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Studie: Aggressivität im Verkehr nimmt zu

Studie: Aggressivität im Verkehr nimmt zu
Wenn viele Verkehrsteilnehmer, wie hier in Berlin, aufeinandertreffen, kommt es häufig zu Reibereien.
Trotz zahlreicher Kampagnen ist die Aggressivität im Straßenverkehr in den vergangenen Jahren nicht zurückgegangen, sondern zum Teil sogar leicht gestiegen. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie. Auch Handynutzung ist nach wie vor ein Thema.

Ein 27-jähriger Autofahrer überholt einen 45-Jährigen auf der rechten Spur im Hamburger Elbtunnel. Der Ältere will sich das nicht gefallen lassen, überholt im Anschluss ebenfalls rechts und will den anderen abdrängen. Kurz darauf blockiert er den Jüngeren. Der will ausweichen, das Auto kippt um. Es gibt Verletzte. Auf der Autobahn zwischen Jena und Gera in Thüringen überholt ein 63-jähriger Mann einen 20-Jährigen, im Vorbeifahren richtet er eine Waffe auf den Kontrahenten. Der soll vorher zu langsam auf der Überholspur gefahren sein.

Zwei beliebige Beispiele aus den vergangenen Monaten, die aggressive Auseinandersetzungen im Straßenverkehr zeigen. Nicht immer eskalieren Situationen, bis Waffen gezogen oder Autos blockiert werden. Aber Drängeln, Hupen, Anschreien und beleidigende Gesten sind an der Tagesordnung, besonders da, wo es manchmal enger wird, in Großstädten oder auf vollen Autobahnen.

(Symbolbild).

"Verkehrsklima 2020"

Trotz zahlreicher Kampagnen und Ermahnungen ist die Aggressivität im Straßenverkehr in den vergangenen Jahren nicht zurückgegangen, sondern zum Teil sogar leicht gestiegen. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie "Verkehrsklima 2020" der Unfallforscher des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft.

Die Stimmung sei "eher aggressiver" geworden, sagte der Studienleiter und Unfallforscher Siegfried Brockmann. In der Befragung von rund 2.000 Menschen zu ihrem Verhalten habe es zum Thema Aggressivität leider keinen Wert gegeben, der sich seit der letzten Umfrage 2016 verbessert habe. Einzelne Zahlen hätten sich leicht verschlechtert.

Nur etwas mehr als die Hälfte der Autofahrer lehnte es kategorisch ab, schneller zu fahren, wenn sie sich ärgern (53 Prozent), einen drängelnden Hintermann auch mal mit einem Tritt auf die Bremse zu maßregeln (58 Prozent) oder sich sofort abreagieren zu müssen, wenn sie sich ärgern (55 Prozent). Vor vier Jahren lagen die Werte deutlich höher (63 bis 71 Prozent).

Neigung zum Rasen und Abreagieren

Von der knappen anderen Hälfte der Autofahrer antwortete ein beträchtlicher Anteil, so ein Verhalten treffe für sie "kaum zu". Zwischen 15 und 19 Prozent sagten allerdings, eine Neigung zum Rasen und Abreagieren treffe auf sie "eher" oder "voll" zu.

Beim ebenso gefährlichen dichten Auffahren, Drängeln mit Lichthupe oder rechts Überholen auf der Autobahn sind die Zahlen glücklicherweise niedriger.

Brockmann betonte aber, auch für seltene Entgleisungen gebe es keine Entschuldigung:

Das sind hier alles boshafte Dinge, hier ist nichts dabei, was ich für ein Kavaliersdelikt halten würde. Das ist alles mehr oder weniger gefährlich.

Interessant ist der Unterschied zwischen den Fehlern bei anderen und der Reflexion des eigenen Verhaltens. Mehr als 90 Prozent der Befragten gaben an, bei anderen schon mal Vordrängeln, zu dichtes Auffahren oder zu enges Überholen von Radfahrern beobachtet zu haben. Deutlich weniger stellten ein Problem bei sich selbst fest. So sagten 96 Prozent, sie seien beim Überholen von Radfahrern eher besonders rücksichtsvoll.

Berlin geht härter gegen Raser vor. In den meisten Fällen handelt es sich bei den Rasern laut Behörden nicht um Fahrzeughalter. Die PS-starken Luxusautos sind demnach meist gemietet oder geleast. (Symbolbild)

Der Gesamteindruck des Straßenverkehrs ist bei den befragten Menschen aber gar nicht so negativ. Die Mehrheit (55 Prozent) fühlt sich ziemlich oder sehr sicher, in der Corona-Pandemie sind es noch etwas mehr als früher.

Mehrheit für Null-Promille-Regelung

Bei den Frauen fühlen sich allerdings weniger sicher (50 Prozent) als bei den Männern (60 Prozent). Frauen wünschen sich auch mehr Kontrollen und strengere Gesetze. Die große Mehrheit aller Befragten (76 Prozent) ist für eine Null-Promille-Regelung bei Alkohol im Straßenverkehr sowie für regelmäßige Sehtests (69 Prozent) und Prüfungen für alte Verkehrsteilnehmer (62 Prozent). Ein Tempolimit auf Autobahnen will nur etwa die Hälfte (53 Prozent), Tempo 30 in Städten noch weniger (39 Prozent).

Eine große Gefahr liegt weiterhin in der gefährlichen Nutzung von Handys am Steuer. Besonders jüngere Menschen geben das zu. 45 Prozent der 18- bis 35-Jährigen sagen, dass sie selten, gelegentlich oder oft SMS oder Mails beim Fahren lesen. 29 Prozent schreiben sogar immer mal wieder am Steuer Nachrichten.

Telefonieren im Auto großes Thema

Stark zugenommen hat seit 2016 das Telefonieren mit Freisprechanlage. Bei den jüngeren Menschen tun es nach eigenen Angaben 70 Prozent, bei den älteren rund 50 Prozent. Brockmann sieht das kritisch, obwohl es erlaubt ist:

Das heißt ja nicht, dass es weniger gefährlich ist. Es ist nur den Menschen nicht bewusst.

Die mentale Ablenkung sei groß, weil sich die Menschen auf Gesprächsinhalte und Gesprächspartner konzentrieren würden. "Das sind die entscheidenden Faktoren, die dazu führen, dass ich dem Verkehrsgeschehen draußen nicht mehr so folgen kann."

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(dpa/rt)

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