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Auch 2020 wird ein Waldbrandjahr – nicht nur in Brandenburg bereits jetzt "knochentrocken"

Auch 2020 wird ein Waldbrandjahr – nicht nur in Brandenburg bereits jetzt "knochentrocken"
Trauriger "Tag des Baumes": An zahlreichen Orten brannte bereits in diesem Frühjahr der Wald - Experten erwarten ein weiteres Waldbrandjahr und auch in den Städten dürsten die Pflanzen. Foto: Löscharbeiten durch Bundespolizei.
Bereits im April herrscht in einigen Gebieten höchste Waldbrandgefahr. Auch 2020 wird wohl ein Brandjahr, vielleicht gar größeren Ausmaßes als die vorangegangenen. Waldbesitzer und Brandschützer mahnen Notfallpläne und Vorsicht an - nicht nur Zigaretten können fatal sein.

Zahlreiche deutsche Literaten, Künstler und Komponisten haben dem Wald gehuldigt, er wurde Teil des nationalen Selbstverständnisses. So war er regelmäßig Protagonist in deutschen Volksmärchen und diente zeitweise gar als Symbol für deutsche Tradition im Kontrast zur Gesellschaftsordnung und den Werten der Französischen Revolution, wie liberté und égalité. Von der Hermannsschlacht im Teutoburger Wald im Jahr 9 nach Christus bis zur Analogie zwischen Wald und Heer bei den Nationalsozialisten wurde dem Wald des Öfteren eine teils überhöhte Sonderrolle fürs Deutschtum zugeschrieben.

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Waldwichtel und Treehugger – aktuell ist die Situation dramatisch

Dabei ist der Sehnsuchtsort auch ganz ohne Pathos kaum noch wegzudenken aus einem Land mit mehr als 1.000 Waldkindergärten, zahlreichen Waldschulen und immer mehr Menschen, die sich durch "Waldbaden" etwas Gutes tun.

Der 25. April ist hierzulande "Tag des Baumes", doch dieser ist in einer prekären Lage, muss oft Verkehrs- und Industrieprojekten weichen – die wiederum bestehende Probleme teils massiv verstärken, wie das Beispiel von Teslas Giga Factory zeigt –, während der Sehnsuchtsort Wald unter Extremwetterereignissen zu leiden hat.

Die Situation in vielen Wäldern Deutschlands ist dramatisch", warnt Hans-Georg von der Marwitz, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW), "vertrocknete Bäume und trockenes Unterholz sind ein gefährlicher Brandherd."

Die Kette aus Stürmen, Dürre, anhaltenden Trockenperioden und Schneebruch, die in den vergangenen Jahren vermehrt auftritt, habe zu einer Jahrhundertkatastrophe in den Wäldern geführt und in wenigen Monaten seit Generationen gepflegte und bewirtschaftete Wälder zerstört. Umstritten ist, wie lange und in welcher Form wieder aufgeforstet werden kann, da alte Bestände vor allem ökologisch wertvoller und auch resistenter sind, wie der wohl bekannteste Förster Deutschlands, Peter Wohlleben, immer wieder zu bedenken gibt.

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Rund 70 Millionen Festmeter Schadholz und ein Waldverlust von etwa 110.000 Hektar sind das Resultat bisher, die AGDW rechnet jedoch mit einem Anstieg der Schadensbilanz. Insbesondere Nadelholzplantagen sind von Schädlingsbefall bedroht, weil die ursprünglich im Norden angesiedelten Bäume durch stärkere Hitze und Trockenheit geschwächt sind. Doch keine Baumart bleibt verschont. Borkenkäfer und Nonnenspinner setzen Fichten und Kiefern zu. Buchen und Erlen leiden unter einem Pilzbefall, die Eiche unter dem Eichenprozessionsspinner, der schwere gesundheitliche Folgen auch für Mensch und Tiere haben kann. Auch finanziell sind die Schäden enorm. Die Kosten der Beräumung betragen vorläufig etwa 2,1 Milliarden Euro. Für die Wiederbewaldung werde ein Finanzvolumen von etwa 640 Millionen Euro benötigt. 

Zudem bringen Waldbrände Gefahren für Waldpopulation und Artenvielfalt, aber auch für Besucher. Der Waldbrandgefahrenindex (WBI) des Deutschen Wetterdienstes beschreibt das meteorologische Potenzial für die Gefährdung durch Waldbrand. Für einige Gebiete, vor allem in Brandenburg, besteht demnach bereits in diesem Frühjahr sehr hohe Waldbrandgefahr.

Laut Raimund Engel, Waldbrandschutzbeauftragter des Landes, hat es zwar immer Waldbrände gegeben, doch die Dimensionen seien neu. 2018 brannte mit insgesamt 1.663 Hektar die größte Fläche in Brandenburg, in den vergangenen beiden Jahren zeigte sich laut Engel ein neues Phänomen: größere Brände, die nicht innerhalb eines Tages gelöscht werden konnten, sondern teilweise bis zu zwei Wochen brannten. Durch die Erosion sowie Wind und Regen kommen zudem alte Kampfmittel an die Oberfläche, die weitere Brände verursachen oder verschlimmern können und für Feuerwehren teils so gefährlich sind, dass nicht gelöscht werden kann. Engel verweist darauf, dass wegen der extremen Trockenheit leichter Brände entstehen und deshalb das gesamte Jahr über absolutes Rauchverbot im Wald herrscht.

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Laut Engel stehen alle Zeichen auf ein weiteres Waldbrandjahr, da es im April nur fünf bis zehn Prozent des Niederschlags gibt, der für diesen Monat eigentlich üblich und notwendig wäre. Und bereits jetzt seien die Wälder "einfach knochentrocken".

Die Brandlast ist also bereits jetzt im April unglaublich hoch, deshalb haben wir auch schon jetzt so viele Brände.

Angesichts der regenarmen Zeit in diesem Jahr mahnen auch die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) und AGDW-Präsident von der Marwitz, dass unbedingt alle Regeln beachtet werden müssen: keine Zigaretten, kein Müll und auch keine Fahrzeuge in Waldnähe, da bereits der Katalysator ein Feuer verursachen kann. Auch Glasscherben im Wald sind jetzt gefährlich.

Kommunen sollten sich frühzeitig auf die Waldbrandgefahr einstellen und Maßnahmen ergreifen wie das Anlegen von Löschteichen, regelmäßige Überarbeitung der Katastrophenschutzpläne und bessere Ausstattung der Feuerwehren, wozu Allradfahrzeuge und Schutzkleidung zählten. Zudem müsse der Einsatz von Löschhubschraubern etwa mittels Kooperationen mit privaten Anbietern ins Auge gefasst werden.

Wir müssen uns auf ein größeres Ausmaß bei den Waldbränden einstellen", sagte von der Marwitz.

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