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Corona-Paranoia? Bürgermeister von Frankfurt (Oder) zeigt sich nach Umarmung selbst an

Corona-Paranoia? Bürgermeister von Frankfurt (Oder) zeigt sich nach Umarmung selbst an
Wilke (links) mit seinem Amtskollegen Olejniczak. Wie viele der umstehenden Journalisten und Bürger sich ebenfalls selbst angezeigt haben, ist nicht bekannt
Die Grenze nach Polen wird nach Monaten wieder geöffnet – und der Frankfurter Bürgermeister schließt im Überschwang seinen Slubicer Amtskollegen in die Arme. Da das in den Zeiten von Corona unzulässig ist, zeigte sich das Stadtoberhaupt umgehend selbst beim Gesundheitsamt an.

Der Oberbürgermeister von Frankfurt (Oder) hat sich nach Angaben der Grenzstadt im östlichen Brandenburg selbst wegen eines Verstoßes gegen die Abstandsregeln angezeigt. René Wilke hatte nach der Öffnung der Grenze zu Polen in der Nacht von Freitag auf Samstag auf der Brücke über die Oder seinen Amtskollegen Mariusz Olejniczak aus der Nachbarstadt Slubice überaus herzlich begrüßt.

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Vorgesehen war eigentlich nur ein sogenannter Ellenbogengruß. Doch offenbar im Überschwang der Gefühle fielen sich der deutsche und der polnische Bürgermeister in die Arme. In der Mitteilung der Stadt heißt es:

Trotz ihres guten Vorsatzes einer Begrüßung per Ellenbogenkontakt fielen sich die beiden Stadtoberhäupter in die Arme. Das Bild dieser Umarmung ging durch Deutschland, Europa und die Welt als Symbol der Wiedersehensfreude, der ungebrochenen Freundschaft und Verbundenheit zwischen Menschen und Völkern nach harten Lockdown-Maßnahmen.

Allerdings, so die Stadt weiter, handele es sich bei der Umarmung um einen "objektiven Verstoß gegen das geltende Abstandsgebot". Der Oberbürgermeister habe deshalb eine Selbstanzeige beim städtischen Gesundheitsamt erstattet und um Prüfung des Vorgangs gebeten – "ohne Ansehen der Person". 

Wilke erklärte dazu:

Die Situation, in der Mariusz und ich uns kurz umarmt haben, die hatte etwas Befreiendes, ließ mich spüren, welche Last gerade von vielen Bürgerinnen und Bürgern unserer Städte abfiel. Unser Agieren als Repräsentanten dieser Menschen war für mich noch nie so authentisch wie in diesen drei Sekunden. Die Geste war nicht geplant, aber wichtig. Allerdings war sie auch ein Regelverstoß, für den ich einzustehen habe, wie es für jede Bürgerin und jeden Bürger unserer Stadt in einer vergleichbaren Situation wäre.

Olejniczak sagte der deutschen Nachrichtenagentur dpa in Warschau:

Wir haben da kein Verbrechen begangen. Unsere Zusammenarbeit funktioniert einfach sehr gut, das kam spontan.

Die Stadt erwartet noch in dieser Woche eine Entscheidung über die rechtliche Einschätzung der Selbstanzeige Wilkes. Die Grenze nach Polen war bis zum Samstag etwa drei Monate lang für Ausländer bis auf wenige Ausnahmen geschlossen.

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