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Virologe kritisiert: Restriktive Maßnahmen zu schnell hintereinander ergriffen

Virologe kritisiert: Restriktive Maßnahmen zu schnell hintereinander ergriffen
Professor Hendrik Streeck, Direktor des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Bonn, in einem der Labore seines Instituts.
Der Virologe Hendrik Streeck von der Universität Bonn hält eine schrittweise Lockerung der strikten Shutdown-Regeln in Deutschland für möglich. Grundlage dafür könnte eine von ihm selbst durchgeführte Studie im besonders von Corona betroffenen Landkreis Heinsberg sein.

Seit Tagen werden in Deutschland folgende Fragen diskutiert: War der Shutdown wirklich nötig? Sind die Maßnahmen der Bundesregierung wie etwa die Schließung zahlreicher Geschäfte zu scharf? Ist es an der Zeit, über eine sogenannte Exit-Strategie nachzudenken? In der ZDF-Talkshow "Markus Lanz" am Dienstagabend sagte etwa der 42-jährige Virologe Hendrik Streeck: 

Wir wissen, dass es bisher keine nachgewiesenen Übertragungen zum Beispiel beim Einkaufen gibt, es gibt keine nachgewiesenen Übertragungen beim Frisör.

Ein Wunder? Im italienischen Erbognone gibt es bislang keine Corona-Infektionsfälle.

Als Beispiel nannte der Direktor des Instituts für Virologie und HIV-Forschung an der Universität Bonn den Fall der Firma Webasto aus Bayern. Der erste Patient, bei dem das Coronavirus in Deutschland festgestellt wurde, war ein 33-jähriger Mitarbeiter des Automobilzulieferers. Er hatte sich bei einer Kollegin aus China, die sich in Deutschland zur Weiterbildung aufhielt, angesteckt. Doch die offenbar hochinfektiöse Frau hatte im Restaurant und im Hotel, in dem sie untergebracht war, niemanden infiziert. Sie habe ganz spezifisch den Mitarbeiter der Firma angesteckt, der mit ihr in engem Kontakt war.

Der Virologe verwies darauf, dass es dort, wo viele Menschen über Stunden auf engem Raum zusammenkämen, gefährlich werde. Der 42-Jährige nannte als Beispiel dafür auch Clubs, wie etwa im österreichischen Skiort Ischgl, Fußballstadien und Partys. 

Im besonders betroffenen Kreis Heinsberg erforscht Streeck mit seinem Team derzeit die Ausbreitung des Erregers. In der Sendung erklärte er, dass sie mehrere Tage von Haushalt zu Haushalt gefahren seien und infizierte Menschen gefragt hätten, wie sie sich angesteckt haben könnten, welche Symptome sie aufweisen, welche Medikamente sie nehmen und und ob sie Vorerkrankungen hätten. Zudem haben sie Abstriche und Blutproben genommen sowie die "Umwelt abgestrichen" – Türklinke, Toilette, Handy, Fernbedienung und etwa auch im Haushalt lebende Katzen. 

Ein Forschungsergebnis war etwa: Fast alle berichteten über einen einige Tage anhaltenden Geruchs- und Geschmacksverlust. Nach ihren bisherigen Ergebnissen waren zudem etwa der Griff an der Türklinke oder das Handy nicht infektiös. Man konnte "kein lebendes Virus von irgendeiner Oberfläche" feststellen, so der Virologe. Selbst bei einer Familie in Heinsberg, die hoch infektiös gewesen sei, habe man im Haus keine Viren auf Oberflächen gefunden, erklärte der Experte.

In der Sendung wunderte er sich, dass diese Studie über die Infektionsverläufe nicht seitens des Robert Koch-Instituts selbst durchgeführt wurde. Er habe bei der Behörde nachgefragt, von dort jedoch die Information erhalten, dass eine solche Studie aktuell nicht durchgeführt werde und auch nicht angedacht sei. 

Der 42-Jährige kritisierte auch die Bundesregierung dafür, dass sie den ersten getroffenen Maßnahmen nicht genügend Zeit gegeben habe, um überprüfen zu können, ob sie wirksam seien. Man müsse abwarten, dem Virus Zeit lassen, um Ergebnisse langfristig zu sehen. Was wirke und was nicht. Stattdessen seien sehr schnell hintereinander neue Maßnahmen ergriffen worden, sodass man nun nicht überprüfen könne, welche tatsächlich zur Eindämmung des Virus beigetragen hätten. Er betont jedoch: "Jetzt das zurückzudrehen, wäre falsch."

Er erklärte ferner, er hätte sich bei einer solchen Maßnahme wie dem Shutdown gewünscht, dass man da "nicht sofort heftig reagiert, sondern gemeinsam erst mal überlegt, wo will man denn eigentlich hin?". Unsere Grenze sei die Kapazitätsgrenze der Krankenhäuser, nicht die Anzahl der Infizierten. So sagte Streeck: 

Wir haben aber nie gehört, was ist unsere Richtschnur? Was ist unser Ziel? Sind tausend Infektionen pro Tag zu viel, sind hundert zu viel? Ganz eindämmen können wir es ja nicht.

Anstelle dass wir täglich zählten, wie viele neue Infektionen wir haben, müssten wir auf die Intensivmediziner hören, wo die Grenze sei. Diese könnten am besten einschätzen, welche Maßnahmen eigentlich die richtigen seien und welche nicht. 

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