Bizarrer Deal: Bundesregierung will für 580 Millionen Euro fünf israelische Kampfdrohnen anschaffen

Teures Spielzeug: Fünf der israelischen Heron TP-Drohnensysteme sollen laut Bundesregierung 580 Millionen Euro kosten
Teures Spielzeug: Fünf der israelischen Heron TP-Drohnensysteme sollen laut Bundesregierung 580 Millionen Euro kosten
Die Entwicklungen im Bereich unbemannter bewaffneter Flugzeuge wecken weiter das Interesse der Bundesregierung. Wie Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen gestern bekannt gab, sollen nun 580 Millionen Euro für den Erwerb von bis zu fünf israelischen Heron TP-Systemen zurückgestellt werden. Ein durchaus stattlicher Posten, liegt der Stückpreis pro Drohne eigentlich bei rund 32 Millionen Euro. Es ist nicht das erste Rüstungsgeschäft mit Israel, das finanzielle Fragen offen lässt.

Die Anschaffung von Drohnen in Händen der Bundeswehr dient seit Jahren als verlässliches Grab für hunderte Millionen Euro an Steuergeldern. Nachdem die Entwicklung der Langstrecken-Aufklärungsdrohne Euro Hawk unter dem europäischen Luftfahrt-Konsortium EADS für 600 Millionen Euro scheiterte und von dem damaligen Verteidigungsminister Thomas de Maizière auf Eis gelegt wurde, reaktivierte dessen Nachfolgerin Ursula von der Leyen das Projekt im vergangenen Jahr mit weiteren 200 Millionen Euro.

Brandon Bryant, ehemaliger US-Drohnenpilot und Whistleblower

Vor 2025 ist jedoch nicht mit der Einsatzbereitschaft der unbewaffneten Euro Hawk-Drohne zu rechnen, was beachtlich ist, wenn man bedenkt, dass dessen Technik eigentlich schon bereits jetzt im Jahre 2016 als veraltet gilt.

Dies räumte gestern auch Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen unumwunden ein, als sie bekannt gab, dass die Bundeswehr "zur Überbrückung" nun bis zu fünf israelische Heron TP-Drohnen leasen will.

Auf Nachfrage von Reportern erklärte von der Leyen:

"Es wird um eine bewaffnungsfähige Drohne gehen. Das wird für die Zukunft Standard sein."

Zuvor erklärte die Ministerin, "zum Schutze der Soldatinnen und Soldaten bei Auslandseinsätzen" habe Generalsinspekteur Volker Wieker die Entscheidung getroffen, mit Israel in Verhandlungen zum Leasen der Heron TP-Drohne zu treten. Nach der Ausarbeitung der Verträge sollen diese dann auch noch einmal "detailliert mit dem Parlament" durchgesprochen werden. Immerhin. Sollen aus Steuergeldern schließlich weitere 580 Millionen Euro für die israelischen Kampfdrohnen aufgewendet werden. Zusammen mit den bisherigen Kosten für Euro Hawk kommen so rund 1,2 Milliarden Euro für die von-der-Leyen'schen Drohnen-Begierden zusammen.

Auch bei der Herstellung der Heron TP ist Airbus/EADS beteiligt und insistierte bereits im Mai 2014 darauf, dass Deutschland doch das israelische Produkt erwerben solle, wie Reuters damals meldete.

Quelle:shlomiliss/CC BY 3.0

Der Stückpreis einer Heron TP-Drohne wird mit 35 Millionen Euro angegeben. Zuzüglich der Bewaffnung gab Indien im September 2015 rund 400 Millionen Dollar für zehn der Flugobjekte aus.

Wie dann im Falle des deutsch-israelischen Rüstungsdeals 580 Millionen Euro für bis zu fünf Drohnensysteme zusammenkommen sollen, bleibt bisher schleierhaft.

Eigenartige finanzielle Vereinbarungen gibt es auch bei der Lieferung von Atom-U-Booten aus deutscher Produktion an Israel. Während für den Bau der sechs U-Boote der Dolphin 2-Klasse bis zu 2,3 Milliarden US-Dollar anfallen, soll Deutschland von diesen Kosten rund ein Drittel tragen. Andere Quellen sprechen von 900 Millionen Dollar, mit denen der deutsche Steuerzahler die israelischen Rüstungs-Einkäufe subventionieren muss. Drohnen werden also teurer eingekauft, Atom-U-Boote werden billiger verkauft. Deutsch-israelische "Freundschaft" im Jahr 2016.



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