Tagesspiegel erhält 250.000 Euro von Google - und bedankt sich mit positiver Berichterstattung?

Gut schreiben dank Google - Ob es auch ein Set Kugelschreiber für die Tagesspiegel-Redaktion gab?
Gut schreiben dank Google - Ob es auch ein Set Kugelschreiber für die Tagesspiegel-Redaktion gab?
Neben dem "Lügenpresse"-Vorwurf haben deutsche Medien - sofern nicht mit den Milliarden aus Zwangsgebühren ausgestattet - auch mit Finanzierungsproblemen zu kämpfen. Während der Verkauf gedruckter Zeitungen immer mehr zurückgeht, erlauben die Online-Angebote in den meisten Fällen noch keine Monetarisierung. Da kommen für den Tagesspiegel und einige andere deutsche Medien die Millionen von Google gerade recht. Im Gegenzug scheint man sich mit wohlgesonnener Berichterstattung zu bedanken.

In Form des Angebots "Google News" ist der Internetgigant aus dem Silicon Valley längst auch ein Big Player im Nachrichtengeschäft, was unter anderem zu einem Interessenkonflikt mit dem Axel Springer Verlag führte. Dass Google offenbar großes Interesse hat, seinen Einfluss auf journalistische Publikationen zu festigen, beweist auch die Tatsache, dass der Konzern im vergangenen Jahr einen sogenannten "Digital News Innovation Fonds" aufgelegt und mit 150 Millionen Euro ausgestattet hat.

Ziel des Fonds ist die "Förderung" journalistischer Online-Projekte in Europa. Für einen Anteil am Kuchen der üppigen Geldern haben sich auch deutsche Verlage beworben, deren Geschäftsmodell aufgrund einbrechender Print-Auflagen und damit einhergehend sinkender Werbeeinnahmen ins Wanken gerät.

Am Mittwoch hat Google nun bekannt gegeben, wer die begehrten Gelder aus dem Fördertopf erhält. Ausgeschüttet werden zunächst 27 Millionen Euro an Projekte in 23 Ländern. In Deutschland können sich unter anderem die Rhein-Zeitung, der Tagesspiegel und die WirtschaftsWoche freuen. Die beiden letztgenannten Publikationen erscheinen beide unter dem Dach der Holtzbrinck-Gruppe.

Der Tagesspiegel beziffert die Höhe der ihm von Google ausgezahlten Fördergelder auf "rund eine Viertelmillion Euro" und gibt an, dass dieses Geld in die Weiterentwicklung des hauseigenen Online-Debattenmagazins "Causa" investiert werden solll.

Dass der Geldregen für die klamme Unternehmenskasse offenbar ein gewisses Wohlwollen in der Tagesspiegel-Redaktion zur Folge hat, ist nur verständlich. Allerdings hätte man in dem Berliner Verlagshaus aus Anstand zumindest ein wenig Zeit verstreichen lassen können, bevor man sich mit wohlwollender Berichterstattung für das Google-Geld bedankt.

Doch man dachte sich wohl, dass es niemandem auffällt, dass nur einen Tag nach der Bekanntgabe ins Förderprogramm des Internetmultis aufgenommen worden zu sein, ein Jubel-Artikel über einen für militärische Zwecke einsetzbaren Roboter der Google-Tochter Boston Dynamics im Tagesspiegel erscheint. Abgesehen von dem Einleitungssatz "Und wieder wird ein Stück Science-Fiction erschreckende Realität" handelt es sich bei diesem um reine PR.

Ort des Geschehens: Das Café Haberland am Bayerischen Platz in Berlin. Bildquelle: Andre_de,  Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International

Nur wenige Stunden zuvor erfuhr der geneigte Tagesspiegel-Leser zudem dank des Beitrages "Google sucht selbst nach gemeinnützigen Ideen" von Susanne Romanowski, welch große soziale Verantwortung der Konzern übernehme. Berichtet wurde von der sogenannten "Impact Challange", bei der Google abermals Geld verteilte - diesmal an gemeinnützige Organisationen.

Welches Interesse der Suchmaschinenmonopolist damit verfolgen könnte, bleibt in dem Bericht natürlich außen vor. Stattdessen wird berichtet, dass ausgewählte "Leuchtturm"-Projekte mit 250.000 Euro ausgestattet werden. Dass der darüber berichtende Tagesspiegel nur einen Tag zuvor genau diese Summe selbst von Google zugeschoben bekam, scheint Romanowski jedoch keine Erwähnung wert zu sein.

Im Grunde werden wohl nur die Wenigsten ein Problem damit haben, wenn der Tagesspiegel - bedingt durch eine gewisse Nähe - künftig besonders umfangreich und positiv über Google berichtet. Im selben Atemzug Unabhängigkeit und Objektivität für sich zu reklamieren, kann jedoch zu neuem Unmut führen.

Trends: # Medienkritik