Zuflucht bei der Stasi? Ex-Stasi-Hauptquartier in Ostberlin als Unterkunft für 900 Flüchtlinge

Ehemalige Zentrale der Stasi - Quelle: http://geo-en.hlipp.de/photo/13808
Ehemalige Zentrale der Stasi - Quelle: http://geo-en.hlipp.de/photo/13808
Berlin hat eine ungewöhnliche Lösung zur dringenden Flüchtlingsfrage gefunden: Bis zu 900 Menschen, die aus Syrien, Irak und Afghanistan geflohen sind, sollen zwischenzeitlich im berüchtigten Hauptquartier der ehemaligen Staatssicherheit der DDR unterkommen.

Das ehemalige Bürogebäude in Ostberlin, das einst die Festung des Sicherheitschefs Markus Wolf war und wo zu DDR-Zeiten die Auslandsspionage stattfand, soll im Laufe der nächsten Tage eine zwischenzeitliche Unterkunft für 500 Flüchtlinge werden. Für weitere Hunderte muss noch nachgerüstet werden, so die Sprecherin der Berliner Sozialverwaltung, Monika Hebbinghaus.

Die umfunktionierten Büros werden bis zu sechs Personen Schutz bieten. Im Erdgeschoss wurde ein Büro zur Registrierung eingerichtet, wo die Bewohner über elektronische Pässe das Gebäude betreten können.

Quelle: RT

An den Wänden hängen Informationen in drei Sprachen: Englisch, Deutsch und Arabisch. Freiwillige Übersetzer, die meist selbst Flüchtlinge sind, helfen den Behörden bei der Kommunikation mit den Schutzsuchenden.

„Endlich werden die Räume für etwas Sinnvolles genutzt“, sagte Rüdiger Kunz, Sprecher des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) gegenüber der Berliner Zeitung. Im Gebäude müssten noch Duschen und Waschräume installiert werden, aber dieses Problem wäre bald gelöst, so Kunz weiter.

Die Flüchtlinge werden bis zu drei Monaten in den Unterkünften verbringen müssen, bevor sie in permanente Unterkünfte umziehen können.

Das Hauptgebäude mit dem Büro des ehemaligen Stasi-Chefs Erich Mielke wird weiter ein Museum bleiben, so Medienberichte.

Circa 7.000 Angestellte arbeiteten im Stasi-Hauptquartier im Berliner Bezirk Lichtenberg bis es 1989 von Demonstranten gestürmt wurde, um die Vernichtung von geheimen Dokumenten zu verhindern. In den 1990ern wurde der Gebäudeteil der früheren Auslandsspionage von der Deutschen Bahn genutzt, stand aber in den letzten Jahren leer.

Quelle: Ruptly

In Berlin geht die Debatte um die Unterbringung von Flüchtlingen in großen leer stehenden Gebäuden weiter. Im Oktober wurde der Flughafen Tempelhof zur Unterkunft umgewidmet, drei der sieben Hallen des ehemaligen Flughafens sind mit Asylbewerbern belegt, wo es Platz für rund 2.300 Menschen gibt. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) hatte letzten Mittwoch angekündigt, dass alle Hangars für die Flüchtlingsunterbringung gebraucht würden.

Der Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele fragte auf Facebook, warum nicht auch der frühere Sitz des Bundesinnenministeriums am Spree-Ufer mit hunderten Räumen für Flüchtlinge genutzt werden kann.

"Wie glaubt die Bundesregierung immer noch rechtfertigen zu können, dass die verlassenen, beheizbaren, mit Strom und Wasser versorgten 850 Räume des ehemaligen Bundesinnenministeriums in Berlin-Moabit seit April weiter leer stehen, obwohl sie bis Juli nächsten Jahres monatlich 570.000 Euro Miete dafür zahlt", so Ströbele.

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