Boom bei Sexpuppen: Im Jahr 3546 wird es keine Japaner mehr geben

Boom bei Sexpuppen: Im Jahr 3546 wird es keine Japaner mehr geben
Sex-Puppenköpfe in einer Fabrik in Tokio. Nicht nur Männern bevorzugen zunehmend die "lebensechten" Begleiter aus Silikon. Auch bei Frauen steigt die Zahl der Bestellungen.
In kaum einem anderen Land der Welt ist die Geburtenrate in den letzten Jahrzehnten so eingebrochen wie in Japan. Die Japaner drohen auszusterben. Demographie-Experten machen unter anderem den wachsenden Boom bei Sexpuppen dafür verantwortlich.

von Timo Kirez

In genau 558.176 Tagen ist es soweit: Die Japaner werden aussterben. Zumindest wenn es nach Professor Hiroshi Yoshida von der Universität Tokio geht. Der Wissenschaftler erstellte eine "Geburten-Uhr", die online auf die Sekunde genau berechnet, wann die Japaner von der Bildfläche verschwinden werden. Sollte sich bei den Geburtenraten nichts zum Besseren wenden, geht die demografische Zeitbombe hoch.

(Symbolbild). Senioren machen eine Pause auf den Sitzbänken im Tokioter Stadtteil Sugamo, einem bei älteren Japanern beliebten Bezirk.

In Japans Schlafzimmer herrscht im wahrsten Sinne des Wortes "tote Hose". Und das schon seit rund 25 Jahren. Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2017 unter 18 bis 49-Jährigen Japanern gaben ganze 49,3 Prozent aller Befragten an, im vergangenen Monat keinen Sex gehabt zu haben. Männer und Frauen gleichermaßen. Zwei Jahre zuvor waren es noch rund 39 Prozent.

Viele Forscher erklären die lahmende Libido mit der zum Teil gnadenlosen Arbeitskultur in Japan. Laut verschiedenen Erhebungen arbeiten japanische Männer oft bis zu 80 Stunden in der Woche – da fehlen am Ende die PS fürs Schlafzimmer. Zudem müssen sich Frauen in Japan oftmals zwischen Karriere und Familie entscheiden. Die Wahl fällt zunehmend zugunsten der Karriere. Im Jahr 2017 fiel die Geburtenrate in Japan erstmals unter die 1-Millionen-Marke. Dabei ist Japan nach wie vor auf Rang 10 der bevölkerungsreichsten Länder der Welt.

In der englischsprachigen Dokumentation "Substitute" von RT machen Demographie-Experten nun einen "neuen Feind" in Sachen Geburtenrate aus: Sex-Puppen. Die Demographen warnen davor, dass Sex-Puppen die schon jetzt in der japanischen Gesellschaft ausprägte Einsamkeit und Entfremdung noch weiter steigern könnten. Die Menschen seien noch weniger an menschlichen Beziehungen und Fortpflanzung interessiert.

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Laut Brancheninsider werden in Japan jährlich bis zu 2.000 lebensechte Sex-Puppen an den Mann und die Frau gebracht. Der Sex-Puppenverkäufer Noburu Tanaka sieht, wenig überraschend, einen klaren Vorteil gegenüber der "lebendigen Konkurrenz": Die bis zu 420.000 Yen (ungefähr 3.230 Euro) teuren synthetischen Lebenspartner könnten den Besitzer schlicht nicht enttäuschen.

Es ist ein erstaunliches Gefühl. Es sieht aus wie eine Puppe, aber es fühlt sich so an, als wäre sie wirklich lebendig. Wenn du mit deiner Frau schläfst, kann es Probleme geben. Mit einer Puppe, ist nichts davon ist wichtig", so Tanaka gegenüber RT.

Laut den Demographen gibt es Hinweise darauf, dass in Gebieten mit sinkender Geburtenrate ein Anstieg von Sex-Puppen-Verkäufen festzustellen sei. Für Kanako Amano, Demographie-Expertin am NLI Research Institute in Tokio, stellen die Puppen eine existenzielle Bedrohung für die Zukunft ihres Landes dar. "Das größte Problem in Japan ist der Geburten- und Bevölkerungsrückgang. Es wird eine nationale Katastrophe genannt", so Amano.

Die Japaner stehen am Scheideweg und sind vom Aussterben bedroht. Wir sind eine vom Aussterben bedrohte Spezies.

Die Einsamkeit älterer Menschen scheint dabei der Hauptgrund für den Anstieg der Puppenverkäufen in Japan zu sein. Moru, ein Sex-Puppenbesitzer, erwarb seine Puppe wenige Jahre nach dem Tod seiner Frau. "Da war eine Leere in meinem Herzen", sagte er dem Dokumentarfilmteam von RT.

Als ich ihnen begegnete, wurde mein Leben untrennbar mit ihnen verbunden. Seitdem diese Mädchen in meinem Haus aufgetaucht sind, und dank ihnen, habe ich mich nicht mehr so einsam gefühlt.

Moru trifft sich regelmäßig mit seinem Freund Keroro, einem Besitzer von bis zu 20 Puppen, für Fahrten oder Ausflüge in den Park. Sie setzen die Puppen nebeneinander auf Parkbänken, machen Fotos und scherzen über die "menschlichen Qualitäten ihrer Siliko-Partner". Die Puppen werden aber nicht nur von älteren Menschen gekauft. Hitsuji, ein bei japanischen Teenagern beliebtes junges weibliches Model, liebt ihre Puppe "Masiro" und meint, sie habe keine Lust, mit Männern zu leben.

Masiro ist kein Freund, Familienmitglied oder geliebter Mensch. Sie ist eine Kreatur, die meine Liebe akzeptiert. Ich habe mich noch nie mit Männern so verbunden gefühlt.

Im Gegensatz zu Ländern wie Deutschland, wo man den Geburtenrückgang auch durch Einwanderung ausgleichen will, sieht die japanische Regierung in der Zuwanderung von Ausländern keine Lösung. Laut Stand April 2017 leben derzeit nur ungefähr 2,3 Millionen Ausländer in Japan. Das entspricht in etwa einem Anteil von 1,8 Prozent an der Gesamtbevölkerung.

Währenddessen geht die Entwicklung von Sex-Puppen in die nächste Phase. Stichwort: künstliche Intelligenz. Die Puppen sollen sich in naher Zukunft nicht nur bewegen können, sondern auch Unterhaltungen führen können. Schlechte Nachrichten für Japan.

Hier der Dokumentarfilm von RT in voller Länge. Leider vorerst noch in englische Sprache:

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