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Die Linke: Förderung russischer Sprache in Deutschland wird Beziehungen zu Russland nicht gerecht

Die Linke: Förderung russischer Sprache in Deutschland wird Beziehungen zu Russland nicht gerecht
Linke: Russisch-Förderung in Deutschland weder Sprecherzahl noch Beziehungen mit Russland angemessen (Symbolbild: Russisch-Sprachschule im Russischen Haus in Berlin, 04. April. 2018 )
Die Förderung von Russisch in Deutschland entspricht weder der Sprecheranzahl in der BRD noch der Intensität der Zusammenarbeit mit Russland und auch nicht dem Rang dieser Sprache weltweit. Darauf machte die Fraktion der Linken in einer Kleinen Anfrage aufmerksam.

Das Erlernen und die Ausübung der russischen Sprache werden in Deutschland nicht genügend gefördert. Darauf macht die Bundestagsfraktion der Partei Die Linke in einer Kleinen Anfrage an die Bundesregierung unter dem Titel "Situation der russischen Sprache in Deutschland" aufmerksam.

Finanzminister Olaf Scholz und Bundeskanzlerin Angela Merkel gegenüber dem russischen Präsidenten Wladimir Putin während des G20-Gipfels im japanischen Osaka (29. Juni 2019)

Die unter der Leitung des europapolitischen Sprechers Andrej Hunko erstellte Anfrage wurde von Dr. Sahra Wagenknecht (ehem. eine Vorsitzende der Fraktion) und Dr. Dietmar Bartsch (aktuell ein Vorsitzender dieser Fraktion) unterzeichnet. Offizieller und aktueller Anlass der Anfrage waren die drohenden Kürzungen am Institut für Angewandte Linguistik und Translatologie der Universität Leipzig (IALT). Weitreichende Kürzungen im Russisch-Lehrangebot dort wären "ein unersetzlicher Verlust für die deutsch-russischen Beziehungen" – aber auch allgemein für die Osteuropa-Kompetenz in Deutschland. Zudem wären solche Kürzungen im Hinblick auf sage und schreibe 70 Jahre Ausbildung von Russisch-Dolmetschern und -Übersetzern, auf die das Institut heute stolz zurückblicken kann, in der Tat auch als ein empfindlicher Schlag für die angewandte Linguistik als Ganzes zu bewerten.

Aber auch deutschlandweit werde die unzureichende Förderung – den Bundestagsabgeordneten zufolge – keineswegs dem durch die Bundesregierung nach eigenem Bekunden im Umgang mit Russland verfolgten "zweigleisigen Ansatz" von "Dialog und auch Abschreckung" gerecht. Ohnehin werde man dem Status des Russischen weder als einer bedeutsamen Sprache einer zahlenmäßig starken Minderheit in Deutschland noch weltweit als einer wichtigen Arbeitssprache in internationalen Gremien gerecht. Nicht zu vergessen sei zudem, dass Russisch den sechsten Platz unter den meistgesprochenen Sprachen der Welt belegt – und sogar den zweiten (!) Platz unter den meistgenutzten Sprachen für Websites.

Ebensowenig entspricht das Förderungsniveau in Deutschland dem Niveau und der Breite der Zusammenarbeit in der Wirtschaft, Öffentlichkeit oder Kultur zwischen der Bundesrepublik und der Russischen Föderation, wie in der Kleinen Anfrage mit Verweis auch auf den Landesverband der Russischlehrer und Slawisten Baden-Württemberg e. V. angemerkt wird.

Mit sechs Millionen aktiven Sprechern ist Russisch tatsächlich eine bedeutende Sprache von Minderheiten in Deutschland. Zusammen mit dem genannten Verein weist die Linke auf bessere Bildungschancen für (eingewanderte) Träger der Sprache hin:

In Landesteilen mit einem Russischangebot an weiterführenden Schulen gibt es für diese Bevölkerungsgruppe z. B. deutlich bessere Chancen, ein Abitur zu erwerben."

Es ist unnötig zu erwähnen, dass eine aktuell nicht stattfindende Ausschöpfung dieser Kapazitäten andernfalls auch der Wirtschaft zugute käme.

Und die Zahlen der Wirtschaft sprechen eine deutliche Sprache. So erreichten Investitionen deutscher Unternehmen in Russland im vergangenen Jahr an die 3,2 Milliarden Euro, erklärte die Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer. Das ist der Höchststand seit der Finanzkrise von 2008 – und da ist noch viel Luft nach oben: Allein im ersten Halbjahr 2019 stieg diese Zahl um 400 Millionen Euro und damit um 33 Prozent im Vergleich zum Halbjahr davor auf 1,7 Milliarden, allen zweifellos überaus schädlichen Sanktionen zum Trotz.

Auch der Handelsumsatz zwischen Russland und Deutschland insgesamt betrug im Jahr 2018 annähernd 62 Milliarden Euro.

Dass neben der Wirtschaft auch die Kultur von einem Ausbau – anstelle von Einschränkungen – der Beziehungen profitieren würde, liegt ebenso auf der Hand. Eines der besten Beispiele für solche erfolgreichen und daher erst recht ausbaufähigen Projekte ist auf deutschem Boden das Festival klassischer Musik "Russian Seasons".

In Russland sind auch für das Jahr 2020 wieder zahlreiche wissenschaftliche und kulturelle Veranstaltungen aller Art im Rahmen des Projekts "Deutsche Tage in russischen Regionen" ab Anfang April 2020 geplant – wofür das Auswärtige Amt erfreulicherweise frühzeitig eine Ausschreibung auf der Website der Vertretungen Deutschlands in Russland auf Russisch und auf Deutsch annoncierte.

Dass solche Dinge die Atmosphäre im gemeinsamen russisch-deutschen Diskurs nur verbessern können, ist selbstverständlich. Dass eine solche Verbesserung heute aber auch mehr denn je nötig ist, steht angesichts der aktuellen transatlantisch inspirierten, geradezu russophoben Hysterie in den Westmedien – darunter leider auch in deutschen Medien – außer Frage.

Die Kleine Anfrage der Bundestagsfraktion der Linken ist also sowohl angesichts der drohenden Kürzungen aktuell als auch im Hinblick auf den beide Seiten bereichernden Charakter und die Ausbaufähigkeit der konstruktiven Aspekte in den Beziehungen zwischen der Russischen Föderation und der Bundesrepublik Deutschland legitim. Ob auf die geäußerte vielschichtige Besorgnis in dieser Anfrage angemessen reagiert werden wird, bleibt allerdings abzuwarten. 

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