Drittletzter Platz: Lohnlücke zwischen Männern und Frauen in Deutschland mit am größten

Drittletzter Platz: Lohnlücke zwischen Männern und Frauen in Deutschland mit am größten
Von wegen Emanzipation: Wenn es ums Geld geht, sind Frauen in kaum einem anderen Land so stark benachteiligt wie in Deutschland. Auch die Aufstiegsmöglichkeiten für Frauen sind gering. Aus ihrem niedrigen Einkommen ergibt sich automatisch auch ein weit höheres Armutsrisiko im Alter.

Rainer Mausfeld, Wahrnehmungs- und Kognitionsforscher

Eine von der Partei Die Linke in Auftrag gegebene parlamentarische Anfrage aufzeigt, dass die Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen höher sind als in den meisten anderen europäischen Ländern. Demnach belegt Deutschland, was den Lohnabstand zwischen Männern und Frauen angeht, unter den 28 Ländern der Europäischen Union den drittletzten Platz. Nur in Estland und Österreich ist der Lohnunterschied noch größer.

Pro Stunde verdienen Frauen über 21 Prozent weniger als Männer. Das liegt vor allem daran, dass sie in den unteren Einkommensgruppen arbeiten und in Branchen, die für hohe Belastung und niedrige Entlohnung berüchtigt sind, etwa im Gesundheitswesen, im Einzelhandel und anderen Dienstleistungsberufen.

Siebzig Prozent aller atypischen Beschäftigungsverhältnisse werden von Frauen verrichtet, und 77 Prozent aller geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse entfallen auf Frauen. Wichtige Gründe für die geringen Aufstiegs- und Verdienstchancen von Frauen sind natürlich auch familiäre Verpflichtungen. Aus ihrem niedrigen Einkommen ergibt sich automatisch ein hohes Armutsrisiko im Alter.

Werden Faktoren wie Branche, Hierarchie oder Teilzeitbeschäftigung abgezogen, bleibt demnach immer noch eine Differenz von durchschnittlich sieben Prozent beim Bruttoverdienst. Die Bundesregierung beklagt in ihrer Antwort selbst eine "zumeist mittelbare Benachteiligung" bei den Einkommen von Frauen. Sie hätten weniger berufliche Chancen, Einkommensperspektiven sowie Förder- und Aufstiegsmöglichkeiten.

Symbolbild: Armut in der EU

Nur 57 von 910 Mitgliedern in den Vorständen der 200 umsatzstärksten Unternehmen sind Frauen. Das entspricht einem Anteil von 6,3 Prozent. Linken-Fraktionsvize Sabine Zimmermann sagte, es sei zwar gut, dass die Erwerbstätigkeit von Frauen in den vergangenen zehn Jahren deutlich zugenommen habe, betont jedoch:

"Aber die meisten können von ihren niedrigen Löhnen nicht leben und schon gar keine ausreichenden Rentenansprüche aufbauen."

"Von einer tatsächlichen Gleichstellung von Frauen und Männern, wie sie das Grundgesetz fordert, sind wir aber weiterhin meilenweit entfernt", resümiert die arbeitsmarktpolitische Sprecherin, Sabine Zimmermann.

Für die Partei Die Linke fordert Zimmermann, dass die Regierung die Verdienstmöglichkeiten im Dienstleistungsbereich verbessert. "Die chronische Unterfinanzierung dieser gesellschaftlich wichtigen Bereiche muss beendet werden", so Zimmermann. Auch bei der Kinderbetreuung gebe es noch viel zu tun, damit Elternpaare nicht vor die Wahl gestellt werden, wer von beiden seinen Job aufgibt, um den Nachwuchs zu versorgen.

Fraktion Die Linke
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