WDR-Skandal: Gebührenzahler finanzieren Kunst, die Intendant Thomas Buhrow bei Sotheby’s versteigert

Die Bundeskanzlerin und ihr Team für Öffentlichkeitsarbeit von links nach rechts: Thomas Bellut (ZDF), Peter Frey (ZDF), Peter Kloeppel (RTL), Carl Bergengruen (NDR, Studio Hamburg), Wolfgang Link (ProSieben) und Tom Buhrow (WDR) am 1. September 2013.
Die Bundeskanzlerin und ihr Team für Öffentlichkeitsarbeit von links nach rechts: Thomas Bellut (ZDF), Peter Frey (ZDF), Peter Kloeppel (RTL), Carl Bergengruen (NDR, Studio Hamburg), Wolfgang Link (ProSieben) und Tom Buhrow (WDR) am 1. September 2013.
Die Spitzenverdiener im WDR erhalten nun die einmalige Gelegenheit, die Werke der deutschen Kunst zu ersteigern, die bisher in ihren Büros hingen. Ob die Werke von Ernst Ludwig Kirchner, Max Beckmann oder Oskar Kokoschka demnächst in die Privathäuser der Programmverantwortlichen umziehen, lässt sich jedoch kaum feststellen: Die Werke werden anonym von Sotheby’s versteigert.

WDR-Funkhaus in Düsseldorf. Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0

Die Einnahmen aus dem allgemeinen Rundfunkbeitrag lagen im vergangenen Jahr deutlich über 8.000 Millionen Euro. Davon erhielt die größte Landesanstalt, der WDR, knapp 1,4 Milliarden Euro. Gerade erst zum Jahr 2014 hatten sich die Einnahmen durch die „Allgemeine Haushaltsabgabe“ derartig erhöht, dass die Gebühr nun symbolisch gesenkt werden kann.

Kaum zu glauben, aber das Haus unter Leitung von Thomas Buhrow hat angeblich ein Haushaltsloch. Nun hat Buhrow sein Amt ausgerechnet angetreten, als die Einnahmen des WDR sprungartig angestiegen sind, um etwa acht Prozent jährlich. In seiner Jahresbilanz für das Jahr 2016 kündigt der WDR jedoch einen Fehlbetrag von 200 Millionen Euro an.

Weil der WDR also gewohnheitsmäßig mehr Geld ausgibt, als er aus Rundfunkbeiträgen erhält, kommt nun das Tafelsilber unter den Hammer. Als sich die Intendanten des öffentlichen Rundfunks und ihre Vettern noch mit dem GEZ-Beitrag zufriedengaben und vollkommen auf Werbeeinahmen verzichteten, das war zwischen 1956 und 1965, kauften die Verantwortlichen im Namen der Öffentlichkeit die Kunstwerke anerkannter deutscher Künstler auf.

Das Ziel war es, die Werke von Ernst Ludwig Kirchner, Max Beckmann oder Oskar Kokoschka in Deutschland und im Besitz der Allgemeinheit zu behalten. So erwarb der WDR Kirchners ‚Berglandschaft mit Alphütten‘ aus dem Jahr 1921 nach dem Krieg für 8.000 Mark. Bei einer Schätzung im Jahr 1997 bezifferten Experten seinen Wert auf das Hundertfache. Auf diese Weise kamen über die Jahrzehnte 600 Bilder und Skulpturen beim WDR zusammen.

Aber nicht genug damit, dass Thomas Buhrow öffentliche Kulturgüter verschleudern will, um die Defizite aus der eigenen Misswirtschaft kurzfristig zu überbrücken. Die Versteigerung findet in England statt. So garantiert der WDR, dass die aus dem Verkauf öffentlichen Eigentums anfallende Mehrwertsteuer auch bestimmt nicht in Deutschland veranschlagt wird.

Natürlich ist es nicht so, dass es in Deutschland keinen Kunsthandel per Auktion gibt. Im Gegenteil haben, bereits als Buhrows absurder Plan erstmals öffentlich zur Kenntnis genommen wurde, mehrere Auktionshäuser in Deutschland ihre Hilfe und Sonderkonditionen angeboten. Da fragt sich natürlich, was Sotheby's so besonders macht. Ist es vielleicht die besonders verbürgte Anonymität der Bieter?

Kulturstaatsministerin Monika Grütters gehörte zu den ersten Kritikerinnen des undurchsichtigen Plans. In einem Brief an den Verwaltungsrat rief sie den WDR dazu auf, diese „Planungen zu überdenken und verantwortungsvoll mit den durch die Gebührenzahler erworbenen Kunstwerken umzugehen“. Wenn ab Juni die ersten 37 Werke unter den Hammer kommen, wäre es natürlich gut zu erfahren, ob unter den Bietern auch leitende Mitarbeiter des WDR oder ihre Vettern sind.

Haushaltsplan des WDR für das laufende Jahr 2016: 200 Millionen mehr als im Vorjahr sind immer noch 200 Millionen zu wenig pro Jahr.
Haushaltsplan des WDR für das laufende Jahr 2016: 200 Millionen mehr als im Vorjahr sind immer noch 200 Millionen zu wenig pro Jahr.