Köln: Pressekonferenz von Justizminister Maas - Widersprüchliche Angaben zu Tätergruppe und Reaktion

Ort des Geschehens: Der Kölner Hauptbahnhof
Ort des Geschehens: Der Kölner Hauptbahnhof
Nach den Übergriffen in Köln in der Silvesternacht widerspricht sich die Polizei bei der Frage, wann sie von den Attacken auf zahlreiche Frauen erfahren hat. Angaben zu der Zahl der Täter werden indes stark übertrieben. Auf einer Pressekonferenz äußerte sich Justizminister Heiko Maas (SPD) zu den Vorfällen.

Nach den massiven Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht in Köln und Hamburg stellen sich Fragen nach der Rolle der Kölner Polizei. Einerseits hieß es aus den Reihen der mit den Ermittlungen betrauten Beamten, dass sich unter den Opfern der Übergriffe auch eine Zivilpolizistin befand. Dies bestätigte inzwischen der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei in NRW, Arnold Plickert. Andererseits behauptete ein Polizeisprecher, man habe erst im Laufe des Neujahrtages Kenntnis über die Vorfälle erlangt, bei denen hauptsächlich Frauen Opfer von Übergriffen geworden sind.

Sicher ist bereits jetzt, dass die Zahlen über die Tätergruppe teilweise stark übertrieben sind. Auf dem Platz vor dem Kölner Hauptbahnhof befanden sich in der Silvesternacht insgesamt höchstens 1.000 Personen. Nur ein kleiner Teil von ihnen war direkt an den Übergriffen beteiligt. Auf seiner Pressekonferenz sprach Justizminister Heiko Maas trotzdem von „1.000 Personen, die gezielt die gleichen Straftaten begehen“.

Erst auf kritische Nachfragen relativierte er diese Zahl. Es sei „unwichtig, ob es sich um 1.000, 500 oder 100“ Personen handelt. Zudem betonte er, dass auch Zuschauer als Mittäter einzustufen sind. Wichtig sei es nun nachzuweisen, ob es unter den Tätern „irgendeine Form der Organisation, der gezielten Absprachen“ gegeben habe. In diesem Fall müssten die Vorgänge als eine „neue Form der organisierten Kriminalität“ bewertet werden.

Nach Angaben der Kölner Polizei wurde inzwischen eine besondere Ermittlungsgruppe „Neujahr“ gebildet, der zehn Polizeibeamte angehören. Mittlerweile sind 90 Anzeigen bei der Polizei eingegangen, es gibt mindestens 80 Geschädigte. Alleine diese Zahl spricht dafür, dass die Gruppe der Täter größer als normal gewesen sein muss. Bisher wurden fünf Täter gefasst, keinem von ihnen kann aber eine Beteiligung an den Übergriffen nachgewiesen werden. Zwei befinden sich wegen Diebstahlsdelikten seit der Neujahrsnacht in Haft.

Diese Verhaftungen erfolgten in der Silvesternacht gegen 4:20 Uhr durch die Bundespolizei. Sie stellten die fünf Verdächtigen auf einem Bahngleis des Kölner Hauptbahnhofes. Laut Zeugenaussagen hatten drei der Täter wenige Minuten zuvor mehrere Frauen angesprochen und bedrängt. „Ich sah die Polizisten auf dem Bahnsteig. Ich meldete sofort, dass ich von zwei Männern aus der Gruppe beklaut worden war“, berichtet ein 25-Jähriger. Auch der Geschädigte war zuvor durch "Antänzer" körperlich bedrängt worden. Die Täter hatten versucht durch Unterhaken und Bein stellen von ihrem Vorhaben abzulenken.

Heiko Maas betonte auf Nachfragen zum kulturellen Hintergrund der möglichen Täter, dass „vor dem Gesetz alle gleich“ zu sein haben. Für die nun folgenden Ermittlungen ist es „nicht wichtig, woher jemand kommt oder welchen Pass er besitzt“, so Maaß vor der Presse. Dazu, ob die fehlende Reaktion der Polizei auf die Vorfälle ebenfalls untersucht wird, äußerte sich der Minister nicht.

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