ZDF in der Kritik: Das "heute-journal" verschwieg politischen Hintergrund einer Protagonistin

ZDF in der Kritik: Das "heute-journal" verschwieg politischen Hintergrund einer Protagonistin
Die ZDF-Nachrichtensendung "heute-journal" wird abwechselnd von Marietta Slomka und Claus Kleber sowie Christian Sievers moderiert.
Das Thema betrifft viele Familien in Deutschland: Armutsrisiko unter Alleinerziehenden. Das ZDF wollte anhand zweier Alleinerziehenden deren alltägliche Probleme schildern. Leider vergaß der Sender, den politischen Hintergrund einer Protagonistin zu erwähnen.

In Deutschland wachsen in jeder fünften Familie Kinder mit nur einem Elternteil auf. Das Armutsrisiko unter Alleinerziehenden in der Bunderepublik ist erschreckend hoch. Laut neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamts ist das Pro-Kopf-Einkommen in Haushalten mit nur einem Erwachsenen um ein Fünftel niedriger als in Haushalten mit zwei. Unerwartete Ausgaben von 1.000 Euro stellen für zwei Drittel von ihnen eine unüberwindbare Hürde dar. Hinzu kommt die schwierige Lage auf dem Arbeitsmarkt. Die meisten erwerbstätigen Mütter oder Väter arbeiten in Teilzeit, denn die Betreuung der Kinder hindert die Betroffenen oft daran, einen Vollzeitjob aufzunehmen. 25 Prozent der betroffenen Frauen sind zudem arbeitslos, mehr als die Hälfte davon würde aber gerne eine Arbeit annehmen.

Protagonistin mit politischen Hintergrund, der unerwähnt blieb

Auch der öffentlich-rechtliche Sender ZDF griff das Thema auf und wollte die Probleme Alleinerziehender anhand von zwei Beispielen untermauern. Eine der Betroffenen, mit der die ZDF-Sendung heute-journal gesprochen hatte, war Anke Pöhlmann. Sie wurde als 29 Jahre alte Mutter vorgestellt, die einen elf Monate alten Sohn namens Anton hat. Er sei ein Wunschkind gewesen, aber mit der Schwangerschaft und der anschließenden Geburt des Kindes habe sich das Leben der Frau völlig verändert.

Alleinerziehende besonders betroffen: Demonstration gegen Kinderarmut in Berlin, Mai 2018

Sie habe, so heißt es im Beitrag, ihren Job verloren und anschließend von Eltern- und Kindergeld sowie Unterhaltsvorschuss gelebt. Zudem habe sie sich auch eine neue Wohnung suchen müssen. Wie sie das denn alles meistert, erklärte sie mit den Worten: "Das ist finanziell auf Kante genäht, und es ist alles immer unter dem Vorzeichen, dass ich funktioniere." Nur eine Tagesmutter, die sie wegen eines fehlenden Kita-Platzes nun habe, ermögliche ihr, letzten Endes doch alles zu schaffen.

Information über Pöhlmanns politische Aktivität sei im Redaktionsablauf verloren gegangen

Leider wurde aber im ZDF-Beitrag nicht erwähnt, dass es sich bei der Betroffenen nicht nur um eine Alleinerziehende handelt, sondern zugleich auch um eine Politikerin. Die 29-Jährige tritt für die FDP im Kreis München-Mitte bei der bayerischen Landtagswahl an, und dies war nach Pöhlmanns Behauptung auch der ZDF-Redakteurin bekannt. Ihren Wahlkampf bestreitet sie zudem genau mit diesem Thema und trommelt mit Sprüchen wie "Familienzeit statt Wartenummer! Leben mit Kindern einfacher machen" für ihre Partei. Der Sender ist nun mit heftiger Kritik konfrontiert, ein so wichtiges Detail verschwiegen zu haben, und das auch noch so kurz vor der Wahl in Bayern. 

Der Sender entschuldigte sich und ließ über die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) mitteilen

Das sei ein Fehler gewesen, hinter dem jedoch kein Vorsatz stecke", sagt Wulf Schmiese, der Redaktionschef des heute-journals.

Die Information darüber, dass Frau Pöhlmann in der Politik aktiv ist, sei im Redaktionsablauf verloren gegangen, zitiert die FAZ aus der Antwort des Senders. Weiter heißt es, so etwas dürfe sich nicht wiederholen, man bitte um Entschuldigung.

Anke Pöhlmann selbst äußerte sich ebenfalls via Kurznachrichtendienst Twitter. Die Entscheidung des Senders, das "Thema in den Fokus zu rücken und nicht durch ihre Kandidatur zu überlagern", fand sie richtig.

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