Medien-Kernschmelze: Tageszeitungen im vierten Quartal 2015 mit weiteren massiven Auflageeinbrüchen

Ist die Zeit der deutschen Mainstreampresse abgelaufen? Manche Publikationen könnten sich schon bald im Museum wieder finden. Bild: LoKiLeCh,  Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported
Ist die Zeit der deutschen Mainstreampresse abgelaufen? Manche Publikationen könnten sich schon bald im Museum wieder finden. Bild: LoKiLeCh, Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported
Für die großen deutschen Tageszeitungen wird es am Markt immer ungemütlicher. Neueste Zahlen des Medienforschungsinstitutes IVW für das vierte Quartal 2015 zeigen einen sich verfestigenden Trend beim Auflagenrückgang der großen Blätter. Besonders heftig hat es die Axel Springer-Publikationen BILD und Die Welt erwischt. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum büßten die Printausgaben der Blätter 12 bis 14 Prozent ihres Absatzes ein.

Die Print-Auflage der BILD ist nach Zahlen der „Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e. V.“ (IVW) im vierten Quartal 2015 erstmals auf unter zwei Millionen gesunken. Minus 12,1 Prozent im Vergleich zum Vohrjahreszeitrum, so die schallende Ohrfeige für Springers pro-transatlantisches Boulevardblatt. Betrachtet man den Zeitraum der letzten fünf Jahre, dann hat BILD sogar rund ein Drittel seiner Leser - und damit auch massiv an Einfluss - verloren.

Die "seriöse" Schwester der BILD, Die Welt, die ebenfalls im Axel Springer-Verlag erscheint, muss im Vergleich zu Ende 2014 gar einen Absatzrückgang von 14,2 Prozent verkraften. Bei nur noch 98.554 Exemplaren lag die Auflage im vierten Quartal 2015. Bei Die Welt gelang es dem Verlag allerdings durch den Verkauf von ePapers das Minus auf 6,5 zu drücken, BILD verharrt hingegen auch unter Einbezug der digitalen Verkäufe stabil auf -10,8 Prozent.

Weniger erfolgreich in Sachen Digitalisierung zeigt sich die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Allein im Printbereich verzeichnet die Publikation schon ein Minus von 6,6 Prozent, unter Berücksichtigung des Digitalangebots kommt die FAZ auf satte -13,5 Prozent. Am "erfolgreichsten" ist die Süddeutsche Zeitung mit einem Minus von 3,5-3,6 Prozent.

Die Auflage des Spiegels ging um 5,6 Prozent zurück und liegt nun in absoluten Zahlen bei unter 800.000.

Eine Übersicht der regionalen Tageszeitungen zeigt ebenfalls vor allem tiefrote Zahlen, etwa beim Tagesspiegel mit -6,4 Prozent, der Berliner Zeitung mit einem Rückgang von 8,1 Prozent und der Hamburger Morgenpost mit -9,2 Prozent.

Bereits im dritten Quartal 2015 mussten die deutschen Tageszeitungen zum wiederholten Male schwere Verkaufseinbrüche verkraften. Auch damals lauteten die drei großen Verlierer BILD, Die Welt und FAZ.

Eine vergangenes Jahr von der Wochenzeitung Die Zeit veröffentlichte Studie belegt zudem ein wachsendes Misstrauen der Deutschen in die etablierten Medien. Nur noch 40 Prozent der Befragten gaben an "sehr großes" oder "großes" Vertrauen in den deutschen Mainstream zu haben. 60 Prozent der Befragten gaben an, entweder "gar kein" (sieben Prozent) oder nur noch "wenig" (53 Prozent) Vertrauen in die deutsche Medienberichterstattung zu haben.

Häufig wurde bewusste Fehlinformation, Manipulation und Einseitigkeit beklagt.

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