Der ultimative Mainstreammedien-Guide von RT Deutsch - Teil 2: Der Spiegel und Spiegel Online

Der ultimative Mainstreammedien-Guide von RT Deutsch - Teil 2: Der Spiegel und Spiegel Online
Die Medienlandschaft in Deutschland gilt unter vielen Beobachtern immer noch als objektiv und unabhängig. Doch ein analytischer Blick auf die großen deutschen Medien legt deren Interessenverstrickungen und Abhängigkeiten offen. In einer fünfteiligen Serie bringt RT Deutsch nun Licht ins Dunkel. Im zweiten Teil widmen wir uns dem Magazin Der Spiegel sowie dem Digitalangebot Spiegel Online. Zahlreiche Querverweise, weiterführende Links und Videos ermöglichen ein vertiefendes Studium der Materie.

Teil 1: BILD / bild.de (Axel Springer-Verlag)

Teil 2: Der Spiegel / Spiegel Online

Teil 3: Öffentlich-rechtliche Rundfunk- und Fernsehanstalten

Teil 4: Private TV-Sender

Teil 5: Tageszeitungen

Der Spiegel / Spiegel Online

Besitzer: 50,5 Prozent Spiegel-Mitarbeiter KG, 25,5 Prozent Gruner + Jahr (Bertelsmann), 24 Prozent Erben des Gründers Rudolf Augstein

Politische Ausrichtung: Der Spiegel bezeichnete sich lange selbst als "Sturmgeschütz der Demokratie" und erhebt den Anspruch kritischen Journalismus zu betreiben. Besonders in den vergangenen Jahren ließ sich das Blatt jedoch immer mehr für Kampagnen von transatlantischen Interessengruppen einspannen und erlangte den Ruf einer "BILD für Intellektuelle".
Nach heftigen internen Konflikten versucht das Blatt seit Januar 2015 unter Chefredakteur Klaus Brinkbäumer einen Neuanfang.

Sitz: Hamburg

Schlüsselfiguren: Klaus Brinkbäumer (EiC Der Spiegel), Jakob Augstein (Minderheitseigner), Florian Harms (EiC Spiegel Online)

Verschiedene Nachrichtenmagazine mit dem Top-Thema Putin

Wissenswertes: Der Spiegel gilt mit einer wöchentlichen Auflage von rund 820.000 Exemplaren als einflussreichstes politisches Wochenmagazin in Deutschland, das Internetangebot Spiegel Online gehört zu den meist aufgerufenen Nachrichtenangeboten in deutscher Sprache. Die Eigentümerstruktur ist für ein einflussreiches Medium äußerst ungewöhnlich: 50,5 Prozent des Verlages gehört einer Gesellschaft aus 760 Mitarbeitern. Großen Einfluss hat jedoch auch Bertelsmann, der größte Medienkonzern Europas, der über seine Tochtergesellschaft Gruner + Jahr 25,5 Prozent der Anteile des Spiegel-Verlages hält.

Mit der Produktionsfirma Spiegel TV ist die Spiegel-Gruppe auch auf dem privaten TV-Markt aktiv. Die rund 200 Mitarbeiter produzieren für die Bertelsmann-Sender RTL und VOX, aber auch für Sat.1, knapp 20 Sendestunden pro Woche.

Unverkennbar ist die transatlantische Färbung, die sich - wie in fast allen deutschsprachigen Medien - durch die Linie des Blattes zieht. Auch viele ehemalige oder aktuelle führende Mitarbeiter des Verlages sind Mitglieder der Atlantik-Brücke.

Der Journalist Thomas Pritzl erklärt in dem Artikel "Deutschlands Schattenregierung - Wie die Atlantik-Brücke die BRD lenkt" auf dem Portal free21, was es mit diesem Netzwerk auf sich hat.

