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Mineralölrückstände in deutscher Babynahrung – Agrarministerium verschwieg amtliche Ergebnisse

Mineralölrückstände in deutscher Babynahrung – Agrarministerium verschwieg amtliche Ergebnisse
Welche Mengen an Mineralölrückständen würden Eltern ihren Säuglingen zumuten wollen – jene von der Industrie als "unbedenklich" eingestuften? Problematisch ist vor allem, wenn amtliche Testergebnisse den Verbrauchern nicht bekannt sind.
Wenn Milch der Gesundheit unserer Kleinsten schaden könnte, darf sie nicht im Regal landen, erklärt CDU-Landwirtschaftsministerin Klöckner – und veranlasste offenbar das Gegenteil. Obwohl Informationen zu gefährlichen Rückständen vorlagen, wurden diese nicht veröffentlicht.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat im vergangenen Oktober nach Tests herausgefunden, dass drei von vier Milchpulverprodukten für Säuglinge Rückstände potenziell krebserregender Mineralöle aufweisen.

Ausgerechnet die Kleinsten könnten durch die in der Krise gelockerten Verbraucherschutzmaßnahmen den größten Schaden nehmen.

Der nicht staatliche Verein forderte daraufhin die eigentlich zuständige Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) auf, dafür Sorge zu tragen, dass belastete Produkte umgehend aus den Regalen verschwinden. Die Ministerin reagierte mit dem Hinweis, "Lebensmittel müssten sicher sein", und gelobte entsprechendes Handeln:

Wenn sich herausstellt, dass Baby- oder Säuglingsmilch der Gesundheit unserer Kleinsten schaden könnte, darf sie nicht im Supermarkt landen.

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Im Dezember machte Foodwatch darauf aufmerksam, dass auch in amtlichen Labortests aromatische Kohlenwasserstoffe (MOAH) in Babynahrung gefunden wurden, und berief sich auf das nordrhein-westfälische Verbraucherministerium. Demnach waren neun von zwölf Milchprodukten in Blechdosen sowie in zwei von 14 Produkten in Kartonpackungen betroffen. Die Tests stammen vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Münsterland-Emscher-Lippe.

Die amtlichen Ergebnisse staatlicher Labore bestätigen jetzt erneut, dass in verschiedenen Milchpulverprodukten Spuren von gesättigten Mineralölkohlenwasserstoffen (MOSH), in vierzehn Produkten sogar aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH) enthalten sind.

Aromatische Mineralöle stehen nach Einschätzung der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA im Verdacht, Krebs auszulösen und das Erbgut zu schädigen, sie sollten nicht einmal in kleinsten Mengen in der Nahrung vorkommen. Gesättigte Mineralöle reichern sich nach wissenschaftlichen Erkenntnissen in Körpergeweben und Organen an, ihre genauen Auswirkungen sind noch unklar, sie sollten daher in der Nahrung vermieden werden.

Jedoch wurden diese schockierenden und in der Tat für die Öffentlichkeit wissenswerten Resultate der Untersuchungen der Chemischen und Veterinäruntersuchungsämter Münster und Stuttgart nicht veröffentlicht. Erneut musste erst Foodwatch einschreiten und konnte nur durch ein langwieriges formales Antragsverfahren über das Verbraucherinformationsgesetz die geheimen Testergebnisse beantragen. Diese veröffentlichte der Verein nun.

Demnach wies das Labor in Münster in allen 50 untersuchten Proben gesättigte Mineralöle (MOSH) nach und fand zudem aromatische Mineralöle (MOAH) in 14 der 50 Proben. Das Labor in Stuttgart fand in 17 Proben keine MOAH-Verunreinigungen, wies jedoch in zwölf Proben MOSH nach. Insgesamt waren bei den beiden erst jetzt bekannt gewordenen staatlichen Untersuchungen 92 Prozent der Proben mit MOSH und 21 Prozent der Proben mit den gefährlichen MOAH belastet. Betroffen von MOAH Verunreinigungen sind demnach:

  • Nestlé-Produkte ("BEBA Pro HA 2", "BEBA Supreme Pre, von Geburt an", "BEBA Optipro 2", "BEBA Optipro 1", "BEBA Pro HA 1, von Geburt an" und "BEBA Pro HA Pre") 
  • Novalac-Produkte ("Säuglingsmilchnahrung PRE 400g" und "BK, Blähungen und Koliken") 
  • Humana-Produkte ("SL Spezialnahrung bei Kuhmilchunverträglichkeit" und „Anfangsmilch 1 von Geburt an") 
  • die Rossmann-Eigenmarke Babydream ("Kinderdrink ab 1 Jahr") 

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Ministerium verheimlicht Erkenntnisse zugunsten der Industrie

Zudem schreibt Foodwatch, dass dem zuständigen, von Klöckner geführten Ministerium bereits Anfang Dezember erste Ergebnisse staatlicher Analysen von Babymilch bekannt waren. Das gehe aus einer Antwort des Ministeriums auf eine schriftliche Anfrage der Linken-Fraktionsvorsitzenden Bundestagsabgeordneten Amira Mohamed Ali vom 10. Dezember 2019 hervor.

Doch statt bekannt zu machen, in welchen Babyprodukten genau diese Substanzen nachgewiesen wurden, betonte das Ministerium in gewohnt industriefreundlicher Manier, dass Nestlé Deutschland bei "Eigenkontrolluntersuchungen" keine aromatischen Mineralöle finden konnte. Dabei gibt es signifikante Unterschiede zwischen den von Überwachung und Industrie verwendeten analytischen Verfahren.

Foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker sagte dazu:

Dass die Bundesregierung die Geschäftsinteressen von Nestlé und Co. über den Gesundheitsschutz von Säuglingen stellt, ist ein Skandal.

Da weder das Bundesministerium noch andere Behörden ihrem öffentlichen Auftrag und dem von Klöckner angekündigten Verantwortungsbewusstsein gegenüber "unserer Kleinsten" nachkommen, bleibt auch Foodwatch zufolge unklar, inwieweit die  untersuchten Produktchargen, darunter sechs bedenkliche Produkte von Nestlé, eines von Rossmann und jeweils mehrere von anderen Herstellern, sich noch im Handel befinden. Das Bundesministerium ließ hingegen wie bereits bei früheren Skandalen mitteilen, dass die Lebensmittelüberwachung in Deutschland "in die alleinige Zuständigkeit der Länder" falle.

Update, 29.05.2020: Die Drogeriekette Rossmann nimmt nach eigenen Angaben einen Teil seiner Babymilch der Eigenmarke „Babydream“ aus dem Handel. Bereits gekaufte Produkte der Charge 1466876 mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum 08.2020 können in den Filialen zurückgeben werden.

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