Claus Klebers verzweifeltes Videostatement - Wie tendenziös berichtet das ZDF heute journal?

Screenshot: ZDF heute auf facebook
Screenshot: ZDF heute auf facebook
Claus Kleber ist schockiert: Immer mehr Zuschauer - auch "vernünftige" - halten die Arbeit des ZDF, insbesondere von Klebers heute journal, für tendenziös und unausgewogen. Kleber, der sich neben seinem Journalisten-Beruf in leitender Funktion für das transatlantische Eliten-Netzwerk Atlantik-Brücke e.V. engagiert, versucht nun per Videostatement auf Facebook diese Vorwürfe zu zerstreuen. Ein Dokument der Peinlichkeit, wie auch die überwiegend ablehnenden Nutzerkommentare bezeugen.

Claus Kleber, der Nachrichtensprecher des ZDF heute journals versteht sich als Journalist mit keinerlei Interessenverquickungen. Völlig absurd sei der Gedanke, dass die Redaktion des heute journals "Grundlinien der Berichterstattung mit den Mächtigen in Berlin abspricht", so Kleber.

Nun ja, wer ein wenig von Lobbying und davon, wie Interessennetzwerke funktionieren, versteht, der weiß natürlich, dass es tatsächlich kein rotes Telefon gibt, mit dem das Kanzleramt oder die US-Botschaft zu Berlin die Themenliste für das allabendliche heute journal einreicht. Um das gewünschte Narrativ - beispielsweise in Bezug auf den Ukraine-Konflikt - sicher auf der medialen Ebene zu verankern, gibt es vielmehr ein enges Geflecht aus zahlreichen Think Tanks, NGOs, Experten-Gruppen, Vereinen, Stiftungen, Konferenzen und so weiter. Sprich: Es wird genetzwerkt.

Mit Sicherheit geht die Einflussnahme dabei nicht nur in eine Richtung, doch zu glauben, dass Medien - gleich welche - nur von Ereignissen berichten und nicht etwa auch Wertungs- und Interpretationsmuster mitformen, ist äußerst naiv.

RT beispielsweise berichtet - bedingt durch die Finanzierung des Senders durch russische Steuergelder - eher aus russischer Sicht vom Weltgeschehen. Dass jedes soziale oder politische Phänomen aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden kann, steht außer Frage und ist an und für sich auch nicht anrüchig.

Medien sollten jedoch immer klar dazu stehen, aus welcher Sicht sie berichten und nicht eine angebliche Objektivität für sich beanspruchen, wo in Wirklichkeit eindeutige Subjektivität vorherrscht. Im Aufeinandertreffen divergierender Subjektivismen kann dann immernoch "die Wahrheit" ausgehandelt werden.

Nichts sehen, nichts sagen, nichts hören: Die drei Mainzelmännchen

In Bezug auf die transatlantisch geprägte Medienlandschaft in Deutschland kann eines gleichsam nicht geleugnet werden: Deutsche Medienmacher haben dem "Endkunden" vor allem die imperialistische US-Politik schmackhaft zu machen. Mitsamt ihren Erdöl- und Pipeline-Kriegen, Verbrechen, Massenmorden und Völkerrechtsbrüchen. Dass dabei ab und an ein wenig gebogen - oder sogar gelogen - werden muss, liegt auf der Hand. Schließlich gilt es im gleichen Atemzug "die westliche Wertegemeinschaft" als das alles überstrahlende Leuchtfeuer der Aufklärung und menschlicher Entwicklung zu preisen.

Zahlreiche Studien, wie etwa Uwe Krügers vielbeachtete Dissertation "Meinungsmacht. Der Einfluss von Eliten auf Leitmedien und Alpha-Journalisten - eine kritische Netzwerkanalyse" oder das Buch "Die Macher hinter den Kulissen - Wie transatlantische Netzwerke heimlich die Demokratie unterwandern" von Hermann Ploppa gehen der hegemonialen Machtstellung transatlantischer Interessennetzwerke in Deutschland auf den Grund.

Doch zurück zu Kleber: In 45 Sekunden - die auch in der gestrigen Ausgabe des heute journals gesendet wurden - versucht dieser die immer stärker wachsenden Vorbehalte seitens der Bevölkerung gegen die deutschen Mainstreammedien - und so auch das heute journal - zu entkräften. Kleber entscheidet sich dazu, den Ahnungslosen zu spielen. "Interessenverquickung? Ich? Wie kommen die darauf?"

Claus Kleber über unabhängige Berichterstattung

Weil es viele von Ihnen interessiert hat, auch nochmal im Video: Claus Kleber über "Lügenpresse"-Verdächtigungen und darüber, wie ZDF-Redaktionen wie das heute journal arbeiten: nämlich unabhängig.

