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Das Mahnmal im Treptower Park von Berlin: Nicht nur Russen ist der 9. Mai heilig

Das Mahnmal im Treptower Park von Berlin: Nicht nur Russen ist der 9. Mai heilig
Vor unserer Kamera breitet eine russische Biker-Gruppe die "Siegesfahne" aus – die Fahne jener 150. Schützendivision des 79. Schützenkorps der 3. Stoßarmee der Weißrussischen Front, die am 1. Mai 1945 den Reichstag eingenommen hat.
In den letzten Jahren hat sich der Treptower Park zu einem Anziehungspunkt entwickelt. Jedes Jahr am 9. Mai kommen Tausende Besucher, um den gefallenen Soldaten die Ehre zu erweisen. Wie ein RT-Reporter vor Ort feststellte, sind es bei Weitem nicht nur Russen.

von Wladislaw Sankin 

Das Erbe monumentaler sowjetischer Denkmalsarchitektur, das Sowjetische Ehrenmal im Treptower Park, wird einmal im Jahr zu einem Begegnungsort für viele Tausende von Besuchern – am 9. Mai. Dieser Tag wird in Russland und den meisten Staaten der früheren Sowjetunion als Tag des Sieges über Nazideutschland gefeiert. Die Menschen kommen allein, zu zweit, in kleineren oder großen Gruppen, mit Kindern, Jung und Alt. Sie kommen alle mit demselben Motiv, aber aus den unterschiedlichsten Regionen der Erde.

Im Zugangsbereich des weiträumigen Ensembles, das in den Treptower Park eingebettet und von Weiden beschattet ist, wird getanzt, gesungen, gefeiert. Musikanten spielen bekannte sowjetische Volks- und Kampflieder. Auch Gedichte werden rezitiert. Menschen flanieren, machen Fotos. Das Ziel aber ist jener Hügel mit der berühmten Statue "Der Befreier" – ein Rotarmist mit einem geretteten Mädchen auf dem Arm und seinem gesenkten Schwert über einem zerschmetterten Hakenkreuz.

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Statue "Trauernde Mutter"

Viele tragen ein Georgsband, schwarz-orange gestreift, und haben Blumen dabei. Und immer wieder sieht man auch Menschen in historischen Militäruniformen, Frauen wie Männer. Die Beliebtheit dieser Uniformen bei Frauen zeigt, dass es sich hier keineswegs um Militarismus handelt, sondern um ein Erinnern und Gedenken. Sanitäterinnen zum Beispiel trugen solche Uniformen im Krieg. Und das Tragen an solch einem Tag ist eine Hommage an ihre Groß- und Urgroßeltern.

Das Mahnmal im Treptower Park von Berlin: Nicht nur Russen ist der 9. Mai heilig
Besucherinnen aus dem sibirischen Barnaul

Frauen in diesen Uniformen sind besonders gesprächsbereit, stellt sich heraus. Sie kommen etwa aus Sibirien, aus der Stadt Barnaul, oder aus Rybinsk im Gebiet Jaroslawl. Eine der Frauen wird von ihren Gefühlen überwältigt und sagt, es sei für sie immer ein Traum gewesen, einmal an diesem Datum hier zu sein. Andere Russinnen erzählen, dass sie regelmäßig hierher reisen. Eine von ihnen, Julia, war bereits im Jahr 2010 zum ersten Mal hier. Damals sei es hier viel ruhiger gewesen, man habe sich fast geschämt, seinen Stolz über den hart erkämpften Sieg zu zeigen. Heute sei das nicht mehr so. Außerdem verspüre man in Berlin andere Gefühle, sagt die Moskauerin, auch wenn die Festveranstaltungen in Moskau Hunderttausende Teilnehmer anziehen. 

Das Mahnmal im Treptower Park von Berlin: Nicht nur Russen ist der 9. Mai heilig
Julia (rechts) und Olga (links) aus Moskau

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Und Olga tut das für ihren Urgroßvater, er habe es nicht mehr bis nach Berlin geschafft. Er sei im Jahr 1943 im Kaukasus verschollen. "Jeder Soldat träumte davon, es bis nach Berlin zu schaffen", so Olga.

Eine Gruppe aus vier russischen Männern aus Moskau und Sankt Petersburg ist mit Motorrädern hierher gekommen. Sie betonen, dass sie keine "Nachtwölfe" sind. Vor unserer Kamera breiten sie die "Siegesfahne" aus – die Fahne jener 150. Schützendivision des 79. Schützenkorps der 3. Stoßarmee der Weißrussischen Front, die am 1. Mai 1945 den Reichstag eingenommen hat. Es ist für sie wichtig, jedes Jahr hier zu sein, weil hier alles begann und beendet wurde, sagt einer der Biker. Der Ort strahlt besondere Kraft aus, sagt der andere. 

Viele Besucher scheinen sich hier eher nicht als Russen oder Ukrainer zu identifizieren. An diesem Tag gehören sie jenem Sowjetvolk an, das den Hitler-Faschismus unter unermesslichen Opfern besiegt hat. "Wir sind Sowejtbürger", sagt eine Ukrainerin aus der westukrainischen Stadt Lwow. Aus ihren Boxen ertönen russische und ukrainische Lieder, sie und ihre Freundin singen mit. Zu ihrer geselligen Gruppe bin ich auf eine in Berlin lebende Russischlehrerin gestoßen. Sie kommt aus Bischkek, Kirgistan. Auch mit ihr bin ich erst seit 15 Minuten bekannt. 

Die Wahrscheinlichkeit, im Treptower Park einen Nicht-Russen zu treffen, ist allerdings hoch. Die Deutschen, mit denen ich spreche, sind alle aus der DDR. Für sie ist dieser Ort ein Teil ihres Lebens, ihrer Kindheit. Sowjetische Erinnerungskultur ist ihnen vertraut. Sie erzählen von zahlreichen Kontakten mit Sowjetbürgern. "Sechs Millionen Menschen aus der DDR waren Mitglieder der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft", erzählt mir ein älterer Herr, der sich als Eugen vorstellt. Er zeigt sich bereit, das Interview auch auf Russisch zu führen. 

Ein anderer Gesprächspartner kommt aus dem ehemaligen Jugoslawien. Der etwa 30-Jährige betont, Bürger Jugoslawiens zu sein. Er wechselt auch zwischen Russisch und Deutsch. Er trägt das Georgsband und betont, dieser Ort sei für alle Antifaschisten besonders wichtig. Wegen seines Berufs würde er aber ungerne gefilmt werden, seine Firma sei auch in der Ukraine tätig.

Den ganzen Tag über ist der Park in Berlin-Treptow "bevölkert". Wie viele kommen hierher, und waren es heute mehr als in den letzten Jahren? Da gehen die Meinungen auseinander. Sicher ist allerdings: Hier halten sich Tausende gleichzeitig auf. Der Ort, an dem über 5.000 Rotarmisten begraben sind, wurde am 8. Mai 1949 eingeweiht. Seitdem hat der Erbauer-Staat sein Gesellschaftssystem und den Namen geändert. Berliner Erde aber ändert sich nicht.

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