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Ein weiteres Opfer der Verdrängung im hippen Kiez: Linke Kneipe "Syndikat" geräumt

Ein weiteres Opfer der Verdrängung im hippen Kiez: Linke Kneipe "Syndikat" geräumt
Archivfoto vom 1. August 2020: Protest gegen die Räumung der Kiezkneipe "Syndikat" in Berlin-Neukölln
35 Jahre im Bezirk und nun geräumt: Die linke Kneipe "Syndikat" in Berlin-Neukölln ist seit Freitagmorgen Geschichte. Der Gerichtsvollzieher kam in Begleitung der Polizei und verschaffte sich Zutritt zum Lokal. Die Immobilieninvestoren haben gewonnen.

Mehr als zwei Jahre lang kämpften die Betreiber, die Stammgäste und die Nachbarschaft um den Erhalt der linken Kiezkneipe "Syndikat". Seit Ende 2018 hatte das Lokal in der Weisestraße 56 im Berliner Bezirk Neukölln keinen Mietvertrag mehr. 2016 wurde das Haus, in dem sich die Kneipe befindet, von einem Investor gekauft. Der neue Besitzer entschied, den auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern. Die "Syndikat"-Betreiber wollten jedoch nicht ausziehen. Die Kneipe hatte sich durch die Jahre zu einem Zentrum der linken Szene des Bezirks entwickelt. Beim Kampf um den Erhalt des Lokals ging es auch um Widerstand gegen die Verdrängung der sozial Schwächeren, gegen Luxussanierungen und reiche Investoren aus dem In- und Ausland.

Die Polizisten befinden sich in der Weisestraße. Dort wurde mit Unterstützung der Polizei die Nachbarschaftskneipe

Der Kiez erlebte in den vergangenen Jahren einen raschen Wandel, durch die Gentrifizierung wurde die Gegend rund um die Kneipe zu einer Hipster-Hochburg. In Cafés gibt es Eier Benedict und Avocado-Toast statt Schrippen und Schmalzstulle. Viele junge Menschen sprechen auf der Straße Englisch statt Deutsch und Türkisch. Neben Eckkneipen öffneten Weinbars und Edelrestaurants. Die Mieten sind exorbitant gestiegen, immer öfter tauchten Touristen im einstigen Problem- und Migrantenkiez auf. 

Luxussanierungen, der Bau von Immobilien im oberen Preissegment mit Penthouse, möblierte Wohnungen für Menschen, die ein paar Monate in der Stadt leben – der Kiez avancierte von einem Ort mit hoher Arbeitslosigkeit und Kriminalität zu einem der angesagtesten Viertel in ganz Berlin.

Nun muss auch das "Syndikat" weichen. Was der Besitzer – eine Briefkastenfirma mit Sitz in Luxemburg, hinter der das milliardenschwere britische Immobilienunternehmen Pears Group steckt – mit den Räumen vorhat, ist noch nicht bekannt. Trotz der Proteste wurde das Lokal am Freitagmorgen geräumt. In Begleitung von rund 700 Polizisten verschaffte sich der Gerichtsvollzieher Zutritt. Ein neues Schloss wurde eingebaut.

Die Polizei hatte das Gebiet um die Kneipe bereits am Donnerstag mit Gittern abgesperrt. So verhinderte sie eine Sitzblockade vor dem Kneipeneingang. Trotzdem versammelten sich in der Nacht zum Freitag und am Morgen mehr als 1.000 Demonstranten, um die Räumung zu verhindern. Es gelang ihnen nicht. 40 Menschen wurden festgenommen.

Nach der Räumung kam es auch am Freitagabend erneut zu Protesten. Zu der Demonstration war spontan aufgerufen worden. Gegen 21 Uhr sollen sich etwa 500 Menschen am Neuköllner Richardplatz versammelt haben. Es kam zu Rangeleien zwischen Aktivisten und Einsatzkräften. Vereinzelt sollen Steine und Feuerwerkskörper geflogen sein. Die Polizei setzte Pfefferspray ein. Gegen 23 Uhr zerstreuten sich die Demonstranten.

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