Kunsthistorikerin Antonowa exklusiv für RT: Wie die Dresdner Gemäldegalerie gerettet wurde (Video)

Kunsthistorikerin Antonowa exklusiv für RT: Wie die Dresdner Gemäldegalerie gerettet wurde (Video)
Irina Antonowa (96) erinnert sich im Exklusiv-Interview für RT an die Rettung der Dresdner Gemäldegalerie
Die Präsidentin des Staatlichen A.S.-Puschkin-Museums für Bildende Künste in Moskau, Irina Antonowa, spricht in einem RT-Interview über die Rettung und die Rückgabe der Dresdner Gemäldegalerie Alte Meister. Und wie sie zufällig ein Bild Lucas Cranachs entdeckt hatte.

Die legendäre russische Kunsthistorikerin Irina Antonowa arbeitet seit ihrem Studienabschluss im Jahr 1945 im Moskauer Puschkin-Museum. Ganz am Anfang ihrer Karriere musste sich die frischgebackene Uni-Absolventin unter anderem intensiv mit der Sammlung der Dresdener Gemäldegalerie Alte Meister beschäftigen. Für Irina Antonowa wurde das zu einem unvergesslichen Ereignis. Denn während des Krieges waren die kostbarsten Kunststücke aus den Moskauer Museen evakuiert worden, sodass sich die angehenden Kunsthistoriker fast keine Originale betrachten konnten. Die Inventur und Restaurierung der deutschen Kulturgüter sollte fast zehn Jahre in Anspruch nehmen. Im Jahr 1955 beschloss die UdSSR die Rückgabe der Sammlung an die damalige DDR.

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Im Interview mit RT untermauerte Irina Antonowa ihren Standpunkt zu den aus Deutschland ausgeführten Kunstschätzen. Ihr zufolge wären die Gemälde aus der Dresdner Kunstsammlung einfach verloren gegangen oder gestohlen worden, wenn sowjetische Soldaten sie nicht in die UdSSR befördert hätten. Gleichzeitig hatten die Nazi-Truppen Unmengen von Kulturgütern im Land zerstört.        

Russland hat sehr viel in Bezug auf die Kultur verloren – mehr als 400 Museen. Das sind ganze Sammlungen, das ist das zerstörte Schloss Peterhof, aber auch andere Kulturzentren. Das sind nun alles Neubauten. Vergessen Sie bitte nicht, dass das nicht mehr jene Architektur ist. Das kann man nie verzeihen. Das muss meines Erachtens im Gedächtnis bleiben, nicht als Strafe, sondern als Erinnerung des deutschen Volkes: Man darf nicht zerstören, man darf keine Kunstwerke, keine Museen zerstören. Denn das wird unbedingt Folgen haben", meinte die Präsidentin des Moskauer Puschkin-Museums.

Dabei betonte Irina Antonowa, dass die UdSSR die Dresdner Sammlung auf das letzte Werk zurückgegeben habe.

Wir haben eine kolossale Menge zurückgegeben – die komplette Dresdner Gemäldegalerie bis auf das letzte Werk. Ich ging einmal die Sretenka-Straße entlang. Früher gab es dort ein gutes Kommissionsgeschäft für Antiquitäten. Ich betrat es, weil man dort ab und zu etwas finden konnte. Und plötzlich sah ich ein Bild von Cranach – und zwar das Bildnis des Kurfürsten mit Hochzeitskranz. Ich dachte mir, so ein Bild könne nur aus der Dresdner Gemäldegalerie stammen. Ich ließ mir die Rückseite des Bildes zeigen und sah, dass es tatsächlich aus Dresden war. Ich ging flugs ins Museum und teilte das mit. Wir fuhren sogleich dorthin und kauften dieses Bild. Wir kauften es. Das Museum bezahlte es. Und wir gaben dann auch dieses Bild zusammen mit allen anderen zurück. Wenn schon, denn schon. Wir gaben alles auf das Werk genau ehrlich zurück, einschließlich des Gemäldes, das wir gekauft hatten und das ich in dem Kommissionsgeschäft in der Sretenka-Straße entdeckt hatte", so Irina Antonowa.

Die berühmte Museumsleiterin zeigte sich enttäuscht darüber, dass Deutschland die Leistung der russischen Restauratoren vergessen zu haben scheine. Als sie vor ungefähr zwei Jahren in Dresden gewesen sei, habe sie das Schildchen mit der Danksagung des deutschen Volkes nicht mehr gesehen.