modell sogar leistungsfähiger. Immerhin hatten sich neben Großbritannien auch Spanien, Frankreich, Italien und die Niederlande beim US-amerikanischen Hersteller eingedeckt.

Teures Spielzeug: Fünf der israelischen Heron TP-Drohnensysteme sollen laut Bundesregierung 580 Millionen Euro kosten

Bei diesem lässt man auch mehr oder minder deutlich erkennen, dass die Entscheidung zu Gunsten der israelischen Konkurrenz nicht unbedingt als eine nachvollziehbare erscheint. Zumal auch die Harmonisierung der Systeme eine andere Lösung nahegelegt hätte: „Da ist eine gewisse Interoperabilität gegeben zwischen den Systemen und es ist auch eine gewisse Effizienz was Logistik anbetrifft dadurch gegeben“, lässt der CEO von General Atomics, Linden P. Blue, gegenüber der Tagesschau-Redaktion wissen. Die US-Anbieter wollen nun noch einmal alle Kanäle in Bewegung setzen, um den Auftrag in dreistelliger Millionenhöhe am Ende doch noch in die eigenen Bücher zu bekommen.

Der wehrtechnische Attaché der deutschen Botschaft in Washington soll in einem als vertraulich gekennzeichneten Bericht jedenfalls geäußert haben, dass General Atomics anhaltend bestrebt sei, „den Kontakt mit den politischen Vertretern zu suchen und mit Abgeordneten zu dieser Thematik (...) zu kommunizieren“.

In der Bundeswehr versteht man die Aufregung nicht. Man benutze bereits jetzt das Vorgängermodell der „Heron TP“, weshalb enorme Umschulungskosten bezüglich der Handhabung der neuen Ausstattung nicht mehr anfallen würden. Außerdem soll der israelische Hersteller Wartung und Instandhaltung der Geräte übernehmen.