Bundesregierung verpflichtet Ex-Spiegel Journalistin Ulrike Demmer als Vize-Regierungssprecherin

Lässt sich künftig auf der Bundespressekonferenz auch von Ulrike Demmer vertreten: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)
Lässt sich künftig auf der Bundespressekonferenz auch von Ulrike Demmer vertreten: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)
Mit Nominierung von Ulrike Demmer als Vize-Regierungssprecherin gibt die Bundesregierung die Verpflichtung einer weiteren journalistischen Kraft bekannt. Auch Regierungssprecher Steffen Seibert machte vor seinem Engagement Karriere in den Medien und moderierte mehrere Jahre die ZDF heute-Nachrichten. Demmers Weg hin zur stellvertretenden Regierungssprecherin führte unter anderem über den Spiegel und das Nachrichtenmagazin Focus.

Tilo Jung bekommt es auf der Bundespressekonferenz künftig mit einem neuen Gesicht zu tun: Nach Steffen Seibert bedient sich die Bundesregierung abermals im Lager des deutschen Medienmainstreams, um ihre Regierungssprecher-Posten zu besetzen.

Die Journalistin Ulrike Demmer, zuvor beim ZDF, dem Spiegel und für Focus tätig und darüber hinaus Trägerin des renommierten Henri-Nannen-Preises, wird ab dem 13. Juni hinter Steffen Seibert Vize-Regierungssprecherin und löst damit Christiane Wirtz ab. Diese wechselt ins Bundesjustizministerium von Heiko Maas (SPD). Zuletzt leitete Demmer für die Mediengruppe Madsack deren Hauptstadtbüros des Redaktionsnetzwerks Deutschland. Die Redaktion beliefert rund 30 Tageszeitungen mit politischen Inhalten. Doch das Engagement bei Madsack dauerte nur zehn Monate an, bevor Demmer nun ihren Wechsel vom Journalisten- ins Regierungssprecherlager bekannt gab.

Während Demmers künftiger Vorgesetzte Steffen Seibert in seiner Medienkarriere als Nachrichtensprecher der ZDF heute-Nachrichten nicht unbedingt als kritischer Geist auffiel, gestaltet sich die Lage bei Demmer durchaus anders. So erhielt die künftige Vize-Sprecherin der Bundesregierung im Jahre 2011 den Deutschen Reporterpreis für eine kritische Reportage über das damals von Thomas de Maizière (CDU) geleitete Verteidigungsministerium. Nun wird de Maizière, heute Innenminister, sich künftig von Demmer – die eigentlich der SPD nahe steht - gegen allzu kritische Journalistenfragen abschirmen und verteidigen lassen.

Den Henri-Nannen-Preis erhielt Demmer ebenfalls im Jahr 2011 für die Untersuchung des Bundeswehrangriffs auf Zivilisten bei Kundus.

Für die Bundesregierung lohnt dich der Coup damit gleich doppelt: Zum einen steht für die mediale Öffentlichkeitsarbeit der Großen Koalition nun eine weitere versierte Fachkraft zur Verfügung, zum anderen wird Demmer auf absehbare Zeit nicht mehr mit eigenen journalistischen Arbeiten „stören“.