Bilderberg-Konferenz 2016 in Dresden – Protest aus verschiedenen politischen Lagern angekündigt

Auch 2015 gab es Proteste gegen die Bilderberg-Konferenz. Damals im österreichischen Telfs bei Buchen.
Auch 2015 gab es Proteste gegen die Bilderberg-Konferenz. Damals im österreichischen Telfs bei Buchen.
Im Bereich der politischen Veranstaltungen war Dresden in letzter Zeit vor allem für die Spaziergänge von Pegida bekannt. Während sich an den Montagen jedoch vor allem der "Volkszorn" seinen Weg bahnt, wollen sich im Juli nun auch Vertreter der gehobenen Schichten in der Stadt treffen. Wie nun bekannt wurde, wird Dresden Austragungsort der Bilderberg-Konferenz 2016.

Ein Blick auf die Mechanik der Macht. Quelle: Björn Wendt, Die Bilderberg-Gruppe - 
Wissen über die Macht gesellschaftlicher Eliten

Wie zunächst die taz berichtete und ebenfalls angekündigt auf der offiziellen Webseite des großen Stelldicheins, findet die diesjährige Bilderberg-Konferenz in Dresden statt. Vom 9. bis 12. Juli will sich die Bilderberggruppe mit ihrem jährlich wechselnden Kreis illustrer Gäste in der sächsischen Landeshauptstadt treffen. Tagungsort soll wohl das Kempinski-Hotel sein. Die Themenagenda wie auch die Teilnehmerliste wurden noch nicht veröffentlicht. 

Aufgrund konsequenten Ignorierens – oder teils gar Leugnens – der Veranstaltung im medialen Mainstream entwickelten sich in der Vergangenheit zahlreiche Spekulationen über die Bilderbergkonferenz.

Die aktuell am weitesten verbreitete Sichtweise unter Beobachtern lautet, das Treffen diene in erster Linie als eine Art Casting oder Schaulaufen möglicher Kandidaten für einflussreiche gesellschaftliche oder politische Positionen. Grund für diese Annahme ist die Tatsache, dass bei einigen Bilderberggästen im Anschluss an das Treffen ein deutlicher Karriereschub zu beobachten war.

Doch anstatt einen kritischen Blick auf die privat organisierten Treffen - für deren polizeiliche Abschirmung und Sicherheit jedoch der Steuerzahler aufkommen muss - zu werfen, werden in der Regel vor allem „Verschwörungstheorien“, die sich um die Konferenz ranken, problematisiert.

Dabei unterscheidet sich die Bilderbergkonferenz in ihrer Natur wenig von der Münchner Sicherheitskonferenz oder dem Weltwirtschaftsforum in Davos. In allen Fällen stehen private Initiativen hinter der Organisation der Veranstaltungen, während die öffentliche Hand einen bedeutenden Teil der Kosten trägt. Dass in Davos oder München Themen von hoher gesellschaftlicher Relevanz besprochen werden, zweifelt indes niemand an. Warum das öffentliche Interesse ausgerechnet im Fall „Bilderberg“ nicht gegeben sein soll, leuchtet daher nicht ein.

Neben sogenannten „Verschwörungstheoretikern“ interessieren sich jedoch auch Macht- und Elitenforscher für die dubiose Konferenz. Eine Art Standardwerk zum Thema verfasste der Politologe und Soziologe Björn Wendt mit seinem Buch "Die Bilderberg-Gruppe - Wissen über die Macht gesellschaftlicher Eliten"

Das Interalpen Hotel in Telfs-Buchen, Tirol. Veranstaltungsort der diesjährigen Bilderberg-Konferenz

Wendt kritisiert die Konferenzen vor allem unter dem Gesichtspunkt einer bedenklichen "Privatisierung und Re-Oligarchisierung der Politik". Zudem ist „Bilderberg“, ähnlich wie der hinlänglich bekannte Verein „Atlantikbrücke e.V.“, ein fester Bestandteil transatlantischer Seilschaften. Schon bei der Gründung der Gruppe wurde als Ziel definiert:

"[...] dem steigenden Antiamerikanismus in Europa entgegenzuwirken und den Zusammenhalt zwischen den Machteliten auf beiden Seiten des Atlantiks sowie die Europäisierungsbewegung zu stärken, um ein geschlossenes Bündnis des Westens gegen den Kommunismus zu gewährleisten."

Laut Medienberichten haben bereits verschiedene Gruppen aus ebenso verschiedenen Gründen Protest gegen die diesjährige Bilderberg-Konferenz angekündigt. Aufgrund ihrer sonstigen Differenzen ist jedoch davon auszugehen, dass diese Gruppen nicht nur gegen das elitäre Treffen demonstrieren werden, sondern auch gegen ihr jeweiliges Gegenüber auf der Straße. Neben den klassischen Anti-Bilderbergaktivisten, wollen dieses Jahr auch die Parteien Die Linke sowie die AfD ihren Unmut in Dresden auf die Straßen tragen. Gegenwind wird es wohl auch aus Richtung der Pegida geben, die in Dresden ihren Ursprung fand.

Wirklich Sorgen bereiten wird das im Hotel Kempinski jedoch niemandem. Solange sich alle Demonstranten vor der Tür weiterhin fleißig gegenseitig anfeinden, können die bestehenden Machtstrukturen als gesichert angesehen werden.