Anschlagsversuch mit Sprengsatz: Leipziger Polizeipräsident warnt vor Pogromstimmung in Deutschland

Anschlagsversuch mit Sprengsatz: Leipziger Polizeipräsident warnt vor Pogromstimmung in Deutschland
Mindestens fünf Asylbewerberheime sind in Sachsen am vergangenen Wochenende angegriffen worden, darunter ein Anschlagsversuch mit einem selbstgebauten Sprengsatz. Die Übergriffe veranlassten den Leipziger Polizeipräsidenten, von einer "sich mit gefährlicher Intensität verbreitenden Pogromstimmung“ zu sprechen. Zudem verwies er auf zunehmende Aggressionen gegen Polizeikräfte. Dies sei laut seiner Einschätzung "in dieser Form nie dagewesen und nicht hinnehmbar".

„Ich bin wirklich sehr besorgt. Wir steuern auf eine Situation zu, in der gewaltbereite Stimmungsmacher die Angst der Menschen bewusst nutzen, um Hysterie gegen die Asylpolitik zu schüren und Gewalt gegen die Flüchtlinge zu rechtfertigen.“

So Bernd Merbitz, Polizeipräsident von Leipzig, im Gespräch mit der Leipziger Volkszeitung in Reaktion auf die Welle an Übergriffen gegen Asylbewerberheime in Sachsen am vergangenen Wochenende. 

Zwei der betroffenen Asylbewerberheime befinden sich in Leipzig, ein anderes wurde in Chemnitz ins Visier genommen.

Im Leipziger Bezirk Holzhausen brach eine unbekannte Person in das geplante Heim, einem ehemaligen DDR-Bürohaus, ein und versuchte, eine brennbare Flüssigkeit zu entzünden. Das ergaben die bisherigen Kriminalermittlungen. Das Feuer konnte gelöscht werden, bevor es sich im gesamten Gebäude ausbreitete.

Bei einem anderen Zwischenfall in der Stadt Grimma, ebenfalls im Freistaat Sachsen, warf ein Angreifer einen großen Stein in eine Flüchtlingsunterkunft.

Bei dem dritten Zwischenfall, der sich Samstagnacht ereignete, versuchte eine Gruppe von fünf bis sieben Personen, einen selbstgebauten Sprengsatz in einer zukünftigen Flüchtlingsunterkunft zu zünden. Die Unterkunft befindet sich laut der Leipziger Volkszeitung im Leipziger Bezirk Meusdorf.

Merbitz erklärte hierzu:

„Auch die Kollegen des sächsischen Polizeidienstes sehen sich immer stärkeren Aggressionen und Belastungen ausgesetzt. Das ist in dieser Form nie dagewesen und nicht hinnehmbar.“

2016 könnten 1,5 Millionen Flüchtlinge Deutschland erreichen, nachdem die Bundesrepublik im vergangenen Jahr 1,1 Millionen Menschen, die aus ihrer Heimat geflohen waren, aufgenommen hatte. Für die Integration der Migranten stellt Berlin mehrere Milliarden Euro in Aussicht.

Der drastische Anstieg der Anzahl neuer Einwanderer in Deutschland hat zu Spannungen in der Gesellschaft geführt, die nicht zuletzt auch von ausländerfeindlichen Scharfmachern angeheizt wurden. 

Im Verlauf des vergangenen Jahres kippte die Stimmung in der Bevölkerung gegenüber der Politik der offenen Türen, die die Bundeskanzlerin Angela Merkel verkündet hatte, zugunsten der rechts-populistischen Partei AfD, Alternative für Deutschland, die inzwischen in Umfragen zufolge zur drittgrößten deutschen Partei avanciert, noch vor der Linkspartei und B'90/Die Grünen.

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