Im NSA-Überwachungsskandal spielte Der Spiegel im Anschluss an die Enthüllungen von Edward Snowden unter dem damaligen Chefredakteur Georg Mascolo dennoch eine eher aufklärende Rolle. Obwohl Mascolo ebenfalls Mitglied in der Atlantik-Brücke ist, hat dieser sich bisher als scharfer Überwachungskritiker profiliert und führt seine Arbeit mittlerweile bei der Süddeutschen Zeitung im Rechercheverbund mit NDR und WDR fort. Dabei kam es auch wiederholt zu Kooperationen mit WikiLeaks und dem britischen Journalisten und Snowden-Vertrauten Glenn Greenwald.

Aktuelles Titelblatt des Spiegels

David Noack bezeichnet das Magazin in dem Artikel "Was ist der Spiegel" als "ein Organ einer bestimmten Interessenclique – den nationalliberalen Atlantikern" und beschreibt Verbindungen des Spiegels mit der CIA, die bis in die Gründungszeit zurückreichen. Zu dieser Zeit wurden auch gezielt geheimdienstliche Informationen über das Blatt an die Öffentlichkeit getragen. Die Enthüllungen zur bedingten Abwehrfähigkeit der Bundeswehr im Kriegsfall mündeten 1962 in der historischen Spiegel-Affäre.

Das vermutliche Überwachungsfoto des bis dahin öffentlich nie exponierten Chefs des Außennachrichtendienstes der DDR, Markus Wolf, bei einem Geheimtreffen in Stockholm erschien auf einem Spiegel-Cover 1979 und warf Fragen nach dessen Ursprung auf.

Der Spiegel kam allerdings auch schon selbst ins Fadenkreuz US-amerikanischer Geheimdienste. Im Juli 2015 wurde bekannt, dass die CIA im Jahre 2011 die Redaktion ausspioniert hat und Informationen an deutsche Regierungsstellen weitergab.

Unter dem Anfang 2015 ausgeschiedenen Chefredakteur Wolfgang Büchner kam es zu heftigen Auseinandersetzungen innerhalb der Belegschaft. Ein Grund dafür war die Berufung des ehemaligen stellvertretenden BILD-Chefredakteurs Nikolaus Blome in die Führungsspitze des Spiegels und das Abrutschen des Magazins in Richtung Boulevard.

Im Jahr 2014 ist der Umsatz der Spiegel-Gruppe (verglichen mit 2007) um 19 Prozent auf 284,9 Millionen Euro gesunken, nach Steuern konnte im vergangenen Jahr dennoch ein Gewinn in Höhe von 25,2 Millionen Euro erzielt werden.

Im Dezember 2015 gab die Unternehmensleitung als Reaktion auf die Zahlen bekannt, dass im Zuge der sogenannten "Agenda 2018" in den kommenden zwölf Monaten insgesamt 150 Stellen gestrichen werden sollen, was in etwa 20 Prozent der Gesamtbelegschaft entspricht.

Der Journalist Harald Schumann. Quelle: Screenshot arte

Kontroversen: Nicht selten werden geopolitisch bedeutende Kampagnen mit raschen Schuldzuweisungen über den Spiegel oder Spiegel Online lanciert. Besonders auffällig war dies im Falle des Giftgaseinsatzes von Ghuta (Syrien) im Jahr 2013. In Heft 35/2013 legte sich das Magazin frühzeitig darauf fest, den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad für das Massaker verantwortlich zu machen und forderte unverhohlen ein "militärisches Eingreifen" des Westens. Der renommierte US-amerikanische Entüllungsjournalist Seymour Hersh, der auch die Folterungen im Abu-Ghuraib-Gefängnis aufdeckte, machte später den türkischen Geheimdienst für den Giftgaseinsatz von Ghuta verantwortlich.

Für große Empörung sorgte Der Spiegel im Juli 2014, als das Blatt mit der Schlagzeile "Stoppt Putin Jetzt!" vor dem Hintergrund einer Collage aus privaten Fotos der MH17-Opfer aufmachte. Der Titel instrumentalisierte die Absturzopfer und betrieb eine extrem einseitige Berichterstattung mit gezielter Emotionalisierung. Empörte Reaktionen, Boykottaufrufe und wiederholte Vorwürfe der Kriegstreiberei im Interesse der NATO waren die Folge.

