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Springer und DuMont: Den beiden führenden Medienhäusern laufen die Zeitungskunden davon

Springer und DuMont: Den beiden führenden Medienhäusern laufen die Zeitungskunden davon
Die Auflage der Berliner Zeitung liegt heute nur noch knapp über 70.000, vor vier Jahren waren es noch 120.912. Der Berliner Kurier verkauft nur noch etwas über 53.000 Exemplare.
Die neuesten Zahlen verkaufter Exemplare deutscher Tageszeitungen dürften in fast allen Medienhäusern für Kopfschmerzen gesorgt haben. Besonders zwei Verlage tun sich in Sachen Auflagenrückgang ganz besonders hervor. Ob der Niedergang zu stoppen ist?

Deutschlands Verlage stecken in der Printkrise. Dass dies keine hohle Phrase ist, beweisen die neuesten Auflagezahlen der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW). Betrachtet man nur die beiden wichtigsten IVW-Rubriken Abonnements und Einzelverkauf, die auch das meiste Geld bringen, für das zweite Quartal 2018, dann gibt es zwei ganz klare Verlierer unter den deutschen Verlagshäusern.

Bei den überregionalen Tageszeitungen führt das Medienhaus Axel Springer die Liste der Verlierer an. Sein einstiges Boulevard-Schlachtschiff Bild verlor mehr als zehn Prozent seiner Abonnenten und Kiosk-Käufer gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Damit bringt es die Bild im Einzelverkauf nur noch auf rund 1,5 Millionen Zeitungen (inklusive B.Z. und Fußball-Bild) täglich. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum 2014 hatte das Blatt eine Auflage von rund 2,26 Millionen verkauften Exemplaren.

Auch ein "Qualitätsmedium" aus dem Hause Springer stapelt sich am Kiosk

Immer weniger Deutsche greifen auch zum "Qualitätsblatt" Die Welt, denn die Zeitung aus dem Hause Springer verlor ebenfalls massiv an Auflage. Nur noch 83.660 Käufer hat Die Welt, ein Auflagenverlust von 8,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Auch bei den Sonntagszeitungen nimmt der Springer-Verlag den unrühmlichen ersten Platz ein, wenn es um verlorene Käufer geht. So schaffte es die Bild am Sonntag, mit 793.568 Abos und Einzelverkäufen genau zehn Prozent unter dem Vorjahr zu liegen.

In Sachen Regionalpresse sieht die Situation noch desaströser aus. Ein Verlag fuhr katastrophale Verluste ein und steht somit als unangefochtener Verlierer da – die DuMont Mediengruppe. Ihre Boulevardblätter Berliner Kurier, Hamburger Morgenpost und der Express Köln/Bonn büßten allesamt Auflage im zweistelligen Prozentbereich ein.

In der Hauptstadt greifen täglich nur noch 53.430 Käufer zum Berliner Kurier, was einen Rückgang der Auflage um 10,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum darstellt. Um zu verstehen, wie katastrophal der Rückgang der Käufer und Abonnenten bei diesem Blatt ist, reicht ein Blick in die jüngste Vergangenheit. Im zweiten Quartal 2015, bevor der Berliner Kurier einen neuen Chefredakteur bekommen hatte, verkaufte die Zeitung noch 72.533 Exemplare täglich.

Auch beim Kölner Express geht es mit der Auflage deutlich nach unten. Das Blatt büßte dramatische 14,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum ein und kommt nur noch auf 69.676 verkaufte Exemplare täglich. Aber eine andere Zeitung aus dem Kölner Medienhaus schaffte es sogar, dieses desaströse Resultat noch zu toppen: Die Hamburger Morgenpost erweist sich im zweiten Quartal 2018 mit einem heftigen Rückgang von 18 Prozent als der größte Verlierer aller deutschen Regionalzeitungen. Nur noch knapp über 40.000 Stück setzt sie per Abo und Einzelverkauf ab.

Boulevardblätter der DuMont-Mediengruppe entwickelten sich zu Klick-Schleudern

Die eingefahrenen Verluste im Hause werden die DuMont-Chefs dennoch als Bestätigung ihres 2014 begonnenen strategischen Programms "Perspektive Wachstum" sehen, das mit dem Ziel lanciert wurde, das Unternehmen auf die Digitalisierung der Medien auszurichten. Auf die Frage, ob das traditionsreiche Medienhaus mit dieser Strategie einem Niedergang entgegensteuere, sagte der ehemalige Lokalchef und stellvertretende Chefredakteur des Berliner Kurier (1990-1997) und zeitweilige Lokalchef des Kölner Express (1999), Matthias Bothe, gegenüber RT:

Ja, als Verlagshaus auf jeden Fall. Übrig bleibt eine x-beliebige, drittklassige Dotcom-Bude mit angeschlossenen Klick-Schleudern und gering bezahlten Mitarbeitern. Das Renomme eines einst großen Hauses ist schon jetzt völlig dahin.

Zum Niedergang des Berliner Kurier sagte Bothe gegenüber RT:

Für mich persönlich ist die Entwicklung dieses Blattes das Traurigste, was ich in 38 Jahren in diesem Beruf erleben musste. Eine einst wichtige Tageszeitung wurde von immer schlechteren Chefredakteuren zur bedeutungslosen Lachnummer herunterpervertiert. Die Themen werden immer belangloser, immer stümperhafter geschrieben und immer schlechter oder einfach gar nicht mehr recherchiert.

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