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Deutsche Welle hetzt gegen Siegerin des ukrainischen ESC-Entscheids - "Politisch unzuverlässig"

Deutsche Welle hetzt gegen Siegerin des ukrainischen ESC-Entscheids - "Politisch unzuverlässig"
Die ukrainische Sängerin Anna Korsun (MARUV)
Die ESC-Kandidatin der Ukraine positionierte sich nicht eindeutig genug in der "Russland-Frage". Das hatte für sie Konsequenzen. Der Skandal wurde sehr kontrovers in sozialen Medien diskutiert. Insbesondere der deutsche Staatssender DW fiel dabei mit Stimmungsmache auf.

Nach der Einreiseverweigerung für die russische Teilnehmerin Julia Samojlowa im Jahr 2017 hält ein neuer Eurovision-Song-Contest-Skandal die Ukraine seit mehreren Tagen wieder in Atem. Einige Finalisten des ukrainischen ESC-Vorentscheids wurden öffentlich wegen ihrer Russland-Verbindungen angeprangert. Die Schelten vonseiten zweier Jury-Mitglieder und des Moderators beim Finale am 23. Februar konnten jedoch nicht den Sieg der Sängerin Anna Korsun verhindern. Die 27-Jährige, die den Künstlernamen MARUV trägt, punktete mit ihrem provokant-erotisch anmutenden Stück "Siren Song" vor allem beim Fernsehpublikum, das beim Finale per Anruf oder SMS mitstimmen durfte (zum Video, hier anklicken). 

Julia Samoilowa, die als russische Teilnehmerin am ESC vorgesehen war, am Moskauer Flughafen; 16. März 2017

Was Korsun und zwei andere Kandidaten während der Live-Übertragung auf der Bühne erleben mussten, war sogar für das ukrainische Fernsehen eigenartig. Der Moderator fragte die Sängerin direkt nach ihrem Auftritt, warum sie ihre geplanten Gastspiele in Russland nicht absagen wolle. Diese waren zuvor in den Medien als ihr großes Manko diskutiert worden. Die Sängerin verteidigte ihre Position: 

Ich möchte noch einmal daran erinnern, dass der Wettbewerb genau dafür nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffen wurde: damit die Länder sich zusammenschließen und einen gemeinsamen Tag zum Feiern haben, damit sie ihre Kultur teilen, und ich halte das für schön und cool. Man muss das fördern, denn dies ist ein Song Contest und nicht politische Wahlen.

Dann ergriff das Jury-Mitglied und ESC-Gewinnerin des Jahres 2016, Jamalla, das Wort und stelle eine "unbequeme" Frage: Ob die Krim Teil der Ukraine sei. Dies war schon für die anderen Teilnehmer, das Duo "Anne Maria", bestehend aus den beiden Zwillingsschwestern Anne und Maria Sabronjuk, ein "Lackmustest" gewesen, den sie für den patriotischen Teil des Publikums nicht bestanden haben. Denn ihre Eltern sind auf der Krim wichtige Beamte, die die Angliederung der Halbinsel an die Russische Föderation unterstützten. Die bohrenden Fragen zu ihrer Familie brachten die Schwestern zum Weinen. Sie erwiderten, man dürfe sie nicht für ihre Eltern in Sippenhaft nehmen. 

Eines der Jury-Mitglieder, Andrej Danilko, der selbst unter dem Künstlernamen Werka Serdjutschka auf dem ESC im Jahr 2007 in Helsinki den zweiten Platz belegte, wies darauf hin, dass es beim Wettbewerb vor allem auf künstlerische Qualitäten ankomme. Die Stimmung konnte zugunsten der als Favoritin geltenden Anne Korsun wieder kippen und sie gewann den Vorentscheid. Das Argument der Sängerin, mit Auftritten in Russland verletze sie keine Gesetze, dürfte dabei auch eine Rolle gespielt haben.

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Es musste von der Künstlerin aber noch ein Vertrag mit der ukrainischen öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalt Suspilne Mowlennja über ihre Teilnahme beim europäischen Wettbewerb unterzeichnet werden. Innerhalb weniger Stunden nach ihrem Sieg meldeten sich Politiker und Kultur-Prominenz mit ihren Kommentaren zu Wort. So wies der Chefredakteur der Musikzeitschrift Veslo, Alexander Yagolnik, auf ein geplantes Gesetz hin, nach dem bei Auftritten solcher Künstler im ukrainischen Fernsehen künftig die Einblendung "Dieser Künstler tourt im Aggressor-Staat" (Russland ist in der Ukraine per Gesetz als "Aggressor-Staat" definiert – Anm. der Redaktion) erfolgen soll – auch beim Eurovision Song Contest. Der ukrainische Vizeministerpräsident Wjatscheslaw Kyrylenko twitterte:

Was den nationalen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest angeht, kann ich nur die Meinung vieler wiederholen: Der ukrainische Vertreter kann kein Künstler sein, der im Aggressor-Staat getourt hat oder dies für die Zukunft plant und nichts Verwerfliches darin sieht. Die Geschichte mit der Teilnahme aus der Ukraine ist noch bei weitem nicht beendet.

