Kinder vor dem Wickeln um Erlaubnis fragen: Ratschlag an Eltern sorgt für Furore im Internet

Kinder vor dem Wickeln um Erlaubnis fragen: Ratschlag an Eltern sorgt für Furore im Internet
Von Geburt an sollten Eltern ihr Kind um Zustimmung bitten. In so etwa lässt sich das Konzept der Pädagogin erklären, das nun heftige Reaktionen in den sozialen Medien hervorrief.
Die Aussage einer Sexualpädagogin lässt seit Tagen das Internet beben: Eltern sollten ihre, auch neugeborenen, Kinder vor dem Wickeln um Erlaubnis fragen. Die Reaktionen fielen so heftig aus, dass die Therapeutin gezwungen war, ihr Facebook-Profil zu löschen.

Eigentlich ging es in einem Interview im australischen Fernsehsender ABC News um sexuellen Missbrauch von Kindern und wie man dem vorbeugen kann. Die Journalistin sprach darüber mit einer Sexualpädagogin von "Body Safety Australia". Diese Organisation arbeitet seit Jahren mit Kindern, Eltern und Lehrern zusammen und fördert durch ihre Tätigkeit das sogenannte Konzept des "consent", also der Zustimmung.

Französisch-Unterricht in einer Grundschule in Völklingen.

Selbstbestimmung des Kindes fördern

Den Kleinen - ab drei Jahren - versuchen sie durch Workshops einen selbstbewussten Umgang mit dem eigenen Körper beizubringen. Ihre Arbeit ist darauf fokussiert, den Kindern bereits so früh wie möglich zu vermitteln, dass sie allein die Kontrolle über ihren eigenen Körper haben – und entscheiden können, wer sie anfasst und wer nicht. Damit soll auch verhindert werden, dass sie Opfer von sexueller Gewalt werden.

Eltern, Lehrer sowie alle anderen Interessierten versucht die Organisation, für die Selbstbestimmung des Kindes zu sensibilisieren. Wie das genau vonstattengehen soll, versuchte die Pädagogin Deanne Carson im besagten Interview auch zu erklären.

Einverständnis der Babys einfordern

So sagte sie, dass Eltern ihre Babys von Geburt an um Zustimmung bitten sollten, bevor sie deren Windeln wechseln:

Ich werde jetzt deine Windeln wechseln, ist das okay?

Carson sagte selbst, dass ihr klar sei, dass die Babys nicht darauf antworten könnten, aber wenn die Eltern kurz abwarteten, könnten Babys ihr Einverständnis durch Signale und Körpersprache geben. Und man würde ihnen dadurch vermitteln, dass ihre Reaktion wichtig ist.

Einige Eltern würden immer noch auf die Zustimmung warten

Die Reaktionen der Zuschauer ließen nicht lange auf sich warten. Das Video des Gesprächs, das bereits am 8. Mai ausgestrahlt wurde, verbreitete sich rasant durchs Internet und führte bis heute vor allem in den sozialen Medien zu einem regelrechten "nappygate", also "Windel-Skandal".

Ich warte immer noch auf die Zustimmung meines Kindes. Seit drei Tagen schon, und überall ist Sch***e. Ich wünschte, mein Anderthalbjähriger würde antworten", meldete sich ein Facebook-Nutzer.

Andere fragten sich, ob die Frau überhaupt Kinder habe, da ihre Thesen weltfremd seien. In anderen Kommentaren regte sich beispielsweise eine Twitter-Nutzerin, nach eigener Aussage selbst Mutter von sieben Kindern, darüber auf, dass die verrücktesten und am lautstärksten geäußerten Thesen zur Kindererziehung von Menschen kämen, die darin am wenigsten Erfahrung hätten.

Neben hämischen und empörten Reaktionen überwiegend von Eltern gab es aber auch Beschimpfungen und sogar Morddrohungen gegen die Pädagogin. Daraufhin deaktivierte sie ihr Facebook-Profil.

Carson äußerte sich in einem langen Kommentar auf der Internetseite newmatilda.com noch einmal zu diesem Thema. Darin erklärt sie, dass sie missverstanden worden sei, und beschrieb noch einmal das Konzept ihrer Organisation.

Mehr zum Thema - Utah lässt Kinder als erster US-Bundesstaat frei laufen

Diese Webseite verwendet Cookies. Klicken Sie hier, um mehr zu erfahren

Cookies zulassen