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Geil auf Empörung – oder wie die Neue Osnabrücker Zeitung unfreiwillig den Nerv der Zeit traf

Geil auf Empörung – oder wie die Neue Osnabrücker Zeitung unfreiwillig den Nerv der Zeit traf
Und schon wieder eine Sau, die durchs digitale Dorf getrieben wird.
Der gesunde Menschenverstand ist eine aussterbende Tugend. Anders ist nicht zu erklären, dass ein offensichtlicher Satire-Beitrag der "Neuen Osnabrücker Zeitung" über "Karussellautos, die wegen des Klimaschutzes verboten werden sollen", für bare Münze genommen wird.

von Timo Kirez

Die SPD denkt über ein "Recht auf Arbeit" nach. Das belegt einmal mehr, wie sehr die Sozis am Zeitgeist vorbei regieren. Wenn sie in Umfragen endlich wieder punkten wollen, sollten sie sich vielmehr für ein "Recht auf Empörung" einsetzen. Empörung ist zu einem nationalen Hobby geworden, manche machen sogar einen Beruf daraus. Es ist die Droge des 21. Jahrhunderts. Wie Junkies auf Entzug durchkämmen Tausende täglich das Internet, um sich ihren Kick zu beschaffen. Und sie werden immer fündig.

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Wie sehr man sich mittlerweile um die allgemeine Fähigkeit zur Vernunft sorgen muss, belegt das Beispiel der "Karussellautos" aus der Neuen Osnabrücker Zeitung. In dem Artikel aus der Print-Ausgabe der Zeitung wird von einem amtlichen Schreiben berichtet, das nach dem Abbau des Weihnachtsmarktes veröffentlicht wurde und die Schausteller angeblich "eiskalt erwischt" habe:

Laut einer Verfügung des städtischen Fachbereichs Umwelt und Klimaschutz dürfen innerhalb des Stadtgebiets künftig keine Karussells mehr aufgestellt werden, in denen die Kinder in kleinen Autos, Lkws, auf Mini-Motorrädern, in Flugzeugen, Hubschraubern oder auf dem Rücken exotischer Tiere ihre Runden drehen.

Geil auf Empörung – oder wie die Neue Osnabrücker Zeitung unfreiwillig den Nerv der Zeit traf
Jetzt muss man schon aufpassen, wenn man Satire-Artikel schreibt.

Statt BMW, Mercedes und Ferrari dürften nur noch Modelle von Fahrrädern, Nutztieren, Kutschen und Fahrzeuge des öffentlichen Nahverkehrs zugelassen sein, so die "amtliche Mitteilung". Wer dagegen verstoße, müsse mit hohen Geldstrafen rechnen. Denn es gehe um die "Nachhaltigkeit in der Kinderbelustigung". Der fotografierte Artikel landete anschließend auf der Facebook-Seite von Kirmes-Rummel.de. Wobei "landete" vermutlich der falsche Ausdruck ist – er "schlug ein" trifft es womöglich besser.

Da auf dem Foto nicht zu erkennen ist, auf welcher Seite der Artikel erschien, sorgte er sogleich für Empörung. Er wurde heftig diskutiert, geteilt und beschimpft. Dabei erschien der Beitrag auf der Seite Tills Silvesterpunsch und Bleigießerei – ein alljährliches Satireformat zum Jahreswechsel.

Nun kann man sich natürlich fragen, was schlimmer ist: Die Unfähigkeit einiger Mediennutzer, einen Satire-Beitrag zu erkennen, oder die Tatsache, dass man Politikern offenbar mittlerweile alles zutraut – auch drakonische Maßnahmen zur "Nachhaltigkeit in der Kinderbelustigung".

Ganz gleich, wie die Antwort ausfällt: Das sagt viel über Deutschland im Jahr 2019.

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