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Doch nicht gelöscht: Amazon speichert Alexa-Aufzeichnungen auch gegen Willen der Nutzer

Doch nicht gelöscht: Amazon speichert Alexa-Aufzeichnungen auch gegen Willen der Nutzer
Horcht immer mit: Der Alexa-Sprachassistent von Amazon.
Der US-Konzern Amazon hat zugegeben, dass einige Aufzeichnungen, die von seiner ständig lauschenden Sprachassistentin Alexa gemacht wurden, nie von den Servern des Unternehmens gelöscht wurden, selbst wenn der Benutzer glaubte, dies manuell erzwungen zu haben.

Transkripte und Sprachaufzeichnungen werden auf unbestimmte Zeit auf Amazon-Servern gespeichert. Selbst wenn ein Benutzer eine bestimmte Aufzeichnung explizit löscht, kann er nur sicher sein, dass die Dateien von den "primären Speichersystemen" des Unternehmens entfernt werden, aber eben nicht von sämtlichen Speichern. Das gab Amazon letzte Woche in einem Brief an den US-Senator Chris Coons (Demokratische Partei, Delaware) zu. Der Senator hatte zuvor Fragen zum Umgang mit Daten und zum Datenschutz an das Unternehmen gestellt.

Amazon Echo hat bereits mehrere negative Schlagzeilen durch Aufzeichnung der Nutzer gemacht.

"Wir sind ständig bemüht sicherzustellen, dass diese Transkripte nicht in anderen Speichersystemen von Alexa verbleiben, nachdem ein Benutzer eine Aufzeichnung gelöscht und Amazon sie von seinen primären Speichersystemen entfernt hat", bestätigte Brian Huseman, Vice President of Public Policy. "Möglicherweise werden noch andere Aufzeichnungen über die Alexa-Interaktionen der Kunden aufbewahrt, einschließlich Aufzeichnungen über Maßnahmen, die Alexa als Antwort auf die Kundenanfrage ergriffen hat", so Huseman, der zudem behauptete, Kunden würden es gar nicht anders wünschen.

"Kunden würden nicht wollen oder erwarten, dass die Sprachaufzeichnung die zugrundeliegenden Daten löscht oder Alexa daran hindert, die angeforderte Aufgabe auszuführen", wenn sie wiederkehrende Alarme, Terminerinnerungen oder Nachrichten an Freunde senden. Da ist sich Huseman sicher.

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Drittanbieter, die über Amazon und damit mit Alexa bestellbare Waren anbieten, aber auch Amazons interne Dienste – wie das Streamen von Musik – "müssen natürlich auch die Transaktion protokollieren".

"Wir verwenden die von uns gesammelten Kundendaten, um den Alexa-Service bereitzustellen und das Kundenerlebnis zu verbessern, und unsere Kunden wissen, dass ihre persönlichen Daten bei uns sicher sind", versicherte Huseman dem Senator. Erst im November kam es zu datenschutzbezogenen Vorfällen, bei denen Gespräche mit Alexa per Email an völlig zufällige, falsche Benutzer geschickt wurden.

"Das Lernen von Alexa mit Sprachaufnahmen und Transkripten verschiedener Kunden trägt dazu bei, dass Alexa für alle gut funktioniert", versicherte Huseman. 

Nutzer von Alexa haben erst Anfang des Jahres erfahren, dass Amazon-Mitarbeiter ihnen bereits zuhören, noch bevor sie das Schlüsselwort sagen, das als Signal eine Aufzeichnung durch Alexa bei Amazon auslösen soll. Jetzt versucht das Unternehmen, diese Enthüllung als Feature zu verkaufen und hat seinen Alexa Guard vorgestellt. Dieser soll ohnehin ständig nach Glasbruch, Rauchmelder-Alarm und anderen bedrohlichen Geräuschen lauschen, um so den Besitzer permanent zu "schützen". Dafür wären selbstverständlich ein Signalwort oder gar das Einfordern einer Einverständniserklärung nicht erforderlich, sondern geradezu hinderlich. 

Der Amazon Echo Dot Lautsprecher für Kids.

Erst im Mai erhielt das Unternehmen ein Patent für diese Art ständiger Aufzeichnung und Speicherung von Audiodaten – angeblich, um Benutzern eine noch "natürlichere" Ansprache von Alexa zu ermöglichen. Beispielsweise in der Reihenfolge "Spiel diesen Song, Alexa" anstelle von "Alexa, spiel diesen Song".

Ein weiteres Patent, das im letzten Monat ans Licht kam, setzt den Gedanken fort und preist die Überwachung als Dienstleistung an. Kunden sollen künftig für Lieferdrohnen bezahlen, die ihrer Meinung nach stets in der Nähe sind, um ebenfalls auf verdächtige Aktivitäten, wie z. B. zerbrochene Fenster, Spaziergänger oder Brände zu achten.

In einem letztes Jahr veröffentlichten Whitepaper gab Amazon zu, dass über Alexa erhaltene Daten frühestens erst dann gelöscht werden, wenn die "maschinellen Lernprozesse", für die diese Daten verwendet werden, abgeschlossen sind. Da sich Alexa ständig weiter "entwickelt, um jeden Tag intelligenter zu werden," – wie Huseman es ausdrückte – ist unklar, wie lange dieser Prozess dauern und somit die Kundendaten gespeichert bleiben könnten.

"Die Amerikaner verdienen es, zu verstehen, wie ihre persönlichen Daten von Technologieunternehmen verwendet werden", sagte US-Senator Chris Coons in einer Stellungnahme zu Husemans Brief am Mittwoch. Während er als Mitglied des Justizausschusses im Senat theoretisch in der Lage ist, gegen Datenschutzverletzungen bei Amazon vorzugehen, hostet Amazon tatsächlich auch bereits einen großen Teil von Kommunikation im Interesse der US-Regierung auf seinen Servern, woraus ernsthafte Interessenkonflikte resultieren dürften.

Das Department of Homeland Security gab im vergangenen Monat bekannt, dass seine neue, hochmoderne biometrische Datenbank, die nicht nur Fingerabdrücke und Gesichts-Scans, sondern auch soziale Beziehungen und DNA-Profile abgleichen kann, von der CIA, der NSA, dem Pentagon und – von Amazon gehostet wird. So werden dem Tech-Giganten bereits die persönlichsten Geheimnisse der Amerikaner anvertraut.

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