Flüchtlinge und ansteckende Krankheiten? - Wissenschaftliche Studie gibt Entwarnung

Ein Sanitäter legt seine Schutzkleidung an - Doch im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise scheinen die Sorgen übertrieben
Ein Sanitäter legt seine Schutzkleidung an - Doch im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise scheinen die Sorgen übertrieben
In manchen Kreisen wird heiß diskutiert, ob von der jüngsten Migrationsbewegung aus Regionen mit prekärer medizinischer Versorgung eine Ansteckungsgefahr für die einheimische Bevölkerung ausgeht oder nicht? Kein Grund für Alarm, so eine erste medizinische Studie, die auf diese Frage eingegangen ist. Eine große Gefahr besteht allerdings für die Haushalte der Kommunen, auf die der Bund die Kosten abwälzt und die für die medizinische Behandlung tiefer in die Tasche greifen müssen.

Ein Gastbeitrag von Rainer Rupp

„Deutschland steht vor einem Problem der öffentlichen Gesundheit“ titelte das Gesundheitsmagazin „Medical Daily“ und nannte den Grund im Untertitel: „Hoher Anteil von Hepatitis-B-Infektionen bei nicht geimpften Flüchtlingen“. Da allein 2015 über eine Million Migranten nach Deutschland gekommen seien und auch weiterhin mehr Flüchtlinge in das Land einreisen würden, „müsse das Gesundheitssystem darauf vorbereitet sein, eine Vielzahl von Problemen zu behandelt, die man in Europa aufgrund der Immunisierung bereits als weitgehend eliminiert sah, wie z.B. Tuberkulose, Masern, Mumps oder Hepatitis B“. Das habe eine neue Studie gezeigt, so Medical Daily.

Die besagte Studie war von dem deutschen Mediziner Dr. Philipp Solbach von der „Medizinischen Hochschule Hannover“ einem internationalen Expertenpublikum in Barcelona vorgestellt worden. Dort hat am 16. und 17. April 2016 der „International Liver Congress“ (Internationale Leber-Kongress) getagt.

In der Studie analysiert das von Dr. Solbach geführte Forscherteam Daten, die zeigen, dass die Prävalenz von Hepatitis B unter den Flüchtlingen erheblich höher ist als in der allgemeinen deutschen Bevölkerung. Ihre Analyse beruht auf Untersuchungen und Tests von 793 Flüchtlingen jeden Alters, die im August 2015 in Flüchtlingsaufnahmezentren im Norden von Deutschland durchgeführt worden waren.

Hepatitis B ist eine ansteckende Viruserkrankung, die die Leber angreift. Zunächst kann es schwierig sein, sie zu erkennen, da Symptome manchmal nicht sichtbar sind. Es gibt zwei Arten der Infektion: akute oder chronische. Patienten mit einer akuten Infektion überwinden die Krankheit in der Regel in Wochen oder Monaten, während diejenigen mit chronischer Hepatitis B später ein höheres Risiko für die Entwicklung einer unheilbaren Lebererkrankung wie Zirrhose haben. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation sind rund 240 Millionen Menschen chronisch mit Hepatitis B infiziert.

Bei ihren Untersuchungen haben nun die Forscher aus Hannover einerseits herausgefunden, dass der Anteil der Hepatitis B-Infektionen unter den Flüchtlingen mit 2,3 Prozent erheblich über dem der deutschen Bevölkerung von 0,7 Prozent liegt, der Mittelwert für Europa ist bei 2 Prozent.

Aber zugleich verblüfft das Ergebnis eines Vergleichs der Verbreitung von Hepatitis B unter gerade angekommenen Flüchtlingen einerseits mit Einwanderergruppen, die bereits länger in Deutschland leben andererseits. Deren Durchschnittswerte unterscheiden sich kaum. Verblüffend ist jedoch, dass die Werte einzelner Gruppen, die schon länger in Deutschland wohnen, bei bis zu 5 Prozent liegen können. Insgesamt aber seien „die neu angekommenen Flüchtlinge nicht ansteckender als die Einwanderer, die bereits in Deutschland leben", zitiert Medical Daily Dr. Solbach.

Luxuswohnungen bald für Flüchtlinge? Eher nicht. Bild: G8w. CC BY-SA 3.0

Die Bezahlung der medizinischen Versorgung von Asylbewerbern ist in Deutschland von Ort zu Ort unterschiedlich geregelt. Letztlich aber muss fast immer die öffentliche Hand dafür aufkommen, meistens die Kommunen. Zwar gelten für Migranten andere Regeln als für Asylanten, aber durch den unkontrollierten Massenzustrom sind diese von Asylbewerbern nicht zu unterscheiden und sie werden daher in Bezug auf medizinische Versorgung und deren Bezahlung einstweilen wie Asylanten behandelt.

Im konkreten Fall müssen daher in Deutschland bei einer Million Flüchtlingen im Jahr 2015 insgesamt 27.000 neue Hepatitis-B Patienten behandelt werden. Die Behandlungskosten pro Patient belaufen sich laut „Die Welt“ auf zwischen 50.000 und 60.000 Euro, was insgesamt 1,3 bis 1,6 Milliarden Euro ausmacht.