Militärgeheimdienst: Bis zu 29 deutsche Soldaten schlossen sich Dschihadisten in Syrien oder Irak an

Militärgeheimdienst: Bis zu 29 deutsche Soldaten schlossen sich Dschihadisten in Syrien oder Irak an
Mindestens 29 ehemalige deutsche Bundeswehr-Soldaten sind nach Syrien oder in den Irak ausgereist, um an der Seite von extremistischen Milizen, einschließlich dem „Islamischen Staat“, zu kämpfen. Dies geht aus einer aktuellen Aufstellung des Militärischen Abschirmdienstes (MAD) der Bundeswehr hervor.

Das deutsche Verteidigungsministerium arbeitet Berichten zufolge daran, Extremisten innerhalb der Bundeswehr besser zu kontrollieren. Hintergrund ist die Befürchtung, dass Rekruten mit extremistischem Gedankengut die deutsche Armee infiltrieren, um eine militärische Ausbildung zu erhalten. Mit dieser Ausbildung könnten sie sich dschihadistischen Gruppen in den Bürgerkriegsregionen Syrien oder Irak anschließen und sich an Menschenrechtsverletzungen beteiligen.

Das Verteidigungsministerium möchte der Bundesregierung bis Ende des Monats einen Vorschlag unterbreiten, wie es sich effektivere Background- und Basis-Checks bei potenziellen Rekruten vorstellt. Der Focus berichtet, jeder Soldat könnte künftig vor seinem Dienst einer Sicherheitsüberprüfung unterzogen werden.

Die Gefahr scheint einem aktuellen Report des Militärischen Abschirmdienstes (MAD) zufolge real zu sein. Allein zum gegenwärtigen Zeitpunkt ermittelt der MAD gegen 65 aktive Soldaten wegen des Verdachts auf islamistische Tendenzen.

In den letzten zehn Jahren identifizierte das Militär 22 Soldaten als sunnitische Extremisten. Sie wurden entlassen oder verließen die Bundeswehr aus eigenem Willen. Weitere 17 Soldaten wurden aus diesem Grund entlassen, bei fünf anderen Fällen lief die Dienstzeit aus, berichtete die Deutsche Presse-Agentur unter Berufung auf MAD-Informationen. Gegenüber den entlassenen Rechtsextremisten fällt die Zahl der Islamisten allerdings noch immer gering aus.

Dennoch warnte MAD-Präsident Christof Gramm:

„Wir sehen das Risiko, dass die Bundeswehr als Ausbildungscamp für gewaltbereite Islamisten missbraucht werden kann. Es wäre fahrlässig, wenn ein MAD-Präsident sich nicht fragen würde: Was ist, wenn ein in der Bundeswehr ausgebildeter Islamist so etwas macht - und wir haben nichts gemerkt?"

Im Rahmen ihrer Online-Propaganda rief die IS-Terrormiliz bereits häufiger radikalisierte Islamisten dazu auf, im Stile des einsamen Wolfs Ziele im Westen anzugreifen. Laut Geheimdiensterkenntnissen haben sich die Bemühungen des IS inzwischen dahingehend gewandelt, nicht mehr nur Novizen anzulocken, sondern auch Kämpfer mit militärischen Kenntnissen. Der MAD konstatierte in diesem Zusammenhang:

„In der islamistischen Propaganda wurde mehrfach dazu aufgerufen, schießen zu lernen und sich mit Waffen vertraut zu machen. In einer Internetpublikation des IS wurden im Juli 2014 Personen mit militärischen Kenntnissen aufgefordert, sich dem IS anzuschließen.“

Der militärische Geheimdienst musste aber auch einräumen, dass inzwischen wohl 29 ehemalige Soldaten in den Irak oder nach Syrien ausreisten. „Zu einem Teil dieser Personen liegen bei den deutschen Sicherheitsbehörden unbestätigte Hinweise vor, dass diese sich islamistischen Gruppierungen wie dem 'Islamischen Staat' angeschlossen und an Kampfhandlungen beteiligt haben sollen", heißt es vom MAD.

Unter den deutschen Muslimen, die in der Bundeswehr dienen, soll eine stärkere Kontrolle auf Akzeptanz stoßen, sagt Focus. In der Bundeswehr dienen rund 178.000 Soldaten. Wie viele von ihnen muslimischen Glaubens sind, ist nicht bekannt. Schätzungen reichen von 1.200 bis 1.600 Soldaten.