Posted by ZDF heute on Dienstag, 15. Dezember 2015

Nun gibt es allerdings - das hätte Kleber wissen müssen - schon seit einer Weile das Internet und in diesem tummeln sich zahlreiche kritische Denker, die nachbohren und weiter recherchieren. So dauert es etwa nur fünf Minuten um folgendes über Kleber herauszufinden:

Kleber engagiert sich neben seiner Journalisten-Tätigkeit für den Verein Atlantik-Brücke e.V. Nicht etwa als einfaches Mitglied, sondern in äußerst illustrer Runde als Kuratoriumsmitglied der mit dem Verein verbandelten Stiftung der transatlantischen Lobbyorganisation.

Screenshot: https://www.atlantik-bruecke.org/stiftung/
Screenshot: https://www.atlantik-bruecke.org/stiftung/

Doch was will die Atlanik-Brücke überhaupt? In der Selbstbeschreibung der Organisation heißt es recht blumig:

"Die Atlantik-Brücke ist ein gemeinnütziger, privater und überparteilicher Verein der das Ziel hat, eine Brücke zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten zu schlagen. Im Mittelpunkt ihrer Aktivitäten steht das Bemühen um ein besseres gegenseitiges Verständnis.

Zielgruppe sind deutsche und amerikanische Entscheidungsträger aus Wirtschaft, Politik, den Streitkräften, der Wissenschaft, den Medien und der Kultur, die bei der Atlantik-Brücke einen Rahmen für vertrauliche Gespräche finden..."

Der Rechtsanwalt und freie Journalist Markus Kompa bezeichnet den Verein als das "wohl bedeutendste Berliner Parkett, auf dem sich die deutschen und US-amerikanischen Mächtigen in diskreter Atmosphäre begegnen".

Der Watchdog Lobbypedia fügt hinzu:

"Die Atlantik-Brücke ist ein logenähnlicher Interessenverband, dem führende Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Medien angehören, die über das gemeinsame Netzwerk gesellschaftspolitischen Einfluss nehmen und Kontakte pflegen. Unter den Mitgliedern spielen Spitzenmanager und diesen nahestehende Politiker eine herausragende Rolle."

Angesichts der Tatsache, dass Kleber sich in führender Position für die Atlantik-Brücke engagiert, kann nur resümiert werden, dass dieser in seinem aktuellen Videostatement schlichtweg dreist lügt. Doch es kommt noch dicker: So wird die Nähe zum US-amerikanischen Geheimdienst CIA seitens der Atlantik-Brücke nicht einmal verschleiert. Ganz offiziell verleiht der Verein einen Preis - den Vernon Walters Award – dessen Namensgeber einst stellvertretender CIA-Direktor und in führender Position in die schmutzigen Staatsreiche wie im Iran (1954), in Brasilien (1964) und Chile (1973) verwickelt war.

Und Klebers Publikum? Halten die Kommentatoren auf der Facebook-Seite von ZDF heute die Neutralitätsbekundungen für glaubhaft? Einige ja, doch die überwiegende Zahl der Wortmeldungen mit den meisten "likes" hat es in sich:

Martin Kasupke: "hahahaha... unabhängig... selten so gelacht. Eure Berichterstattung ist einseitig und stark tendenziös. Es liegen nicht umsonst zig Beschwerden gegen euer Programm vor"

Petra Petra: "Der Beitrag war ja wirklich der Witz des Tages. Mag sein das es nicht von der Regierung vorgegeben ist und das mal versehentlich was falsch dargestellt wird. aber konsequent einseitige Berichterstattung und wissentlich verschwiegene Fakten für die wir auch noch zahlen sollen bzw. müssen ist wirklich eine absolute Frechheit!!!"

Thomas de Torquemada: "Herr Kleber erklärt, warum das mit der "Lügenpresse" nicht stimmen kann, in Sprachwahl, Tonfall und Gestik, als moderierte er "Die Sendung mit der Maus". Und entlarvt so nebenbei das Problem selbst. Nicht der Vorwurf des bewußten Lügens verbirgt sich hinter dem zugegeben derben Begriff. Vielmehr jener der angepaßten Berichterstattung. Zum einen betrifft dies die Auswahl der Nachricht selbst. Zum anderen die Art und Weise der Präsentation. [...]"

Oliver Janich: "Lieber Herr Kleber, die Vorstellung, dass Sie von ganz alleine ein so vollkommen verzerrtes Bild der Wirklichkeit zeichnen, ist auch nicht viel beruhigender."

Fazit: Die Glaubwürdigkeits-Probleme, mit denen sich der deutsche Mainstream konfrontiert sieht, scheinen weitaus größer zu sein, als es die dort angestellten Medienmacher selbst wahrhaben wollen.

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