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WHO stuft Sexsucht und Videospielsucht offiziell als Krankheiten ein

WHO stuft Sexsucht und Videospielsucht offiziell als Krankheiten ein
Symbolbild
Zwanghaftes Sexualverhalten und Video- oder Online-Spielsucht gehören nun offiziell zum Katalog der Gesundheitsstörungen. Die Diagnosen sind in der "Internationalen Klassifikation der Krankheiten" aufgeführt, die die WHO Ende Mai formell verabschieden wird.

Dass zwanghaftes Sexualverhalten und Video- oder Online-Spielsucht neu in den Katalog aufgenommen wird, ist jedoch umstritten, weil die Diagnosen schwierig sind. Was genau darunter zu verstehen ist, wird in einem Zusatzhandbuch erklärt. Unter zwanghaftem Sexualverhalten könnte unter anderem übermäßiger Pornokonsum oder Telefonsex zählen. Die Diagnose ist nach Definition von Fachleuten dann angebracht, wenn Betroffene intensive, wiederkehrende Sexualimpulse über längere Zeiträume nicht kontrollieren können und dies ihr Familien- oder Arbeitsleben oder das Sozialverhalten beeinflusst.

Die Münchner Neurologin und Psychotherapeutin Heike Melze erklärte, was mit einer zwanghaften sexuellen Störung gemeint ist: 

Wie bei anderen Süchten gehört dazu eine obsessive Beschäftigung mit dem Suchtmittel, in diesem Fall mit sexuellen Phantasien, und/oder die Anbahnung von vorwiegend unverbindlichen oder käuflichen sexuellen Kontakten. Damit einhergehend finden wir über die Zeit eine Toleranzentwicklung und Dosissteigerung. Das heißt: Was am Anfang gezogen hat, ist irgendwann trist. Ich brauche härteres Material, jüngere Darsteller, schnell aufeinander folgende Videosequenzen und dehne meinen Konsum immer mehr aus. Dabei verändern sich die Vorlieben, denn unser Belohnungssystem im Gehirn benötigt für einen Kick immer neues Material. Es steigt die Zahl der Sexkontakte.

Melze fügte hinzu, dass es in Deutschland schätzungsweise eine halbe Million Sex- und Pornosüchtige gibt. Das Problem hänge auch mit gesellschaftlichen Entwicklungen zusammen, so die Therapeutin: 

Die sexuellen Reize werden immer stärker und können im Übermaß konsumiert werden. Was wir uns anschauen, verändert zudem unsere sexuellen Fantasien. Heute ist das, was früher Hardcore war, Blümchensex. Voyeurismus, Fetischismus, Exhibitionismus – das ist mittlerweile Kulturgut. Wer ist nicht Voyeur im Zeitalter von Instagram oder Pornhub?

Gegen die Aufnahme von Video- und Onlinespielsucht in den Katalog hatte vor allem die Gaming-Industrie protestiert. Sie fürchtet, dass Menschen, die viel spielen, plötzlich als therapiebedürftig eingestuft werden. Die Problematik beginnt für die WHO, wenn ein Mensch über mehr als zwölf Monate alle anderen Aspekte des Lebens dem Spielen unterordnet, wenn er seine Freunde verliert oder seine Körperhygiene vernachlässigt. 

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(rt deutsch / dpa)

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