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Dieter Nuhr unter Beschuss: Hat er Greta Thunberg mit Hitler und Stalin verglichen?

Dieter Nuhr unter Beschuss: Hat er Greta Thunberg mit Hitler und Stalin verglichen?
Dieter Nuhr hat seine eigenen Ansichten über Greta und die Welt. Na und?
Dieter Nuhr teilt gerne aus. Das ist sein Job. Dabei macht er auch nicht vor der Umweltaktivistin Greta Thunberg halt. Die Kieler Nachrichten werfen ihm nun vor, zu weit gegangen zu sein. Doch das trifft wohl eher auf die Zeitung zu als auf den Satiriker.

von Timo Kirez

Seit 1967 gibt es in Deutschland Farbfernsehen. Das ist offenbar noch nicht bei allen angekommen, einige bevorzugen auch weiterhin ein schwarz-weißes Weltbild. Wir Deutschen trennen halt gerne. Zwischen Papier und Glas, Gutmenschen und Nazis, Klimagläubigen und Klimaleugnern, Ossis und Wessis, Freedom Fries und Putinverstehern und so weiter. Dazwischen gibt es nichts.

Bei diesem urdeutschen Mikroklima haben es Kabarettisten wie Dieter Nuhr schwer. Der Mann, oder im aktuellen Polithipster-Jargon "alte weiße Mann", wagt es tatsächlich, über die schon zu Lebzeiten zur Ikone erklärte Klimaaktivistin Greta Thunberg Witze zu machen. Und das nicht nur einmal, sondern mehrfach. Zuvor hatte er sich gar über den Islam lustig gemacht. Und über Vegetarier. Spätestens seit dem haben ihn einige auf dem Kieker und er sein Etikett als "Mario Barth für Besserverdienende" und "gehobener Stammtisch" weg.

Doch das gehört dazu, wer austeilen kann, muss auch einstecken können. Niemand muss Dieter Nuhr mögen, und niemand muss seine Witze lustig finden. Es gibt jedoch einen großen Unterschied zwischen Kritik und Rufmord. Die Kieler Nachrichten haben offenbar beschlossen, diesen Unterschied aufzuheben. In einer Meldung (leider Bezahlschranke) vom Sonntag behauptet die Zeitung, Nuhr habe Greta Thunberg mit Hitler und Stalin verglichen. Andere Medien übernahmen die Meldung ungeprüft.

Gleichwohl hätte ein Blick in die entsprechende Passage des Artikels genügt, um zumindest misstrauisch zu werden:

Der globale Warenverkehr und damit der Wohlstand sei einer der Hauptverantwortlichen für hohe CO₂-Emissionen. Falle der weg, stelle sich die Frage, wie viele Menschen man regional ernähren könne. Weiter soll der Comedian gesagt haben: 'Aber was sind schon Menschenleben, wenn es um die große Sache geht?' In der Konsequenz würde man da sogar an Hitler oder Stalin denken können.

Schnell fällt auf: "Aber was sind schon Menschenleben, wenn es um die große Sache geht?" steht in Anführungszeichen. Der Satz danach nicht. Demnach handelt es sich bei dem letzten Satz auch nicht um ein wörtliches Zitat von Nuhr, sondern um die Interpretation des Journalisten. Das ist gelinde ausgedrückt hinterhältig.

Kein Wunder also, dass Dieter Nuhr umgehend auf diesen perfiden Vorwurf reagierte. In einem Facebook-Post vom Dienstag erklärt er:

Es wird weiterhin behauptet, ich würde Greta mit den Folgen der Ideologie Hitlers oder Stalins in Verbindung bringen. Dies ist unwahr. Ich habe Greta nicht mit der Ideologie Hitlers oder Stalins in Verbindung gebracht. Dies wäre völlig irrsinnig.

Andere Zeitungen schreiben die gezielten Falschinformationen der Kieler Nachrichten, die erkennbar dem Ziel größtmöglicher Aufmerksamkeit und damit erhöhter Klickzahlen dienen, kritiklos ab. Auch Ihnen ist offensichtlich die Reichweite im Netz wichtiger, als verantwortungsvoller Journalismus.

In dem Facebook-Beitrag nimmt er auch zu weiteren Vorwürfen der Kieler Nachrichten Stellung. So wirft ihm die Zeitung vor, er habe in seinem Programm behauptet, "dass Gefahr für Leib und Leben ebenso wenig vom Kimawandel wie vom Tempolimit auf der Autobahn ausgehe". Dieser Satz, so Nuhr, sei völlig sinnfrei. Er behaupte in seinem Programm etwas völlig anderes, selbstverständlich gehe vom Klimawandel Gefahr für Leib und Leben aus.

Er habe auch in seinem Programm nicht behauptet, dass "Gretas Fundamentalismus mehr Not und Elend verursache als der Kampf gegen den Klimawandel durch Forschung und Innovationen". Dieser Satz sei von der Zeitung frei erfunden. Wenn die Richtigstellungen von Nuhr stimmen, und es sieht sehr danach aus, dann ist das Ganze ein gezielter Rufmord. Schon vor der Meldung der Kieler Nachrichten musste der Komödiant in den sozialen Netzwerken ordentlich Kritik einstecken:

Die Geschichte schaukelte sich so weit hoch, dass sich die ARD genötigt sah, Nuhr öffentlich zu verteidigen. Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb), der die Sendungen mit Dieter Nuhr für das Erste anbietet, stellte sich demonstrativ hinter den Satiriker. Auf eine Anfrage des Online-Portals Watson erklärte ein Sprecher: "Kritik gehört zum Geschäft." Dieter Nuhr sei ein "in der ARD wie im rbb hoch geschätzter Künstler".

Nuhrs Fähigkeit, durch Zuspitzung und Übertreibung Ungereimtheiten im gesellschaftlichen Diskurs offenzulegen, sei seit Jahren sein vielfach preisgekröntes Markenzeichen. Satire sei aus Sicht des Senders nicht zuletzt dann relevant, wenn sie anecke, Widerspruch auslöse und polarisiere. Dieter Nuhr buhle nicht um Zustimmung und halte deshalb, ebenso wie sein Sender, Widerspruch aus. Und der rbb-Sprecher ergänzte:

Satire hat im rbb und in der ARD eine reiche Tradition. Öffentlichen Reflexen nachzugeben, die eine Absetzung von Sendungen oder Künstlern fordern, weil die geäußerte Meinung nicht gefällt, widerspräche unserer Auffassung von künstlerischer Freiheit und demokratischem Austausch. Wir stehen grundsätzlich für Meinungsvielfalt ein.

Eine Schwelle, die zu einer solchen Absetzung führen könnte, sei durch Strafgesetze, nicht jedoch durch Geschmack oder Auffassungen definiert. So weit der rbb. Offenbar muss man im 21. Jahrhundert tatsächlich noch erklären, was Satire ist. Das ist erschreckend. Noch einmal: Niemand muss Nuhr und seine Witze mögen. Und alle dürfen Greta toll finden.

Doch auch für Greta gilt, was der großartige Herbert Feuerstein allen Komödianten ins Stammbuch geschrieben hat: "Jeder hat das Recht, verarscht zu werden."

Mehr zum Thema"Dumm Tüch!" – Klimaforscher Hans von Storch kritisiert Greta Thunberg

Anmerkung der Redaktion: In einer vorherigen Version dieses Beitrag wurden die zitierten Twitter-Beiträge irrtümlicherweise in einen Zusammenhang mit der Meldung der Kieler Nachrichten gestellt. Dies wurde korrigiert.

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