Anscheinend wies der Beamte mit seiner Drohung auf juristische Hebel hin, die bei Vertragsunterzeichnung mit der Sängerin zutage traten. Vor der Verhandlung am 25. Februar machte die Sängerin via soziale Medien Bedingungen publik, die für sie nicht akzeptabel waren. So war beispielsweise von drakonischen Strafzahlungen in Höhe von 2 Millionen Griwna die Rede, sollte sie irgendeinen Punkt des Vertrages, wie beispielsweise Kontakt mit Journalisten oder Improvisation auf der Bühne, verletzten. Die Bedingung, für April geplante Konzerte in Russland abzusagen, sah die Sängerin dagegen weniger problematisch.

Nicht akzeptabel war für Korsun jedoch die Forderung, Anweisungen der nationalen Fernsehanstalt der Ukraine zu befolgen. Theoretisch könnte dies ein Konzert auf dem Geburtstag eines Vize-Premiers sein, schrieb die Sängerin. "Ich bin nicht bereit, mit Losungen aufzutreten, indem ich meine Teilnahme am Wettbewerb in Promo-Aktionen unserer Politiker verwandele. Ich bin Musikerin und kein Objekt auf der politischen Arena", machte sie klar. Nach sieben Stunden meldete Korsun, die Verhandlungen seien gescheitert.

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Сегодня наша встреча с НТКУ длилась около семи часов, в результате которой, мы так и не пришли к соглашению двух сторон. За несколько часов до жеребьевки меня попросили участвовать в Национальном отборе на «Евровидение – 2019». Я согласилась и выиграла, и с большой гордостью готова была представлять свою родную страну - Украину на международной песенной арене. Как ранее я говорила, отказ от концертов в России не был для нас принципиальным. Основные разногласия вызвали другие пункты договора, которые, если я подпишу, становятся для меня кабальными. Я - гражданка Украины, плачу налоги и искренне люблю Украину. Но не готова выступать с лозунгами, превращая свое пребывание на конкурсе в промо-акции наших политиков. Я - музыкант, а не бита на политической арене. Я искренне благодарю и ценю каждого, кто в меня верил и голосовал. И прошу вас принять этот факт и не идти на конфронтацию. Это данность сегодняшнего дня. Я хочу дарить свое творчество без цензуры. Завтра я проснусь с новыми силами - побеждать и популяризировать свою музыку в мире.

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Gut möglich, dass so ein strikter Vertrag speziell auf Korsun zugeschnitten wurde. Die Managerin des vorherigen ESC-Teilnehmers Konstantin Botscharow (Künstlername Malovin) schrieb auf Nachfragen der Journalisten hin, es wäre in seinem Vertrag keine Rede von Einschränkungen der Künstlerfreiheit oder Androhung einer Strafzahlung gewesen. Politisch war Malovin kein Problemfall. Im Gegenteil, er beteuerte in den Medien, für ihn wären Konzerte in Russland wie "Mutter-Beleidigung".

Die nationale Fernsehanstalt der Ukraine bestätigte am gleichen Tag den Abbruch der Verhandlungen. Die Behörde hat auf der offiziellen Homepage am Montag eine Mittelung veröffentlicht, wonach es aus mehreren Gründen "keine Einigung" in Bezug auf die Teilnahme von MARUV am Song Contest gegeben habe. Unter anderem wurde demnach "keine gemeinsame Entscheidung bezüglich der Mission" der Sängerin bei dem Contest gefunden. Die Behörde betonte dabei, dass eine Sängerin, die das Land vertrete, als kulturelle Botschafterin der Ukraine gelte und die Meinung der ukrainischen Gesellschaft zum Ausdruck bringen müsse. Die skandalöse Politisierung der Veranstaltung wurde dabei Russland in die Schuhe geschoben:

Die BPK, kaum Journalisten in den unendlichen Weiten. Wir schreiben das Jahr 2018. Dies sind die Abenteuer des RT-Journalisten, der mutterseelenallein unterwegs ist, um

Gemäß den Regeln des Eurovision Song Contests muss die teilnehmende Fernsehanstalt den unpolitischen Charakter der Veranstaltung sicherstellen. Die aktuellen Ereignisse rund um die nationale Vorentscheidung weisen allerdings deutlich auf eine Politisierung hin. Die öffentliche Meinung, Versuche politischer Einflussnahme sowie die Einmischung von kulturellen Akteuren und Medienstrukturen des Aggressor-Staates haben die Ergebnisse der nationalen Vorentscheidung in politischer Weise beeinflusst.

