Deutschland

Junge Liberale fordern über Twitter erneut Abschaffung von Inzestverbot

Die Jugendorganisation der FDP, Junge Liberale, fordert die Abschaffung des Paragrafen 173 StGb, der Geschlechtsverkehr unter Verwandten unter Strafe stellt. Nachdem die Jungen Liberalen ihre Forderung über Twitter publiziert hatten, kam es zu einigen Irritationen.
Junge Liberale fordern über Twitter erneut Abschaffung von InzestverbotQuelle: Gettyimages.ru

Am Donnerstag schrieb die Jugendorganisation der FDP auf Twitter: "An alle, die glauben, wir würden zurückrudern oder uns schämen, weil wir den Paragraph 173StGb (Beischlaf mit Verwandten) abschaffen wollen: Das ist unsere Position und wir finden Sie richtig." In der Tat handelt es sich bei dieser Forderung der Jungliberalen (auch "JuLis" genannt) nicht um einen neuen Vorstoß. Sie beruht auf einer Beschlussfassung des 34. Bundeskongresses der Jungen Liberalen vom 23. März 2007, der da lautet: "Die Julis fordern die Aufhebung des §173 StGB (Beischlaf zwischen Verwandten)".

Nun folgte quasi aus heiterem Himmel eine Reihe mehrerer Tweets der "JuLis", um diese Forderung zum einen wieder auf die Tagesordnung zu setzen und um sie zum anderen zu verteidigen. Der Tenor dabei: "Warum sollte Inzest mit einer Freiheits- oder Geldstrafe bestraft werden, wo es doch bei diesem 'Verbrechen' keine Opfer gibt", schreibt die Jugendorganisation auf ihrem offiziellen Kanal.

Und weiter: Den Staat und die Gesellschaft gehe es schließlich nichts an, "wenn zwei einwilligungsfähige Personen sich entschließen, Sex zu haben". Eine Strafe dafür sei ein "Relikt aus dem Moralstrafrecht". Sowie: "Inzest führt nicht zwingend zu Inzucht". Begründung: Nicht jeder Akt von Geschlechtsverkehr ende mit einer Schwangerschaft. Auch das Argument, dass dies ein erhöhtes Risiko von Behinderungen des Kindes mit sich bringt, wollen die Jungliberalen so nicht gelten lassen:

"Wer Inzucht mit dem Argument eines erhöhten Risikos für Behinderungen verbieten will, betreibt menschenverachtende Eugenik und müsste konsequenterweise auch allen Menschen mit vererbbaren Nachteilen die Fortpflanzung verweigern."

Aussagen, die auf Twitter nicht unbedingt auf Gegenliebe stießen. So schrieb zum Beispiel Ruprecht Polenz von der CDU:

Als wüßten wir nicht, wie schwer Fälle häuslicher Gewalt oder von Missbrauch aufzuklären sind. Wenn Einvernehmlichkeit behauptet wird, steht Aussage gegen Aussage. Inzest zerstört Familien.

Eine andere Twitter-Nutzerin drückte sich weniger diplomatisch aus und schrieb bezüglich des Eugenik-Vergleichs:

Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich, aber dieser hier hinkt nicht nur, er hat zwei mit einer stumpfen Axt abgetrennte Beine, deren Stümpfe so bluten wie mein IQ sinkt, wenn ich diesen geistigen Müll lesen muss.

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