Im Gespräch mit KenFM erklärt der Schweizer Historiker und Friedensforscher Dr. Daniele Ganser die Funktionsweise von Kriegspropaganda in den Medien:

In dem Artikel "Kritiker zu Gast beim Spiegel" beschreibt die Schriftstellerin Katrin McClean ihren Besuch eines PR-Dinners in der Spiegel-Redaktion, mit dem der Verlag im Juni 2015 versuchte, die anschwellenden Wogen der Kritik zu glätten. In ihrem Fazit des Abends schreibt McClean:

"Ich habe den Verdacht, dass der Spiegel seine Redakteure schon immer aus der Menge der ganz Überzeugten rekrutiert hat. Am Anfang, als das Magazin unter dem Auge der britischen Besatzung gegründet wurde, war das ganz bestimmt so. Und nach beinahe siebzig Jahren Spiegel-Existenz scheint es, als einten Redakteure und Leser der tiefe Glaube an den Nutzen und guten Willen der US-Regierung und ihrer verbündeten NATO-Staaten. Auch wenn Millionen Menschen auf dieser Welt unter dieser Wirtschafts- und Militärdiktatur zu leiden haben, an Bomben oder an Hunger krepieren."

Anlässlich der größten Demonstration in Deutschland seit der Wiedervereinigung, die sich gegen das geplante transatlantische Freihandelsabkommen TTIP richtete und an der am 10. Oktober 2015 rund 250.000 Menschen teilnahmen, schrieb Alexander Neubacher auf Spiegel Online:

"In der Allianz der TTIP-Gegner schreiten Gewerkschaften und Umweltverbände Seite an Seite mit Nationalisten vom rechten Rand."

"... bei den TTIP-Protesten sind die Rechten nicht Mitläufer, sondern heimliche Anführer."

"Die Geisteshaltung vieler Anti-TTIP-Aktivisten ist im Kern eine dumpf nationalistische."

"Die Kampagne gegen den Freihandel ist wie auf dem braunen Mist gewachsen. "

"Alle anderen jedoch sollten sich fragen, wie sie aus einer solchen Gesellschaft schnell wieder herauskommen."

Eine gewisse Berühmtheit erreichte ein Statement des ehemaligen Spiegel-Journalisten Harald Schumann (mittlerweile beim Tagesspiegel), der im Jahr 2010 mit scharfen Worten die mangelnde innere Pressefreiheit in Deutschlands Medienredaktionen kritisierte.

Schumann, ein profilierter Analyst der Bankenkrise und Kritiker der Rettungspolitik, sagt aus, seit 1999 "zu allen Themen der politischen Ökonomie" beim Spiegel faktisch zensiert worden zu sein:

Nach Schumanns Weggang vom Spiegel im Jahr 2004 folgten heftigte öffentliche Auseinandersetzungen mit dem damaligen Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust. Eine positive Berichterstattung über Windkraft wurde im Spiegel von Aust gezielt verhindert, da dieser durch die zunehmende Anzahl von Windkraftanlagen negative Auswirkungen auf seine private Pferdezucht im Elbeflachland bei Stade befürchtete, so Schumann.

Statt Schumanns Recherche wurde dann eine Titelstory im Spiegel veröffentlicht, die mit Windkraftanlagen äußerst kritisch ins Gericht ging. Schumann bezeichnete diese als "Desinformation" und "Propaganda" und reichte als Folge der Auseinandersetzung seine Kündigung ein. 

Weiterführende Literaturtipps:

- Mathias Bröckers und Paul Schreyer: Wir sind die Guten.: Ansichten eines Putinverstehers oder wie uns die Medien manipulieren

- NachDenkSeiten: Das kritische Jahrbuch 2015/2016

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