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Literaturnobelpreis an Peter Handke verliehen – Erdoğan kritisierte ihn als "rassistische Person"

Literaturnobelpreis an Peter Handke verliehen – Erdoğan kritisierte ihn als "rassistische Person"
Die polnische Autorin und Preisträgerin für das Jahr 2018, Olga Tokarczuk, und der österreichische Schriftsteller Peter Handke (2. v. r.) am 10. Dezember 2019 bei der Nobelpreisverleihung in Stockholm.
Dem österreichischen Schriftsteller Peter Handke wurde der Nobelpreis für Literatur verliehen. Im Vorfeld gab es Proteste. Mehrere Staaten boykottierten die Veranstaltung wegen Handkes Haltung zum Jugoslawien-Konflikt. Vom türkischen Präsidenten kam scharfe Kritik.

Mehr als 1.500 Gäste waren im Stockholmer Konzerthaus, als am Dienstagnachmittag gegen 17.30 Uhr dem österreichischen Schriftsteller Peter Handke der Nobelpreis für Literatur 2019 verliehen wurde. Dieses Jahr gibt es insgesamt 14 Preisträger in allen Kategorien. So wurde neben Handke auch die polnische Schriftstellerin Olga Tokarczuk mit dem Literaturnobelpreis für das Jahr 2018 bedacht. Auch insgesamt zwölf Wissenschaftler aus Physik, Chemie und Medizin wurden ausgezeichnet.

Der österreichische Schriftsteller Peter Handke posiert am 10. Oktober 2019 in seinem Garten in Chaville bei Paris für Fotografen. Kurz zuvor wurde bekannt, dass er den Literaturnobelpreis für 2019 erhalten hat.

Vorwurf: Er würde Kriegsverbrechen bagatellisieren oder gar leugnen

Vor der Verleihung gab es scharfe Kritik an Handke. Ursache dafür war seine pro-serbische Haltung während der Jugoslawien-Kriege. So wurde Handke vorgeworfen, die von Serben begangenen Kriegsverbrechen zu bagatellisieren oder gar zu leugnen. Kurz vor der Veranstaltung im Stockholmer Konzerthaus fand in unmittelbarer Nähe des Gebäudes eine Demonstration statt. Organisiert wurde sie von der bosnischen Organisation "Mütter von Srebrenica" und der "Gesellschaft für bedrohte Völker".

Handkes Literatur schreibt die Geschichte um, er stellt einen Genozid infrage, der bewiesen worden ist", sagte eine der Initiatorinnen, Teufika Šabanović, der Deutschen Presse-Agentur.

Sie glaube nicht daran, "dass sich Handke eines Tages doch noch bei den Völkermordopfern entschuldigen wird". Handke habe bereits auf der Pressekonferenz in der Schwedischen Akademie eine goldene Gelegenheit verstreichen lassen, auf Fragen zu seiner Haltung zum Jugoslawien-Konflikt angemessen zu antworten, so Šabanović. Auch Botschafter mehrerer Staaten wie Bosnien-Herzegowina, Albanien, Nordmazedonien, Kroatien und die Türkei boykottierten die Nobelpreisgala. Kurz vor der Verleihung äußerte sich auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan über den österreichischen Preisträger. So bezeichnete er Handke als eine "rassistische Person".  

Dass am 10. Dezember, dem Tag der Menschenrechte, der Literaturnobelpreis einer rassistischen Person gegeben wird, die den Genozid in Bosnien Herzegowina leugnet und Kriegsverbrecher verteidigt, hat keine andere Bedeutung, als Verstöße gegen Menschenrechte auszuzeichnen", erklärte Erdoğan am Dienstag.

Auf einer Veranstaltung mit Studenten in Ankara sagte der türkische Präsident später:

Einen solchen Mörder auszuzeichnen, heißt, mit der Gräueltat gemeinsame Sache zu machen.

Einige Tage früher äußerte sich auch Erdoğans Sprecher über den Kurznachrichtendienst Twitter. So forderte İbrahim Kalın, die "irrationale und unerhörte" Entscheidung, die Auszeichnung an Handke zu vergeben, zurückzunehmen. Er warf dem Nobelpreiskomitee zudem vor, damit zu neuen Kriegsverbrechen zu ermutigen.

Kurz vor der Verleihung protestierten unter dem Hashtag #BosniaWarJournalists zahlreiche Journalisten gegen die Vergabe des Literaturnobelpreises an Handke. Auch die CNN-Journalistin Christiane Amanpour beteiligte sich. So schrieb sie in einem Tweet: "Wir alle wissen, wer schuld ist." 

Handke selbst hatte sich wenige Wochen vor der Nobelpreisgala zu seiner umstrittenen pro-serbischen Haltung in den 90er-Jahren geäußert. Die Berichterstattung über Serbien sei damals monoton und einseitig gewesen, so Handke. Es sei um "Gerechtigkeit für Serbien" gegangen. 

Kein Wort von dem, was ich über Jugoslawien geschrieben habe, ist denunzierbar, kein einziges. Das ist Literatur", sagte der 77-Jährige in einem Interview der Zeitschrift Die Zeit.

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