Deutsche Welle: Koffer – Bahnhof – Russland

Der ganze Skandal um die Sängerin wurde maßgeblich von den Medien angeheizt. Während viele ukrainische Mainstreammedien die Kandidatin als "Kollaborateurin" anprangerten, empörten sich vor allem unabhängige Internet-Medien und Blogger über die Gesinnungsdiktatur "nach sowjetischer Art". Die ukrainischen Behörden hätten entgegen einer Zuschauerabstimmung entschieden, lautete dabei der Hauptvorwurf. Kurz nach dem Finale sorgte auch der deutsche Auslandssender Deutsche Welle auf Ukrainisch in sozialen Medien mit einem Post für Aufsehen:

Die Sängerin MARUV hat zwei Wege:

Die Ukraine auf Eurovision in Tel Aviv vorzustellen oder "Koffer – Bahnhof – Russland". Egal, für was sie sich entscheidet, der Nachgeschmack der ganzen Geschichte wird bleiben.

Mit diesem Kurzkommentar griff DW in die Kiste der ukrainischen Nationalisten, die russlandfreundliche Stimmen stets mit der Parole "Koffer – Bahnhof – Russland" (russ. Чемодан-вокзал-Россия) niederbrüllen.

Zuvor ließ der Sender seine Leser via Twitter abstimmen, ob Anna Korsun die Ukraine repräsentieren darf. Die DW-Leserschaft meinte in ihrer Mehrheit, "Nein".  Interessant, dass DW all diese Aktivitäten unter dem Werbebanner "Für Dialog ohne Hass" veranstaltete.

In einem Kommentar in russischer und ukrainischer Sprache beschuldigte DW im Duktus der ukrainischen Offiziellen Russland der Einflussnahme:

Das Imperium ist darin geschickt, Künstlern ein Angebot zu machen und sie dann für propagandistische Zwecke zu nutzen. Das gilt insbesondere für die Ukraine.

In dieser Auslegung des Skandales schwingt die Deutsche Welle mehr oder weniger auf die Linie der deutschen ESC-Vertreter. Auf der ARD-Webseite eurovision.de schrieb der Autor Dr. Irving Wolther mit viel Verständnis für die Empörung der ukrainischen Hurra-Patrioten: Die ukrainische Fernsehanstalt "sah sich dazu gezwungen, MARUV nach ihrem Vorentscheidungssieg vertraglich zu bedingungsloser Solidarität mit dem eigenen Land zu verpflichten und ihr die Zusage abzuringen, nicht mehr in Russland aufzutreten".

Laut Wolther habe nicht nur öffentlicher Druck, sondern auch die Indiskretion der Sängerin, die Vertragsdetails preisgab, die Absage mitverursacht. Und wieder einmal zitierte er den ukrainischen Vize-Premier Kyrylenko, der den ganzen Skandal als Resultat der "russischen hybriden Kriegsführung" sieht. Hier könnten "Trolle am Werk" sein, sagte Wolther in Bezug auf die Vielzahl der "seltsam gleichlautenden" kritischen Kommentare. 

Nach der Suspendierung der Siegerin des Vorentscheids kamen zunächst andere Final-Teilnehmer als ukrainische Kandidaten für die Reise nach Tel-Aviv in Frage. Das Mädchen-Trio "Freestyle Jazz", das den zweiten Platz belegte, und die drittplatzierte Ethno-Pop-Band KAZKA haben ihre weitere Beteiligung am Wettbewerb bereits abgesagt. Die ganze Teilnahme der Ukraine beim diesjährigen ESC steht derzeit auf der Kippe.

Ist die Kultur trennbar?

Für die enttäuschten MARUV-Unterstützer könnte allerdings die Feststellung des ukrainischen Portals strana.ua zu einem kleinen Trost werden. Laut den Journalisten habe der Vorfall deutlich gezeigt, dass die nationalistische Hysterie im Kulturbereich klar an ihre Grenzen gestoßen sei. Denn mit dem Versuch, die russische und ukrainische Musikszene voneinander zu trennen, laufen die Wächter des nationalen Stolzes Gefahr, die ukrainische Popszene weitgehend zu enthaupten.

Vielen Menschen in der Ukraine ist noch in Erinnerung, wie die damals 22-jährige Anna Korsun in den Tagen der Krim-Krise im März 2014 beim Gesangswettbewerb "Voice of Ukraine" von dem Coach und späteren russischen ESC-Teilnehmer Sergei Lasarew bei einer blinden Audition ausgewählt wurde. Damals waren zwei der vier Jury-Mitglieder russische Pop-Stars. Lasarew erlangte im Jahr 2016 mit seinem Lied "You are the only one" den dritten Platz beim ESC in Stockholm. In diesem Jahr wird er Russland auch vertreten. Seine erfolgreich gewordene ukrainische Kandidatin aus dem Jahr 2014 wird er in Tel-Aviv allerdings nicht mehr treffen können. 

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