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"Ick wohn bei Aldi": Experten wollen Wohnungen über Supermärkten bauen

"Ick wohn bei Aldi": Experten wollen Wohnungen über Supermärkten bauen
(Symbolbild). Sieht gemütlich aus, oder?
Bezahlbarer Wohnraum ist in den deutschen Großstädten knapp – dabei wäre in den Innenstädten noch Platz, meinen Experten. Sie haben die "hässlichen Wunden der Stadt" im Blick: Parkhäuser, Discounter und Bürogebäude.

Direkt neben dem Pfandautomaten geht es hoch, oben drei Zimmer, Parkettboden, Terrasse – und wenn der Kühlschrank mal leer ist, muss man zum Einkaufen nicht mal die Jacke anziehen. Auf den Dächern von Supermärkten könnten nach Einschätzung von Experten bundesweit Hunderttausende Wohnungen entstehen. Sie sagen: Wenn man auch Bürogebäude und Parkhäuser aufstocken und Parkplätze klug nutzen würde, könnte sich der gerade in Großstädten so enge Wohnungsmarkt deutlich entspannen.

Bundesweit fehlen nach Schätzungen des Pestel-Instituts aktuell etwa eine Million Wohnungen. Eigentlich müssten jährlich rund 400.000 gebaut werden – im vergangenen Jahr seien es immerhin 300.000 Wohnungen gewesen, sagt Institutsleiter Matthias Günther. Doch vor allem im Rhein-Main-Gebiet, rund um Düsseldorf und Köln, Münster und Paderborn, nördlich von Hamburg, rund um Berlin, München, Stuttgart und Freiburg würden viele neue Wohnungen gebraucht.

Gerade in den Städten ist günstiges Bauland inzwischen aber eine Seltenheit. Oft ist zwar das Geld da, Kredite sind noch immer günstig, aber es fehlen die Flächen. Wissenschaftler der Technischen Universität Darmstadt haben sich deshalb für ein Bündnis von Wohnungs- und Bauverbänden Luftbilder der größeren Städte angeschaut und nach Platz für Wohnungen gesucht.

Ein Radfahrer passiert ein Obdachlosenzelt in Berlin, Deutschland, 27. Februar 2018.

Gefunden haben sie die "Narben der Stadtentwicklung", wie Studienleiter Karsten Tichelmann sagt: Einstöckige Supermärkte mit großen, asphaltierten Parkplätzen, pragmatisch gestaltete, "spröde" Parkhäuser mitten in der Innenstadt, anspruchslose Zweckbauten mit Büros und Geschäften. Wenn man sie klug aufstocken, leere Gebäude und Parkplätze besser nutzen würde, könnten mehr als 1,2 Millionen Wohnungen gebaut werden, so Tichelmann – ohne einen Quadratmeter neues, teures Bauland.

Oben wohnen, unten einkaufen oder parken: Ganz neu ist die Idee nicht. Der Berliner Senat hat nachgerechnet und an 330 Standorten mit eingeschossigen Lebensmittelmärkten ein Potenzial für 14.000 bis 36.000 Wohnungen ausgemacht. Eine Filiale mit Dach-Wohnungen hat der Discounter Lidl in der Nähe des berühmten früheren Grenzübergangs Bornholmer Straße gebaut. Mehrere ähnliche Projekte seien geplant, auch in München, Frankfurt und Hamburg, heißt es. Auch Aldi Nord will in Berlin rund 2.000 Wohnungen bauen, die ersten sollen im Frühjahr 2020 fertig sein. An 15 weiteren Standorten sei man in der Planung.

Einfach Stockwerke auf alte Flachbauten aufsetzen, das geht nach Einschätzung der Bundesarchitektenkammer aber nicht. "Die Discounter wird man nicht überbauen können", sagt Referatsleiter Paul Lichtenthäler. Zum einen seien die Gebäude dafür nicht ausgelegt, zum anderen aber nutze man die Grundstücke mit den oft großen Parkplätzen dann auch nicht optimal aus. Doch natürlich sei es gut, wenn diese "hässlichen Wunden der Stadt" verschwänden. "Im Prinzip muss man abreißen und von vorne anfangen", sagt er – mit Tiefgaragen und Einfahrten für Lieferwagen, damit es morgens nicht zu laut werde. "Gegen Lärm kann man zwar mit Fenstern viel hinkriegen", sagt er. "Aber die Leute werden trotzdem merken, dass sie über einem Markt wohnen."

Auch Beispiele für Wohnen auf dem Parkhaus gibt es schon. In Köln setzten Architekten einem alten Parkhaus weiß verputzte Häuschen aufs Dach, zwischen ihnen eine geschwungene Dorfgasse, die an südeuropäische Fischerdörfer erinnern soll. Allerdings dauerte es Jahre, bis sie eine Baugenehmigung bekamen. Das Planungsrecht müsse flexibler werden, fordern Bauverbände.

Oft lägen Supermärkte und Parkhäuser sehr attraktiv mitten in der Stadt, sagt Tichelmann. "Warum werden diese kostbaren Flächen freigehalten?", fragt er. In der Regel könne man die Wohnungen darauf relativ teuer vermieten: Guter Ausblick, Sonne, moderne Ausstattung. Zudem ließen sich gerade Parkhausdächer gut begrünen, da sie viel Last aushielten – hier könnten etwa Kindertagesstätten entstehen.

Doch sind die Supermärkte-Klötze mit ihren großen Parkplätzen damit überall Vergangenheit? Nein, heißt es bei Lidl. Filialen mit Wohnbebauung eigneten sich nicht für jeden Standort. "Auf dem Land, in kleineren Städten und am Stadtrand benötigen wir eingeschossige Filialen mit großzügigen und kundenfreundlichen Parkflächen." Und auch in den Großstädten wollten die Leute sicher nicht in Industriegebieten oder an viel befahrenen Bahnstrecken leben.

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(rt deutsch/dpa)

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