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Dürre in Deutschland: Wird unser Trinkwasser knapp?

Dürre in Deutschland: Wird unser Trinkwasser knapp?
Symbolbild
In vielen Regionen in Deutschland herrscht enorme Trockenheit. Auch ein paar Tage Regen ändern daran kaum etwas. Erste Gemeinden meldeten bereits Trinkwasserengpässe. Was bedeutet das für die Wasserversorgung im Land? Grünen-Chef Robert Habeck fordert einen bundesweiten Hitzeplan.

Dass das Wasser in Deutschland aus dem Wasserhahn kommt, jederzeit, das ist für viele Menschen selbstverständlich. Doch die Trockenheit der letzten Monate zeigt bereits Auswirkungen: Die Grundwasserspiegel sind niedrig. Regional können heiße, trockene Phasen zu einer Wasserknappheit führen – und zunehmend auch zu Streit um Wasserressourcen. Das Jahr 2020 könnte das dritte Dürrejahr in Folge werden. 

Trauriger

"Besonders in Ostdeutschland ist die Trockenheit tief im Boden verankert, aber auch im Westen ist es teilweise zu trocken", sagt Diplom-Meteorologe Dominik Jung. So fiel an einigen Wetterstationen im Juli bisher kaum Regen. In Haßloch in Rheinland-Pfalz waren es nur 0,2 Liter und in Bad Kreuznach nur 0,4 Liter Regen pro Quadratmeter. Dagegen habe es in Steingaden in Südbayern schon 133 Liter Regen pro Quadratmeter gegeben. Das zeigt: Regen fiel im Juli in Deutschland besonders im Norden und im Süden direkt an den Alpen.

Kein Trinkwasser mehr

Einige Gemeinden melden bereits, dass das Wasser knapp wird. Im niedersächsischen Lauenau kam am vergangenen Wochenende aus dem Wasserhahn kein Trinkwasser mehr. Am Samstagmittag war der Wasserspeicher der Gemeinde leergelaufen. Tankfahrzeuge der Feuerwehr versorgten die Menschen mit sogenanntem Brauchwasser – etwa für Toiletten; Trinkwasser musste im Supermarkt gekauft werden.

Laut der Stadt Dresden führen zwei Drittel der Gewässer nur noch wenig Wasser, mittlerweile gibt es ein Schöpfverbot aus Flüssen, mit Ausnahme der Elbe. Bei Verstößen droht Bußgeld.

Rund 61 Prozent des Trinkwassers in Deutschland werden über Brunnen aus Grundwasser gewonnen, das damit die wichtigste Ressource für die öffentliche Wasserversorgung darstellt. Der Rest stammt vor allem aus Oberflächenquellen wie Seen oder Flüssen. Die letzten Sommer waren jedoch extrem heiß und trocken. Die Grundwasserstände sanken dadurch in manchen Regionen ab und konnten sich in der kalten und regenreicheren Jahreshälfte nicht wieder voll regenerieren.

Hinzu kommt die Sondersituation der Corona-Pandemie: Viele Menschen fahren nicht in den Urlaub und verbringen die Sommerferien zu Hause. Dadurch sei der private Wasserverbrauch stark angestiegen, erklärt etwa der Bürgermeister der Gemeinde Lauenau.

"Schon heute zeichnen sich Nutzungskonflikte um unser Wasser ab", sagte die Bremer Bundestagsabgeordnete der Grünen Kirsten Kappert-Gonther der Tageszeitung taz. Die Wasserversorgung der Bürger stehe in Konkurrenz zu der Landwirtschaft, der Industrie oder der Schifffahrt. Der öffentlichen Trinkwasserversorgung müsse dabei "bereits heute ein klarer Vorrang eingeräumt werden", sagt Kappert-Gonther.

Grünen-Chef fordert Hitzeplan

Um Deutschland besser für Hitzewellen zu wappnen, fordert Grünen-Chef Robert Habeck einen Hitzeplan zum Schutz der Gesundheit. Es brauche ein einheitliches, gestuftes Hitzewarnsystem, sagte Habeck der dpa. "Es sollte ein bundesweites Beratungstelefon geben, Risikogruppen sollten besondere Beachtung finden." In Gesundheitseinrichtungen sollten "kühle Räume" eingerichtet werden.

Archivbild vom 01. Juni 1988: Die Berge von Werchojansk

Ein 800 Millionen Euro schweres Förderprogramm "Grüne Freiräume und Wasser für coole Städte" soll die Einrichtung von Grünflächen, Grün an Gebäuden und Frischluftschneisen fördern, für Schatten sorgen und öffentliche Wasserspender finanzieren, erklärt Habeck. Der Bund müsse eine Gesamtstrategie entwickeln, "die regional von den Landesregierungen und lokal von den Kommunen, den Gegebenheiten entsprechend, angepasst wird".

Umdenken beim Wassermanagement

Angesichts zunehmender Trockenheit in Deutschland muss aus Sicht der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) beim Wassermanagement grundlegend umgedacht werden. Während die Strategie seit Jahrzehnten darin bestand, Wasser möglichst schnell aus der Fläche herauszubringen, müsse es nun darum gehen, Wasser in der Landschaft zu halten und Fließgewässern mehr Raum zu geben, sagt der Generalsekretär der Stiftung, Alexander Bonde.

Wir haben die Situation, dass Wasser in Deutschland inzwischen ein knappes Gut ist und sich auch die Konkurrenz ums Wasser verschärft.

Der jährliche Wasserverbrauch in Deutschland liegt bei circa 32 Milliarden Kubikmetern, das sind 120 bis 123 Liter pro Person am Tag. Dem gegenüber stehen Ressourcen von bundesweit 188 Milliarden Kubikmetern. Regional gibt es aber zum Teil deutliche Unterschiede. So machen sich die Wasserversorger vor allem in Gegenden mit sandigen Böden wie in Nord- und Ostdeutschland Sorgen um Trinkwasserreserven.

Global gesehen sieht es allerdings wesentlich dramatischer aus. Ein Drittel der Weltbevölkerung leidet unter Wassernot, weil das Süßwasser geografisch und saisonal sehr ungleich verteilt ist. Vor allem in Afrika und in weiten Teilen Asiens führt das Bevölkerungswachstum zu einem höheren Wasserverbrauch. Infolgedessen sinken die Grundwasserspiegel, Flüsse trocken aus, das Vieh verhungert, die Ernten vertrocknen und die Menschen leiden Hunger und Durst.

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