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Seit 430 Jahren: Trier zahlt an katholische Kirche nach Verbrennung eines "Hexenmeisters"

Seit 430 Jahren: Trier zahlt an katholische Kirche nach Verbrennung eines "Hexenmeisters"
Einblattdruck zu einer Hexenverbrennung in Derenburg (Grafschaft Reinstein) aus dem Jahr 1555
Noch vor wenigen Wochen mahnte der Bischof von Eichstätt, Gregor Maria Hanke, dass die Kirchensteuereinnahmen einbrechen könnten. Er hat vermutlich noch nichts von der seltsamen Geschichte des "Hexenmeisters" Dietrich Flade gehört.

Er war Doktor der Rechte am Reichskammergericht, Rektor der Universität und kurfürstlicher Rat. Doch am 18. September 1589 wird Dietrich Flade in Trier auf dem Hinrichtungsplatz im heutigen Stadtteil Euren erst stranguliert und dann verbrannt. Der Vorwurf, der ihn wie so viele in der damaligen Zeit das Leben kostete: Er soll ein "Hexenmeister " gewesen sein.

Dabei verurteilte Flade selbst Bürger wegen Hexerei zum Tode. Ursache einer Anklage wegen "Hexerei" war zumeist eine Denunziation. Anschließend wurde dem Verdächtigen mithilfe brutaler Foltermethoden ein "Geständnis" abgepresst. Insgesamt wird geschätzt, dass in Europa im Zuge der Hexenverfolgung drei Millionen Menschen der Prozess gemacht wurde, wobei 40.000 bis 60.000 Betroffene hingerichtet wurden.

Ausschnitt aus dem Triptychon

Der Höhepunkt der Verfolgungswelle in Europa lag zwischen 1550 und 1650. Zwar stellten Frauen mit drei Vierteln der Opfer in Mitteleuropa die Mehrzahl der Opfer, doch in Nordeuropa waren Männer stärker betroffen. Auch Flade, der als Stadtschultheiß zudem die Abgaben der Bürger eintrieb, wird verleumdet. Unter Folter legt er ein "Geständnis" ab. Doch zuvor hatte sich die Stadt Trier von ihm 4.000 Goldgulden geliehen. Und nun das Unfassbare: Auch 430 Jahre später zahlt die Stadt Trier jährlich 362,50 Euro an die Stadtpfarrei Liebfrauen, wie eine Recherche der Bild ergab. Nach der Hinrichtung Flades wanderte sein Vermögen, inklusive des Schuldscheins, in die Hände des Erzbischofs und Kurfürsten Johann VII. von Schönenberg (1525-1599).

Nach einem gewonnenen Prozess verpflichtet Johann VII. die Stadt Trier dazu, Zinsen für das von Fladen geliehene Geld an die fünf Innenstadtpfarreien zu bezahlen – "zur Aufbesserung des Pfarrersgehalts". Bis heute kommt Trier der Zahlungsforderung nach. "Die Stadt Trier muss als Rechtsnachfolgerin der damaligen Stadtverwaltung ihre Verpflichtungen aus dem damaligen Vertrag erfüllen", erklärte Stadtsprecher Ernst Mettlach gegenüber der Bild. Nicht ohne zu ergänzen: "Wenn die Pfarrei Liebfrauen und der Bischof von Trier auf die jährliche Zahlung verzichten, streichen wir diesen Posten gerne aus unserem Haushalt."

Ein Versuch des damaligen Oberbürgermeisters Klaus Jensen im Jahr 2010, die Kirche zu einem Verzicht auf die Zahlungen zu überreden, scheitert. Das Bistum Trier verteidigt die Zahlungen damit, dass sie "sozialen Zwecken" dienten und auch Obdachlosen zugutekämen. Und völlig ironiefrei: Die Zahlungen erinnerten zudem an die Opfer des Hexenwahns.

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